Russischer Autokorso in Lörrach mit mehr als 100 Fahrzeugen. (Foto: SWR)

Kolonne mit mehr als 100 Fahrzeugen

Pro-russischer Autokorso trifft in Lörrach auf pro-ukrainische Gegendemo

STAND
AUTOR/IN
Laura Könsler/Anita Westrup

500 Menschen haben am Sonntag in Lörrach an einem Autokorso mit russischen Fahnen teilgenommen - gegen die Diskriminierung russischer Menschen. Es gab pro-ukrainische Gegendemos.

Fahnen in den russischen Nationalfarben flatterten auf Motorhauben und an Autoscheiben: Am Sonntagmittag rollten bis zu 500 Menschen mit ihren Autos durch Lörrach. Mehr als 100 Fahrzeuge waren an der pro-russischen Autokolonne beteiligt.

Autokorso gegen Diskriminierung

Die Demonstration in Form des Autokorsos war unter dem Titel "Gegen Diskriminierung der russischsprachigen Mitbürger in Deutschland, gegen Krieg, gegen Faschismus und Nazismus" angemeldet worden. Die Teilnehmer wollten damit gegen die gesellschaftliche Ausgrenzung russischstämmiger Menschen protestieren.

Video herunterladen (8,5 MB | MP4)

Pro-ukrainische Gegendemonstration an der Strecke

Zeitgleich zum Autokorso versammelten sich unter einer Autobahnbrücke in Lörrach rund 130 Menschen zu einer pro-ukrainischen Gegendemo. Einige Demonstranten waren in ukrainische Flaggen gehüllt. Andere hielten Bilder aus der zerstörten Stadt Butscha hoch. Dort sollen russische Soldaten für Vergewaltigungen, Plünderungen und Hinrichtungen verantwortlich sein.

Proukranische Gegendemonstration unter einer Autobahnbrücke (Foto: SWR, Laura Könsler)
Dutzende Menschen haben sich zu seiner proukrainischen Gegendemo unter einer Autobahnbrücke getroffen. Laura Könsler

Ukrainischer Botschafter fordert Verbot russischer Fahnen bei Demos

Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk hatte am Samstagabend ein Verbot russischer Fahnen und anderer staatlicher Symbole bei pro-russischen Demonstrationen in Deutschland gefordert. "Das Tragen aller offiziellen Symbole eines Aggressor-Staates - wie der russischen Fahne - müsste per Gesetz verboten werden, solange Russland diesen Vernichtungskrieg gegen die ukrainische Nation führt", sagte Melnyk der Deutschen Presse-Agentur.

Das Zeigen der russischen Symbole habe nichts mit Meinungsfreiheit zu tun, sondern mit "Verherrlichung einer barbarischen Aggression" mitten in Europa. Er werde darüber "sehr konkrete Gespräche" mit der Bundesregierung führen, kündigte Melnyk an. "Ich kann gar nicht verstehen, dass die deutsche Politik dabei ein Auge zudrückt. Wenn man mit einer russischen Fahne demonstriert, dann unterstützt man automatisch einen Staat, der einen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine und unsere Zivilbevölkerung führt.", so Melnyk. Via Twitter äußerte er:

Weitere Gegendemo in der Lörracher Innenstadt

Zu einer weiteren Gegendemonstration kam es in der Lörracher Innenstadt. Der Kreisverband der Grünen hatte dazu aufgerufen. Etwa 350 Menschen versammelten sich auf dem Marktplatz und zeigten ihre Solidarität mit den Menschen in der Ukraine. Eine junge Demonstrantin hatte sogar Eiskugeln in den ukrainischen Nationalfarben parat.

Junge Demonstrantin in Lörrach zeigt Solidarität mit Menschen in der Ukraine. (Foto: SWR, Laura Könsler)
Junge Demonstrantin in Lörrach zeigt Solidarität mit Menschen in der Ukraine. Laura Könsler

Pro-russischer Autokorso auch in Stuttgart unterwegs

In Stuttgart hatte es am Samstag einen pro-russischen Autokorso gegeben. Die Demonstranten forderten "Stopp Russophobia" und wandten sich "Gegen die Diskriminierung russischsprachiger Kinder in den Schulen".

Bevor sich die Kolonne in Bewegung setzte, wurde unter anderem die russische und die deutsche Nationalhymne abgespielt und zu den Klängen des russischen Volkslieds "Kalinka" getanzt und gesungen. Zwischenfälle oder größere Verkehrsbehinderungen notierte die Polizei nicht.

Mehr zum Thema:

Baden-Württemberg

Wenige Hundert Menschen bei Demos in BW Innenminister Strobl: Pro-russische Autokorsos schwer erträglich

Innenminister Thomas Strobl (CDU) hat die pro-russischen Autokorsos in Baden-Württemberg kritisiert. Am Wochenende rollten diese durch Stuttgart und Lörrach.

Stuttgart

Protestaktion mit rund 200 Fahrzeugen Autokorso in Stuttgart: Demo gegen Diskriminierung russischsprechender Menschen

Mit einem Autokorso durch die Stuttgarter Innenstadt haben am Samstagnachmittag russischsprechende Menschen gegen die von ihnen empfundene Diskriminierung demonstriert. Es waren rund 200 Fahrzeuge beteiligt.

Aktuelle Berichte, Videos und Reportagen Krieg in der Ukraine: Was bedeutet das für den Südwesten?

Der Krieg in der Ukraine hat auch Auswirkungen auf Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg.

STAND
AUTOR/IN
Laura Könsler/Anita Westrup