Autoposer auf einem Parkplatz (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Felix Kästle/dpa | Felix Kästle)

Kampf gegen illegale Autorennen

Polizeipräsidium Offenburg rüstet gegen "Auto-Poser-Szene" auf

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Ihr Hobby ist gefährlich: Sogenannte Auto-Poser rasen mit aufgemotzten Pkw über entlegene Parkplätze, manchmal aber auch durch Innenstädte. Das Polizeipräsidium Offenburg geht jetzt verstärkt gegen die Szene vor.

Immer öfter sorgen Auto-Poser in Baden-Württemberg für Zwischenfälle. In der Corona-Pandemie hat sich das Problem verschärft - vor allem im Raum Offenburg. Der letzte Fall liegt nur eine Woche zurück: Auf einem Parkplatz bei Offenburg duellieren sich zwei junge Männer mit ihren Autos. Einer der beiden verliert die Kontrolle, er kracht in einen Zaun. Das zweite Auto muss ausweichen, prallt dabei gegen einen geparkten Lkw. Es bleibt bei Sachschäden. Doch dass bei einem illegalen Rennen Menschen verletzt werden, ist im Raum Offenburg vielleicht nur eine Frage der Zeit. Denn die Vorfälle im Zusammenhang mit Auto-Posern häufen sich.

Posen heißt auffallen um jeden Preis

Laut Polizeidirektor Peter Westermann, dem Leiter der Verkehrspolizei-Inspektion im Offenburger Polizeipräsidium wurden seit Jahresbeginn mehr als 80 Fälle registriert. 2020 waren es 100 im gesamten Jahr.

Nach Einschätzung des Experten hat das mit der Corona-Pandemie zu tun. Weil viele Freizeitangebote wegfielen, wüssten junge Leute nicht wohin. Anstatt in der Disko, träfen sie sich mit ihren Autos auf Parkplätzen - und dort gehe es darum aufzufallen.

"Ich weiß nicht, ob Sie jemals einen balzenden Auerhahn gesehen haben, aber so ähnlich geht es bei uns hier im Straßenverkehr zu. Manchmal hat man das Gefühl, das ist ein Verhalten wie wir es auch aus dem Tierreich kennen."

In Achern und Kehl, sind die Auto-Poser unterwegs, genau wie in Rastatt und Baden-Baden. Hotspots sind zwei Parkplätze in Offenburg. Bis zu 50 Autos kommen dort regelmäßig zusammen, manchmal ein Vielfaches an Zuschauern. Diese Szene will die Polizei jetzt aufmischen.

Auto-Poser-Rennen endet mit Blechschaden (Foto: Pressestelle, Polizeipräsidium Offenburg)
Bei einem mutmaßlichen Autorennen auf einem Parkplatz in Offenburg sind zwei junge Männer Mitte Mai mit Blechschäden davon gekommen. Laut Polizei geht von Auto-Posern häufig aber auch eine Gefahr für Unbeteiligte aus. Pressestelle Polizeipräsidium Offenburg

Polizei bietet Posern mit technischem Wissen Paroli

In den neun Revieren des Polizeipräsidiums Offenburg sind Beamte für Einsätze in der Poser-Szene geschult worden, drei je Revier. Laut Sebastian Thomann, dem zuständigen Polizeioberkommissar, brauchen sie vor allem technisches Wissen, wenn sie wegen mutmaßlicher Rennen raus fahren oder auffällige Fahrzeuge kontrollieren.

"Die Beamten dürfen bei Kontrollen nicht weniger auf dem Kasten haben als die Fahrzeugführer."

Fehlten den Beamten die nötigen Kenntnisse, merke die Szene das schnell, so Thomann: "Die haben teilweise ordnerweise Unterlagen dabei zu ihren Anbauteilen und wenn sie merken, der Polizist kann damit nichts anfangen, dann geht das am Ende schief."

Vernetzte Polizeiarbeit und Stufenkonzept für Bußgelder

Um zu verhindern, dass sich durch höheren Druck der Polizei Treffen lediglich von einer Stadt in die nächste verlagern, wollen die Polizisten stark vernetzt arbeiten. So sollen auch Wiederholungstäter leichter identifizierbar sein. Auf sie soll außerdem ein Stufenkonzept für Bußgelder zugeschnitten werden. Das heißt Vergehen, die beim ersten Mal noch eine moderate Strafe nach sich ziehen, würden beim zweiten und dritten Mal richtig teuer. Darüber würden mit den zuständigen Bußgeldstellen Gespräche geführt, so die Polizei.

Beschlagnahmter Sportwagen (Foto: Pressestelle, Polizeipräsidium Offenburg)
Bei der Kontrolle eines Sportwagens in Offenburg stellte die Polizei fest, dass bei hoher Drehzahl Flammen aus dem Endrohr schossen. Das Auto wurde beschlagnahmt. Pressestelle Polizeipräsidium Offenburg

Schnellere Meldungen an die Führersteinstelle

Auch mit den zuständigen Staatsanwaltschaften will sich die Polizei noch stärker abstimmen – etwa darüber, wann ein illegales Autorennen vorliegt. Und sie will künftig schneller Meldungen an die Führerscheinstelle machen. Die kann gegebenenfalls feststellen, dass jemand ungeeignet ist, ein Kraftfahrzeug zu führen - für Auto-Poser mutmaßlich eine besonders harte Strafe.

"Gelbe Karte" als Signal für Fahrzeughalter

Zum Einsatz kommen wird auch ein völlig neues Werkzeug im Bereich des Polizeipräsidiums: die "Gelbe Karte". Dabei handelt es sich um ein standardisiertes Schreiben an Fahrzeughalter, in dem die Polizei mitteilt, dass sie deren Auto im Visier hat.

Teure Poser-Autos sind häufig geliehen

"Es hat sich gezeigt, dass diese Poser-Autos, vor allem die teuren, oft nicht denen gehören, die damit unterwegs sind", so Polizeioberkommissar Thomann. Egal ob es sich um den Wagen der Eltern oder eines Autoverleihs handelt - die "Gelbe Karte" soll den Eigentümer die Chance geben, Konsequenzen zu ziehen bevor etwas passiert.

Mit beschlagnahmten Autos zur Prävention in Schulen

Ideen gibt es zu guter letzt auch für völlig neue Präventionsarbeit in Schulen. Nicht mit Info-Flyern oder Powerpoint-Präsentationen wollen die Beamten an die Schulen kommen, sondern mit beschlagnahmten Autos. Darüber sei es vielleicht einfacher, mit den Schülern ins Gespräch zu kommen, so Polizist Sebastian Thomann.

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