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Seit der vergangenen Woche sorgt das "Nein" aus dem Vatikan zur Segnung homosexueller Paare für viel Protest. Ein Zeichen wollten Katholikinnen und Katholiken in Villingen-Schwenningen setzen. Unter dem Motto "Mut und Wandel" fand ein Gottesdienst statt.

Rund 40 Menschen sind an diesem Abend in die ehemalige Benediktinerkirche in Villingen gekommen. Mit dabei sowohl jüngere als auch ältere. Mit Masken im Gesicht und viel Abstand zueinander sitzen sie auf Stühlen um den Altar. Mitorganisator Tobias Aldinger begrüßt sie zu diesem Gottesdienst. Er spricht von einem Signal der Solidarität, das gesendet werden soll: "Wir glauben und wollen zeigen, dass die katholische Kirche viel weiter und bunter ist, als manche Autoren in der Glaubenskongregation es gerne hätten."

Vor gut einer Woche kam die Absage für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare aus dem Vatikan. Es wurde unter anderem erklärt, dass Segnungen menschlicher Beziehungen nur möglich sein, "wenn damit den Plänen Gottes" gedient sei. Bei Tobias Aldinger sorgt das alles für Kopfschütteln. Er engagiert sich ehrenamtlich in der Villinger Gemeinde, ist aber auch selbst Mitarbeiter in der katholischen Kirche und wollte unbedingt ein Zeichen setzen: "Das war uns unglaublich wichtig, weil wir es einfach nur erschreckend finden, was für Spielchen aus Rom kommen - auf Kosten von anderen, die für Verwunderung sorgen. Es braucht den Segen für jede Liebe, egal wie die aussieht." Das entspricht dem Wesenskern der christlichen Botschaft im Evangelium Jesu Christi.

Für Akzeptanz und Toleranz

Den Gottesdienst an diesem Abend feiert auch die 16-jährige Rebecca und ihre Mutter mit. Für die Jugendliche muss die katholische Kirche ein Ort sein, an dem jeder willkommen und aufgenommen ist: "Ich hoffe einfach, dass ich mich weiter wohlfühlen kann, egal wer ich bin und alle anderen Menschen auch. Ich finde, das ist ein wichtiger Aspekt der Kirche." Eine Kirche, in der sich alle wohlfühlen, will auch Dominik Feigenbutz. Er ist Pfarrer im Brigachtal und ebenfalls Mitfeiernder im Gottesdienst. Er ist wütend über die Entscheidung aus dem Vatikan: "Wir können nicht Menschen den Segen verwehren, wenn wir gleichzeitig Fahrzeuge, Rosenkränze und sonstige Gegenstände segnen."

Verständnis für austretende Menschen

Mit dem Gottesdienst soll für eine Kirche der Anerkennung gebetet werden. Es ist auch eine Bitte an Gott für Mut und Wandel. Jolande Berberich, Mitorganisatorin und Pastoralassistentin in Villingen: "Ich habe den Eindruck, dass ganz viele Homosexuelle der Kirche schon lange der Kirche den Rücken zugekehrt haben - weil sie Signale bekommen haben, dass sie nicht wirklich erwünscht seien. Ich empfinde größten Respekt für die, die trotzdem da sind. Aber ich kann nachvollziehen, wenn Menschen austreten."

Veränderungen in Aussicht

Im Segensgebet zum Abschluss des Gottesdienstes, heißt es: "Lege deinen Segen in unsere Herzen, damit wir aufhören, andere zu bewerten, sondern in ihnen dein geliebtes Geschöpf entdecken." Für Mitorganisator Tobias Aldinger ist klar: Viele an der Basis sind schon deutlich weiter als im Vatikan. Für die Zukunft ist er deshalb zuversichtlich: "Der Wandel ist schon lang da. Manche Führungskreise haben das einfach noch nicht verstanden. Wir bleiben dran!"

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