Aktivistinnenn und Aktivisten campieren im Müllheimer Eichwald, um die Abholzung einer teilfläche zu verhindern. (Foto: SWR, Damian Correa Koufen)

Klimawandel und Forstwirtschaft

Protest gegen geplante Teilabholzung des Müllheimer Eichwalds

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Im Eichwald bei Müllheim sollen Teilflächen gerodet werden. Um das zu verhindern hat die Initiative "Rettet den Eichwald" den Wald bis auf Weiteres besetzt.

Baumhäuser in 20 Metern Höhe, zwischen den Stämmen Transparente mit der Aufschrift "Rettet den Eichwald" und "Der Wald gehört uns": Seit einigen Tagen besetzt hier die Bürgerinitiative "Rettet den Eichwald" ein Waldstück im Müllheimer Eichwald, das von der Abholzung bedroht ist.

"Ich habe hier als kleiner Junge immer Schatzsuchen gespielt", erzählt der 40-jährige Moritz Krause, einer von ungefähr 15 Leuten, die abwechselnd auf dem Waldstück campieren. "Es hieß immer, das hier ist die Schatzkammer von Müllheim. Wir wussten natürlich nicht, dass die Bäume gemeint waren. Und jetzt wird das platt gemacht, das tut weh!"

BI: "Flächendeckende Abholzung schadet dem Klima"

Die Bürgerinitiative sieht den Wald bedroht - auch in seiner Funktion als Naherholungsgebiet für Müllheim. Vor allem aber im Kampf gegen den Klimawandel sei es wichtig, den Wald möglichst unberührt zu lassen, so Annikki Suger. Sie ist eine der am stärksten engagierten Mitglieder der Bürgerinitiative. Die geplante Teilrodung passe auch angesichts der jüngsten Hochwasserereignisse nicht mehr in die Zeit.

"Wir fordern ein Ruhejahr für den Eichwald oder sogar mehrere, damit der Wald sich erholen kann und damit man auch abwarten kann, wie es weitergeht mit der Klimasituation und dann wünschen wir uns eine maßvolle, naturnahe Bewirtschaftung."

Müllheim: "Waldbewirtschaftung macht Wald klimafest"

Die Stadt Müllheim will bei der Waldbewirtschaftung den eingeschlagenen Weg weitergehen. Sie sieht bezüglich der Abholzung kein Maß überschritten. Aus Sicht von Günther Danksin, Beigeordenter von Müllheim, würde der geplante Einschlag und die anschließende Aufforstung den Wald sogar resistenter gegen klimatische Veränderungen machen.

"Wir meinen, dass ein sorgsam bewirtschafteter Wald weniger anfällig gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels ist, als ein Wald, den man sich selbst überlässt."

Im Kampf gegen den Klimawandel setzt die Stadt im Eichwald auf Verjüngung. Mit der Eiche, als einer relativ trockenheits- und wärmeressistenten Baumart, solle die Fläche wieder aufgeforstet werden. Ein Standpunkt, den Experten, wie der Forstwissenschaftler Jürgen Bauhus von der Uni Freiburg, grundsätzlich unterstützen.

Nabu Müllheim unterstützt Waldbesetzung

Die Bürgerinitiative "Rettet den Eichwald" hält diesen Weg dennoch für falsch. Sie ist überzeugt, dass ein gemischter Wald anpassungsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels ist. Unterstützung kommt vom Nabu Müllheim und auch von der überregional arbeitenden Initiative "Waldwende Jetzt", die durch die aktuell praktizierte Forstwirtschaft die Existenz der Waldgebiete zwischen Basel und Frankfurt gefährdet sieht und deshalb eine Neuausrichtung in der Waldbewirtschaftung fordert. Vernetzt ist die BI „Rettet den Eichwald“ zudem mit Baumbesetzerinnen und -besetzern des Dietenbachwalds in Freiburg sowie des Hambacher Forstes.

Bürgerinitiative will nicht klein beigeben

Der Streit um den Eichwald tobt schon mehrere Jahre. Zwar betont die Stadt Müllheim, die Sorgen der Bürgerinitiative ernst zu nehmen, aus Sicht der Aktivistinnen und Aktivisten führten die gemeinsamen Gespräche jedoch bislang zu nichts.

"Mich macht das wütend und ich bin verzweifelt, dass es keine Einsicht gibt und man nicht auf uns zukommt. Für mich ist es offensichtlich, dass das, was hier passiert, nicht richtig ist."

Vor einem Jahr blockierte die Gruppe schon einmal einen halben Tag lang die Abholzung eines anderen Waldstücks. Der jetzige Konflikt zieht sich schon über eine Woche hin und könnte noch eine ganze Weile andauern. Die Aktivistinnen und Aktivisten wollen so lange den Eichwald besetzen, bis ihnen zugesichert wird, dass das Waldstück nicht abgeholzt wird.

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