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Die Bundeswehr will in der Nähe der Kinder-Nachsorgeklinik in Villingen-Schwenningen einen Truppenübungsplatz errichten. Klinikleitung, Familien der Patienten und OB protestieren.

Protest vor der Nachsorgeklinik Tannheim (Stadtbezirke von Villingen-Schwenningen im Schwarzwald-Baar-Kreis). Die Botschaft der Familien mit schwer kranken Kindern ist eindeutig: Kein Standortübungsplatz in der Nähe der Klinik.

Roland Wehrle, Geschäftsführer der Nachsorgeklinik Tannheim ist empört:
"Wir haben uns 1991 ganz bewusst für diesen Standort entschieden, auch etwas abseits der Bebauung von Tannheim. Dieser Standort ist jetzt gefährdet, weil dieser Übungsplatz entstehen soll. Und unsere Patienten, unsere Kinder, brauchen für das familienorientierte Rehabilitationskonzept eine Oase der Ruhe, eine Oase, in der sie sich fallen lassen können."

Die Nachsorgeklinik Tannheim auf einem Luftbild (Foto: SWR)
Die Nachsorgeklinik Tannheim will keinen Bundeswehr-Übungsplatz des Standorts Donaueschingen in ihrer Nachbarschaft haben.

Waffentraining mit Übungshandgranaten und Übungspanzerfäusten

Direkt gegenüber der Klinik, am Ochsenberg, soll der Standortübungsplatz für die Soldaten aus Donaueschingen entstehen - mehrere hundert Hektar groß. Der dort bereits bestehende Übungsplatz sei mit 50 Hektar zu klein. Auf dem geplanten Gelände bei Tannheim soll etwa jeden zweiten Tag trainiert werden. Beim Waffentraining komme auf Standortübungsplätzen lediglich Übungsmanöver-Munition zum Einsatz, erklärt Oberst Herfried Martens vom Bundesamt für Infrastruktur der Bundeswehr in Stuttgart.

Lärmgutachten wird erstellt

Im Gegensatz zum scharfen Schuss sei dies mit deutlich weniger Lärmentwicklung verbunden. Für konkrete Angaben zur Lärmentwicklung müsse das entsprechende Lärmgutachten abgewartet werden, so Herfried Martens. Das soll 2022 vorliegen. So lange will man in der Nachsorgeklinik Tannheim nicht warten. Eine Petition gegen den Übungsplatz hat bisher mehr als 7.000 Unterstützer. Rückendeckung gibt es auch aus Villingen-Schwenningen.

"Die Bundeswehr muss üben - das ist unstrittig. An diesem Standort, in unmittelbarer Nähe, fünf bis sechs Kilometer von Wohngebieten und zu dieser Klinik: Nicht akzeptabel. Im Naturschutzgroßprojekt: Nicht akzeptabel."

Jürgen Roth (CDU), Oberbürgermeister Villingen-Schwenningen
Nachsorgeklinik Tannheim gegen Bundeswehr-Übungsplatz der Standorts Donaueschingen in ihrer Nachbarschaft (Foto: SWR)

Zustimmung am Bundeswehrstandort Donaueschingen

Im zehn Kilometer entfernten Donaueschingen findet sich dagegen Zustimmung für die Pläne der Bundeswehr - sichern sie doch den eigenen Bundeswehrstandort mit mehr als 900 Soldaten. Dort sieht man die Diskussion ohne vorliegende Gutachten kritisch.

"Ich würde mir wünschen, dass man die Ergebnisse abwartet, bevor man über Fakten zu sprechen versucht, die man bisher noch gar nicht hat. Unsere Erfahrungen am Übungsplatz Donaueschingen zeigen, dass dieser keine Belästigung für die Bevölkerung bedeutet."

Erik Pauly (CDU), Oberbürgermeister von Donaueschingen

Vertreter der Bundeswehr wollen Klinik besuchen

Die Klinik in Tannheim wird trotzdem weiter Sturm laufen gegen den geplanten Übungsplatz. Als nächster Schritt steht ein Treffen an: Vertreter der Bundeswehr wollen die Klinik im Herbst besuchen und sich ein Bild machen. Man nehme die Kritik in Tannheim ernst.

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