Goldwaage in einem Pfandleihhaus (Foto: dpa Bildfunk, Uwe Anspach)

Kosten für Lebensunterhalt steigen

Pfandleihhaus in Offenburg erlebt starken Zulauf

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Nadine Zeller

Inflation und explodierende Energiekosten bescheren den Pfandleihhäusern eine starke Nachfrage. Auch bei Pfandleiher Heiko Kling in Offenburg ist viel los.

Heiko Kling schließt die Tür zu seinem Pfandleihhaus in Offenburg auf und lässt die Jalousien hoch. In den Glasvitrinen funkeln Ringe, Halsketten und Colliers. Einen Teil des Schmucks haben seine Kunden als Pfand bei ihm abgegeben, um im Tausch Bargeld dafür zu bekommen.

Steigende Preise und Kosten - Zahl der Kunden wächst

Die hohen Energiekosten und die Inflation lassen die Preise steigen. Das Leben wird teurer und viele Menschen wissen nicht mehr, wie sie ihren Lebensunterhalt finanzieren sollen. In so einer Situation bringt ein Pfandkredit schnelles Geld. Seit einigen Wochen merkt auch Heiko Kling vom Pfandleihhaus in Offenburg, dass sich mehr Kunden an ihn wenden.

Heiko Kling nimmt Schmuck entgegen (Foto: SWR)
Pfandleiher Heiko Kling nimmt ein Schmuckstück entgegen.

Schnelles, unbürokratisches Geld

„Wenn es den Leuten darum geht, rasch, unbürokratisch und einfach Geld zu bekommen, kommen sie zu mir“, sagt Kling. Ein paar Minuten später betritt Mario Zillweger das Pfandleihhaus. Er trägt Jeans, ein weißes T-Shirt und Mokassins. Um sein Handgelenk baumelt ein goldenes Armband. Er grüßt Kling und legt das Armband auf den Tresen. Der 43-Jährige ist gelernter Ofensetzer, arbeitet aber mittlerweile im Schnelltest-Zentrum Offenburg, doch das Geld reicht nicht immer.

"Ich muss meine Rechnungen bezahlen."

Wegen der wirtschaftlichen Lage falle ihm das zunehmend schwer. Sein Armband ging schon öfter über den Tresen. Zillweger schaut häufig bei Kling vorbei. Dennoch fällt es ihm auch heute wieder schwer sein Armband hierzulassen. Es ist ein Familienerbstück.

Innerhalb von drei Monaten muss das Pfand ausgelöst werden

Goldarmband wird im Pfandleihhaus abgegeben (Foto: SWR)
Für Schmuck und Wertgegenstände gibt es sofort Bares.

„Meine Mutter hat es mir vermacht. Das tut dann schon irgendwie weh, das hierzulassen. Dafür war es ja nicht gedacht“, sagt er. 200 Euro bekommt Mario für sein Armband. Etwa die Hälfte des Gebrauchtwerts. Drei Monate hat er jetzt Zeit, es wieder auszulösen – sonst wird es versteigert. In mehr als 90 Prozent der Fälle werden die verpfändeten Gegenstände jedoch wieder ausgelöst. Das schreibt der Zentralverband des Deutschen Pfandkreditgewerbes auf seiner Homepage. Pro Monat zahlt Mario jetzt 1 Prozent Zinsen. Das ist in der Pfandleiherverordnung einheitlich geregelt. An Gebühren kommen bei Heiko Kling in Offenburg noch drei Prozent hinzu.

Menschen mit Geldsorgen wenden sich eher an Pfandleihhäuser

Wer bei den Banken abblitze, bei dem sei die Not groß und der Pfandkredit eine Art letzter Ausweg, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die Pfandleiher sprächen laut dem Verbraucherschützer eher Menschen mit Geldsorgen an. Gerade bei kleineren Summen seien die Kredite wegen der Gebühren viel teurer als übliche Kredite, so Nauhauser. Dennoch geht Familienvater Mario Zillweger lieber zu Heiko Kling als zur Bank, wenn er nicht liquide ist.

Pfandleiher rechnet mit vielen Kunden im Herbst

"Ich muss hier nicht irgendwelche Rechenschaften ablegen und Herr Kling ist einfach ein sehr umgänglicher Mensch", sagt er. Seit 15 Jahren arbeitet Heiko Kling als Pfandleiher. Er weiß, dass sich hinter jedem Schmuckstück eine Geschichte verbirgt. Vor ihm in der Vitrine liegen Ohrringe, die eine Frau vor dem Familienurlaub hiergelassen hat.

"Im Urlaub wollen viele nicht ständig Nein sagen müssen zu ihren Kindern. Viele Eltern wollen ihnen etwas gönnen Eis oder Süßigkeiten", sagt Kling. Vielen sei wichtig, die Urlaubszeit harmonisch zu verbringen. Heiko Kling rechnet mit vielen Kunden im Herbst. Denn wenn erst die Abrechnungen für die Energiekosten kommen, werden viele Menschen schnell Geld leihen müssen.

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