Pflegeroboter (Foto: SWR)

Mittel gegen den Personalmangel?

Pflegeroboter "Misa" auf Testbesuch in Freiburg

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Charlotte Schönberger
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Sebastian Bargon

An der Hochschule Offenburg entwickelt ein Forschungsteam derzeit einen Pflege-Roboter. Bei einem Test in einem Freiburger Pflegeheim kommt Roboter "Misa" gut an. Doch es gibt auch Vorbehalte.

"Misa" ist die neue Pflegekraft im Carolushaus in Freiburg. Zumindest für drei Tage. Denn noch ist der Roboter nicht soweit, dass er eine Pflegekraft ersetzen kann. Doch geht es nach den Forscherinnen und Forschern der Hochschule Offenburg, könnte das in naher Zukunft der Fall sein.

Roboter soll auf Fragen antworten, vorlesen, spielen

Misa soll etwa Telefonnummern nennen, an die Medikamente erinnern, gar aus die Zeitung vorlesen oder ein Gesellschaftsspiel spielen. Darüber hinaus soll der Roboter den emotionalen Zustand der älteren Menschen genau beobachten und – je nach Lage – die Pflegekräfte informieren. Und genau das sei der Vorteil von Misa, erläutert Oliver Korn, Professor an der Hochschule Offenburg. Der Roboter könne rund um die Uhr den emotionalen Zustand der Bewohnerinnen und Bewohner überwachen.

Automatische Erkennung von emotionalen Zuständen

Dabei macht sich der Roboter mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) Stimmlage, Gestik und Mimik seines Gegenübers zu Nutzen. Der Roboter soll einen traurigen oder heiteren Menschen automatisch erfassen können und dann adäquat reagieren, führt Annebeth Demaeght, akademische Mitarbeiterin der Hochschule Offenburg, aus. Das Projekt EmoCare wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) gefördert und läuft noch bis Ende 2022. Derzeit wird an vielen Universitäten und Hochschulen zu Robotiksystemen geforscht.

Ethikrat befürwortet Roboter-Einsatz - und setzt Grenzen

Der Ethikrat spricht sich grundsätzlich für einen Einsatz von Robotern und KI in der Pflege aus. Diese könnten die Lebensqualität der Menschen erhöhen, die stark unter dem chronischen Pflegekräftemangel leiden. Doch "soziale und emotionale Bedürfnisse" dürften keinesfalls "überwiegend im Umgang mit Begleitrobotern" gestillt werden, heißt es in der Stellungnahme des Ethikrats.

Misa kommt bei Bewohnern des Carolushauses gut an

Bei vielen Bewohnerinnen und Bewohnern des Carolushauses kommt der Roboter gut an. Auch bei Gerda Winkler. "Das ist einfach eine Sache der Gewöhnung", findet sie und ist davon überzeugt, dass der Roboter besonders einsamen Menschen eine Hilfe sein könnte. Doch, so betonen viele Bewohnerinnen und Bewohner, einen Menschen, der mit ihnen spricht, sich ihre Bedürfnisse anhört, könne der Roboter nicht ersetzen.

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