Wahlplakte in Wahllokal in Freiburg (Foto: SWR, Sebastian Bargon)

Weitere Präsidentschaft für Macron?

Französinnen und Franzosen in Südbaden stimmen ab

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In Südbaden haben am Sonntag mehrere Tausend Franzosen bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl ihre Kreuzchen gesetzt. Viele nehmen dafür eine längere Anfahrt auf sich.

8 Uhr am Sonntagmorgen in Offenburg (Ortenaukreis): Für die Freundesgruppe um die Deutsch-Französinnen Lise Hirsekorn und Sophie Mitzel geht es am Wahlsonntag früh los. Um ihre Stimme abzugeben, müssen sie ins rund 60 Kilometer entfernte Freiburg reisen. Denn eine Briefwahl ist nicht möglich. "Es wäre natürlich praktischer, wenn wir in Offenburg oder in Straßburg wählen dürften. Aber das ist einfach so, dass Freiburg unser Wahlzentrum ist", erklärt Lise Hirsekorn.

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Rund 5.000 Franzosen stimmen in Freiburg ab

Vor dem Wahllokal im Deutsch-Französischen Gymnasium in Freiburg bildete sich am Sonntagmittag eine lange Schlange. Für viele Französinnen und Franzosen in Freiburg ist die Wahl, in der es um die Zukunft des Landes geht, sehr wichtig.

Die Stimmen der rund 1,8 Millionen Auslandsfranzosen könnten in dem diesem Jahr für Amtsinhaber Emmanuel Macron besonders wichtig werden. "In Frankreich rechnet man damit, dass viele Leute nicht zur Wahl gehen. Daher ist es wichtig, die Leute hier zu mobilisieren", sagt Jean-Baptiste Lemoyne, stellvertretender Minister im Außenministerium und Anhänger von Macrons Partei "La République En Marche". In Baden-Württemberg leben etwa 40.000 Französinnen und Franzosen, rund 5.000 haben am Sonntag ihr Kreuzchen in Freiburg gesetzt.

Wahlprozedere für Franzosen im Ausland

Um von Deutschland aus ihre Stimme abzugeben, haben Französinnen und Franzosen zwei Möglichkeiten: Entweder tragen sie sich in ein besonderes Wählerverzeichnis ein und wählen vor Ort. Oder sie wählen per "procuration" und geben einem nahen Angehörigen die Vollmacht für ihre Stimme. Wer protestieren, aber trotzdem wählen will, gibt ein "vote blanc" ab, also einen leeren Stimmzettel. Dieser wird nicht mitgezählt und kommt vor allem in der Stichwahl öfter zum Einsatz.

Amtsinhaber Macron mit kleinem Vorsprung vor Le Pen

Zur Auswahl in diesem Jahr standen zwölf Kandidatinnen und Kandidaten - von linksaußen bis rechtsaußen. Bis zum frühen Montagmorgen waren nach Angaben des Innenministeriums 97 Prozent der Stimmen ausgezählt. Macron lag demnach mit 27,60 Prozent in Führung, Le Pen kam auf 23,41 Prozent. Seit Monaten hatten Umfragen eine Wiederauflage des Duells von 2017 zwischen dem Europafreund und der Europaskeptikerin vorausgesagt. Auf Platz drei landete mit 21,95 Prozent der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon. Historisch schlecht schnitten die beiden einstigen Volksparteien der Sozialisten und Konservativen ab.

Le Pen siegt in der Nachbarregion Grand Est

In der französischen Großregion Grand Est hat Marine Le Pen vom "Rassemblement National" bei der Präsidentschaftswahl die meisten Stimmen geholt. Sie kam auf knapp 30 Prozent, Amtsinhaber Emmanuel Macron auf gut 27 Prozent. Beide konnten sich damit im Vergleich zur Wahl 2017 etwas verbessern. In den dazugehörigen, grenznahen Départements sieht es etwas anders aus: Im Département Bas-Rhin liegt Macron hingegen deutlich vor Le Pen, im Département Haut-Rhin liegen beide gleichauf. Wie in ganz Frankreich landete der Linksaußen-Kandidat Jean-Luc Mélenchon im Elsass auf Platz drei, der Rechtsextremist Eric Zemmour abgeschlagen auf Platz vier. Die Wahlbeteiligung in Grand Est lag bei knapp 74 Prozent und entspricht damit der Wahlbeteiligung in ganz Frankreich - laut einer Schätzung des Umfrageinstituts Ipsos.

Wieder nach Freiburg: Stichwahl am 24. April

Der 44 Jahre alte Amtsinhaber Macron und seine 53-jährige Herausforderin Le Pen qualifizierten sich am Sonntag für die Stichwahl am 24. April. In zwei Wochen müssen die Franzosen aus Offenburg dann noch einmal nach Freiburg kommen, um ein zweites Mal abzustimmen. Für die Deutsch-Französin Sophie Mitzel aus Offenburg steht fest: "Gerade wegen der aktuellen Geschehnisse ist es wichtig, dass die richtigen Leute an der Regierung sitzen."

Projekt von Studierenden aus Freiburg und Straßburg

Während eines Kurses im SWR Studio Freiburg haben sich Studierende des Masters "Deutsch-Französische Journalistik" der Universitäten Freiburg und Straßburg mit einigen Französinnen und Franzosen getroffen, die in Südbaden leben. Die Studentin Christina Genet hat die Französin Marine Quétin aus Freiburg auf den Wochenmarkt begleitet und mit ihr über ihre politische Schwerpunkte bei dieser Wahl gesprochen:

Nicht zentral, aber wichtig: die Landwirtschaft

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine überschattet den Wahlkampf, das Thema dominiert. Nicht zentral, aber für viele wichtig ist die Landwirtschaft. Deswegen haben die Studentinnen Astrid Jurquet und Marleen Beisheim bei Landwirten aus dem Elsass nachgefragt, was sich an der französischen Agrarpolitik ändern sollte:

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