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Wintersport in Corona-Zeiten - wie passt das zusammen? Diese Frage erhitzt die Gemüter seit langem und sorgt auch in der Redaktion für Diskussionen.

Nach den Bildern vom Wochenende fordern einige, die Regeln für Wintersport zu verschärfen und manche Gebiete aus Sicherheitsgründen abzuriegeln. Wieder andere finden: Lasst die Menschen den Winter doch genießen. SWR Redakteurin Petra Jehle und SWR Redakteur Damián Correa Koufen haben abgewogen: Correa Koufen ist für strengere Regeln, also weniger Menschen auf den Pisten, Jehle dagegen. Ein Meinungsbeitrag in Gesprächsform.

Frau sitzt mit Kind auf einem Schlitten (Foto: Collage: dpa und SWR)
"Alle fahren dorthin, wo es schön und sonnig ist", argumentiert Damián Correa Koufen für strengere Regeln. Collage: dpa und SWR

Damián Correa Koufen: "Wenn ich die Bilder vom Wochenende aus dem Schwarzwald sehe, kann ich nur den Kopf schütteln. Lange Autoschlangen, überfüllte Parkplätze, dicht gedrängte Menschenmengen auf den Schneehängen. Da müssen strengere Regeln her. Denn man weiß es ja: Es fahren alle an die gleichen Orte - dorthin, wo es schön und sonnig ist."

Überfülltes Skigebiet (Foto: Collage: dpa und SWR)
"Lieber fahren die Kids draußen zusammen Schlitten, als dass sie sich daheim im engen Kinderzimmer heimlich treffen", spricht sich Petra Jehle gegen strengere Regeln aus. Collage: dpa und SWR

Petra Jehle: "Aber es ist nicht nur auf den bekannten Gipfeln schön, sondern auch vor der Haustür. Es gibt doch fast überall einen schönen Park, einen Hügel, einen See, einen Bach oder einen Fluss in der Nähe. Da waren auch Menschen unterwegs, und der Abstand wurde eingehalten. Nur das macht eben keine Schlagzeilen. Das Problem ist für mich die Lenkung der Besucher. Also ich finde: Lieber fahren die Kids draußen zusammen Schlitten, als dass sie sich daheim im engen Kinderzimmer heimlich treffen."

Damián Correa Koufen: "Und wie stellst du dir das vor? Wie soll man denn steuern, wo die Leute hingehen und wer kontrolliert, dass die Abstände eingehalten werden? Wenn das so weitergeht wie letztes Wochenende, werden die Ausflugsziele zu den neuen Corona-Hotspots."

Petra Jehle: "Klar, das ist ein Risiko. Aber dann dreh es mal um. Die Konsequenz wäre fast schon eine Ausgangssperre auch tagsüber. Frische Luft, Bewegung, durchatmen, abschalten - all das ist wichtig zur Stärkung der Abwehrkräfte. Und für die Psyche. Nur noch drinnen - das ist doch auch nicht gesund."

Damián Correa Koufen: "Und was ist mit der Psyche der armen Leute, die an den Schneehängen leben? Die ganze Infrastruktur fehlt. Die Zufahrtswege für Rettungskräfte sind dicht. Es gibt keine Mülltonnen oder Toiletten. Der ganze Dreck sammelt sich jetzt in und vor deren Gärten an. Die Natur wird zur großen Toilette für die Massen."

Petra Jehle: "Aber das ist ja jetzt nicht nur ein Corona-Problem. In den Jahren davor war es auf dem Feldberg zum Beispiel ja auch schon so, dass die Parkplätze übervoll waren, die Straßen dicht und dass es ein paar Menschen gab, die ihr Auto auf dem Rettungsweg geparkt haben. Dieses Problem muss man doch grundsätzlich lösen und nicht die Leute alle einsperren."

Das Gespräch zum Nachhören:

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