Pro-russische Demonstration in Freiburg (Foto: SWR, Sebastian Bargon)

"Die sind alle pro Putin und pro Krieg"

Demonstration gegen pro-russischen Autokorso in Freiburg

STAND

Rund 300 Menschen haben am Sonntag in Freiburg gemeinsam mit der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft gegen einen pro-russischen Autokorso demonstriert. Die Stimmung war angespannt.

Video herunterladen (8,4 MB | MP4)

Der pro-russische Autokorso zog am Sonntagnachmittag mit etwa 80 Autos durch das Freiburger Stadtgebiet. Gestartet war der Korso auf dem Parkplatz des Freiburger Stadions. Menschen hielten russische Flaggen aus den Autofenstern. Am Fahrbahnrand wurden ebenfalls Flaggen in die Höhe gehalten - allerdings in blau-gelb, die Farben der Ukraine.

Beleidigungen zwischen Demonstrationsgruppen

Rund 300 Menschen waren dem Aufruf der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft und der Bürgerinitiative Engagiertes Freiburg" gefolgt und hatten sich zu einer Demonstration gegen den russischen Autokorso versammelt. Es kam zu Beleidigungen der beiden Demonstrationsgruppen.

Empört über Aufruf zum Autokorso

Mit Plakaten, Sprechchören und Widerstandsliedern forderten die deutsch-ukrainischen Demonstrantinnen und Demonstranten Frieden in der Ukraine und verurteilten aufs Schärfste den brutalen Angriffskrieg Russlands. Die Vorsitzende der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft Freiburg, Oksana Vyhovska, zeigte sich empört über die Teilnehmenden des Autokorsos - und auch über dessen Ankündigung.

"Die sind alle pro Putin und pro Krieg."

Auf dem Flyer standen nämlich zwei unterschiedliche Infos: Während es auf Deutsch hieß: "Für den Frieden in Europa und gegen Diskriminierung von russischsprachigen Menschen" - stand auf dem russischen Flyer: "Für die Unterstützung Russlands - gegen die Diskriminierung Russischsprachiger - für die Einstellung aller Aktionen gegen Russland".

"Mich stört, dass diese Menschen das Recht haben, öffentlich den Krieg zu unterstützen."

Pro-russische Demonstration in Freiburg (Foto: SWR, Sebastian Bargon)
Etwa 80 Autos haben sich in Freiburg zum pro-russischen Autokorso versammelt. Sebastian Bargon

Autokorso für Putin

Olga Arnold hat am Autokorso teilgenommen. Sie kommt aus Russland und lebt seit fast 30 Jahren hier in Deutschland. Sie protestierte, weil sie gegen Nationalsozialismus sei - und in der Ukraine seien 660.000 Nazis.

"Wir protestieren gegen Nazis - das muss beendet werden und Putin kann das."

Auf die Frage, woher sie diese Informationen hat, sagte Olga Arnold: "Das sagen alle, das wissen alle." Sie kenne die Wahrheit, informiere sich im Internet auf Plattformen wie Google oder YouTube.

Aktion "Russen gegen den Krieg" am Sonntagabend

Am Sonntagabend fand in Freiburg auf dem Platz der Alten Synagoge eine weitere Demonstration statt: "Russen gegen den Krieg in der Ukraine." Zu der Aktion hatte die russisch sprechende internationale Bürgerinitiative "Engagiertes Freiburg" aufgerufen. Sie wolle sich damit gegen den Krieg in der Ukraine aussprechen.

"Wir tolerieren diese pro-russische Propaganda nicht in unserer Region."

Schon vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine habe sich die Bürgerinitiative lautstark für Demokratie in Russland eingesetzt und auf die verheerende Korruption und Unterdrückung der Meinungsfreiheit hingewiesen - so die Initiative in einem Schreiben.

Mehr zum Thema:

Baden-Württemberg

Demonstrationen im Land Pro-russischer Autokorso rollt durch Lahr - Ukraine-Demo in Stuttgart

Russland-Fahnen auf den Straßen in Lahr: Am Sonntag ist ein pro-russischer Autokorso mit mehr als 100 Wagen durch die Stadt gezogen. In Stuttgart gab es eine Demo mit vielen Ukraine-Flüchtlingen.  mehr...

Baden-Württemberg

Wenige Hundert Menschen bei Demos in BW Innenminister Strobl: Pro-russische Autokorsos schwer erträglich

Innenminister Thomas Strobl (CDU) hat die pro-russischen Autokorsos in Baden-Württemberg kritisiert. Am Wochenende rollten diese durch Stuttgart und Lörrach.  mehr...

Internationale Politik Russland und die Ukraine: Geschichte eines Krieges

Für Putin ist die Ukraine ein sowjetisches Konstrukt, den Einmarsch begründet er historisch. Der Konflikt um die ukrainische Unabhängigkeit reicht bis ins Mittelalter zurück.  mehr...

SWR2 Wissen SWR2

STAND
AUTOR/IN