Maske vor Kamera (Foto: SWR)

Ethnologische Sammlungen arbeiten an Transparenz

Zugang für alle: Freiburg digitalisiert Afrika-Sammlung

STAND
AUTOR/IN

In Freiburg wird - wie vielerorts auf der Welt - die ethnologische Sammlung digitalisiert, insbesondere die Afrika-Sammlung. Ein wichtiger Schritt zur postkolonialen Aufarbeitung.

1.100 afrikanische Objekte der Ethnologischen Sammlung in Freiburg sollen bis Ende des Jahres digitalisiert im Online-Katalog der Städtischen Museen zu sehen sein. Das ist viel Arbeit, nach anderthalb Jahren ist erst etwa ein Drittel der Afrika-Sammlung geschafft.

Freiburg hat eine der größten kommunalen ethnologischen Sammlungen, aber kein ethnologisches Museum. So werden nur wenige Objekte ausgestellt, das meiste lagert im Depot. Dieser Schatz soll der Weltöffentlichkeit nun Stück für Stück zugänglich gemacht werden, und zwar digital.

Welche Objekte lagern in Freiburg und wie kamen sie dorthin?

Die Digitalisierung der Sammlung ist auch ein erster Schritt zur Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit. Projektleiterin Nicole Landmann-Burghart versucht, so viele Informationen wie möglich zusammenzutragen, um die Geschichte der Objekte und vor allem ihren Weg in die Sammlung nachzuzeichnen. Ihr Anliegen: Transparenz schaffen, alles offen legen.

"Unser Ziel ist, die gesamte Sammlung eines Tages online zu stellen, damit auch Herkunftsgesellschaften Einblick haben, was in Freiburg verwahrt wird, was eventuell von ihnen stammt."

In der Sammlung ist auch Kriegsbeute aus der Kolonialzeit

Viele Objekte kamen in der Kolonialzeit nach Freiburg. Kolonialbeamte, Forscher und Reisende haben sie dem Museum gestiftet oder verkauft. Viele Hintergründe liegen noch im Dunkeln. Manches ist aber ganz klar Raubkunst. Auch in Freiburg lagern geraubte Benin-Bronzen.

"Diese Bronzen kamen im Zuge der britischen Eroberung vom Königreich Benin 1897 in europäische Häuser. Sie wurden als Kriegsbeute verkauft, um eben auch diese militärische Aktion zu refinanzieren."

Bronzebüste (Foto: SWR)
Benin-Bronze in Ethnologischer Sammlung Freiburg

In alle Welt verstreute Objekte digital zusammenbringen

Die Benin Bronzen, die an Sammlungen in aller Welt gingen, werden nun zu einer globalen, digitalen Ausstellung "Digital Benin" zusammengetragen. Sie soll 2022 online gehen. In der Ausstellung werden auch Objekte aus dem Freiburger Depot gezeigt. Bislang sind die auch schon in der Datenbank der Kontaktstelle Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten zu sehen.

Rückgabe von Raubkunst - Frankreich geht voran

Die digitalen Datensätze in Online-Sammlungen schaffen auch eine neue Grundlage für mögliche Restitutionsforderungen. Frankreich hat gerade die ersten einst geraubten Kulturgüter an ein Herkunftsland zurückgegeben. Auch Deutschland hat dazu seine Bereitschaft signaisiert. Für Rückgaben sei auch die Stadt Freiburg offen, sagt Landmann-Burghart, wobei der Stadt bislang noch kein Gesuch eines Herkunftslandes vorliege.

Außerdem erleichtern die digitalen Daten die Forschung, hofft Landmann-Burghart. Denn mit den digitalen Informationen können sich wissenschaftliche Institutionen über Objekte und Sammler besser austauschen.

"Wenn wir sehen, Hamburg hat auch Objekte von diesem Sammler, können wir gemeinsam vielleicht mehr rausfinden als nur einer."

Die Digitalisierung hat also viele Vorteile, doch die Förderung des Landes läuft die zum Jahresende aus. Landmann-Burghart hofft, dass es auch danach weitergeht, um die gesamte Afrika-Sammlung zu digitalisieren - und langfristig die komplette ethnologische Sammlung Freiburgs mit etwa 20.000 Objekten.

Stuttgart

Aus der Sammlung des Stuttgarter Linden-Museums Baden-Württemberg will geraubte Benin-Bronzen an Nigeria zurückgeben

Das Land Baden-Württemberg will die vor über hundert Jahren aus dem afrikanischen Benin geraubten Bronzeskulpturen an Nigeria zurückgeben. Das Stuttgarter Linden-Museum soll dabei helfen.  mehr...

STAND
AUTOR/IN