Polizeieinsatz in der Innenstadt

Staatsanwaltschaft prüft Festnahme in Offenburg

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Die Polizei in Offenburg hat am Donnerstag im Bereich des Bahnhofs einen nackten Mann festgenommen. Nun hat sich die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Sie prüft das Vorgehen der Beamten.

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Eine Festnahme in Offenburg (Ortenaukreis) sorgt für Aufsehen. Polizeibeamte in Zivil haben am Donnerstag auf einer Straßenkreuzung einen nackten Mann überwältigt. In Videoaufnahmen ist zu sehen, wie zwei Polizeibeamte in Zivil mitten auf einer Straßenkreuzung den nackten Mann überwältigen. Nun prüft die Staatsanwaltschaft Offenburg, ob die Festnahme rechtmäßig war. Denn auf Bildern, die auch im Internet kursieren, kniet einer der Beamten auf Schultern und Hals des Mannes.

Staatsanwaltschaft will offene Punkte klären

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Offenburg und Erster Staatsanwalt, Kai Stoffregen, teilte auf SWR-Nachfrage schriftlich mit, dass noch viele Fragen offen seien. Es sei unklar, ob die Beamten zufällig vor Ort gewesen seien oder während eines anderen Einsatzes. Außerdem heißt es in seiner Antwort, es werde geprüft, "ob durch die Handlungen der Beamten im Rahmen der Festnahme der Anfangsverdacht einer Straftat" bestehe. Dafür müsse vorab abgeklärt werden, ob der festgenommene Mann durch die Handlungen verletzt beziehungsweise körperlich beeinträchtigt worden sei. "Sodann wird zu prüfen sein, ob die Handlungen vom Festnahmerecht gedeckt sind", schreibt Stoffregen. Und weiter: "Eine vorläufige Einschätzung können wir hierzu noch nicht abgeben, da noch nicht alle Umstände bekannt sind." Das gelte besonders für den Einsatz des Knies im Nacken. "Hier liegen insbesondere noch keine gesicherten Erkenntnisse dazu vor, inwieweit der Mann hierdurch körperliche Beeinträchtigungen erlitt und wie lange die entsprechende Situation andauerte."

Ein Polizist nimmt einen nackten Mann fest. Dabei liegt das Knie des Polizisten auf dem Hals des Mannes. (Foto: Einsatz-Report24)
Polizeieinsatz in Offenburg: Ein nackter Mann wird festgenommen. Einsatz-Report24

Der 31-Jährige war wohl in einem psychischem Ausnahmezustand

Wie das Polizeipräsidium Offenburg mitteilt, sei der 31-jährige Mann in einem psychischen Ausnahmezustand und stark betrunken gewesen. Er hatte lediglich Socken an, hielt einen Geldbeutel in der linken und eine Safttüte in der rechten Hand. Passanten setzten Notrufe ab. Ein Mann habe Spray eingesetzt, nachdem der 31-Jährige auf dessen Begleiterin zugelaufen sei.

Bereits auffällig geworden

Der Mann mit schwarzer Hautfarbe war laut Polizei bereits am vergangenen Dienstag unbekleidet und alkoholisiert durch die Offenburger Innenstadt gelaufen. Anschließend sei er - wie auch am Donnerstag - in eine Spezialklinik gebracht worden. In den vergangenen Monaten sei er bereits wegen Körperverletzungen und eines Angriffs auf Vollstreckungsbeamte aufgefallen. Die weiteren Ermittlungen übernimmt jetzt das Landeskriminalamt. Dabei geht es unter anderem darum, was am Donnerstag vor der Festnahme passiert ist.

Festnahme erinnert an andere Fälle

Die Aufnahmen der Festnahme erinnern an den Fall George Floyd im Mai 2020 in den USA. Videos dokumentieren, wie Polizisten den unbewaffneten Mann zu Boden drückten. Ein Beamter presste dabei sein Knie gut neun Minuten lang auf Floyds Hals, während dieser flehte, ihn atmen zu lassen. Floyd verlor der Autopsie zufolge das Bewusstsein und starb. Kürzlich hatte es auch in Pforzheim eine Festnahme gegeben, die Fragen aufgeworfen hat. Auch in diesem Fall hat sich die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

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