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Vor dem Offenburger Landgericht ist der Prozess gegen den 32-jährigen Yves R. aus Oppenau fortgesetzt worden. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten.

Yves R. war im Sommer 2020 bei Oppenau (Ortenaukreis) in einer fremden Waldhütte entdeckt worden, hatte dort mehrere Polizisten entwaffnet und sich dann tagelang im Wald versteckt. Angeklagt ist der 32-Jährige wegen Geiselnahme, gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffengesetz.

Plädoyer der Verteidigung: Anderthalb Jahre auf Bewährung

Die Verteidiger Michaela Mast und Yorck Fratzky beantragten am Dienstag vor dem Landgericht Offenburg eine Freiheitsstrafe von anderthalb Jahren auf Bewährung. Yves R. hatte in einer Erklärung zwar eingeräumt, in einer Hütte Polizeibeamten bedroht und ihnen die Dienstwaffen abgenommen zu haben. Seine Verteidiger halten den Vorwurf der Geiselnahme aber für falsch. In der Hütte wie auch bei seiner Festnahme nach tagelanger Fahndung sei ihr Mandant in die Enge getrieben worden, so die Verteidiger.

Plädoyer der Staatsanwaltschaft: Drei Jahre und neun Monate Haft

Die Staatsanwaltschaft hatte Yves R. wegen Geiselnahme, gefährlicher Körperverletzung und Verstößen gegen das Waffengesetz angeklagt und sieht alle Anklagepunkte als erwiesen an. Sie fordert für Yves R. eine Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten. Man gehe von einem minderschweren Fall von Geiselnahme aus, sagte Staatsanwältin Raffaela Sinz. Für den Angeklagten spreche unter anderem, dass er frühzeitig ein Geständnis abgelegt und sich im Verfahren entschuldigt habe - und dass es sich nicht um eine typische Geiselnahme gehandelt habe.

Psychiatrischer Gutachter sagt aus

Am Dienstagvormittag hat ein psychiatrischer Gutachter vor Gericht seine Einschätzung zum Angeklagten abgegeben. Demnach leidet Yves R. an einer multiplen Persönlichkeitsstörung. Er ist nach dieser Einschätzung über die Norm eigentümlich und speziell, aber nicht in dem Ausmaß, wie das bei einer psychischen Erkrankung der Fall wäre, so der Gutachter Stephan Bork aus Tübingen. Für den Tatvorwurf sieht er keine Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Steuerungsfähigkeit. Bei der Festnahme des Angeklagten hätten aber situative Faktoren die Steuerungsfähigkeit vermindert. Yves R. habe unter Hunger, Durst und Schlafmangel gelitten; als er so im Gebüsch verharrt hätte, hätten Elektroschockpfeile Schreck und Schmerz verursacht. Als R. dann einen Polizeibeamten mit einer Axt am Fuß verletzte, soll er unter einer tiefgreifenden Bewusstseinsstörung gelitten haben.

Freunde beschreiben ihn als gutmütig

Freunde und Verwandte beschrieben ihn am vierten Prozesstag als freundlich und gutmütig. Nachdem er schon einmal eine Haftstrafe verbüßt hatte, habe er nie wieder ins Gefängnis gewollt. Die Zeugen berichteten außerdem, dass Yves R. zuletzt zurückgezogen im Wald gelebt habe. Er sei dort zufrieden gewesen, so ihre Einschätzung. Alle hatten nach eigenen Angaben bis zu den Ereignissen im Sommer regelmäßig Kontakt zu ihm.

Urteil könnte am Freitag fallen

Ausgesagt hat am Montag auch die Tante des Angeklagten, bei der R. zwischenzeitlich wohnte. Sie beschrieb ihn als intelligent und hilfsbereit. Seinen Plan, im Wald zu leben und eine lange Wanderung zu unternehmen, sah sie als Wegsuche. In dem Prozess könnte am Freitag, 19. Februar, das Urteil fallen.

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