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Für Jüdinnen und Juden hat am Mittwochabend das Pessach-Fest begonnen. Eigentlich ist Pessach ein typisches Familienfest, das man in großer Gemeinschaft feiert. Normalerweise...

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Das achttägige Pessach-Fest erinnert an den Auszug aus der Sklaverei in Ägypten und ist eines der wichtigsten jüdischen Feste. Aber zu Corona-Zeiten muss auch da improvisiert werden.

Am Anfang ist alles noch etwas durcheinander, aber nach ein paar Minuten haben sich dann alle per Video eingeklinkt, technische Probleme beseitigt und Rabbinatsstudentin Annette Böckler von der liberalen Chawurah-Gescher-Gemeinde in Freiburg kann das Gebet beginnen.

Digitale Zusammenkunft funktioniert gut

Etwa 17 Menschen sind zugeschaltet und feiern zusammen den ersten Abend von Pessach, den sogenannten Sederabend – online! Ohne diesen virtuellen Raum müssten viele von ihnen alleine feiern. So kann aber jeder seinen eigenen Seder-Teller mit den symbolischen Speisen vor die Kamera halten: zum Beispiel die bitteren Kräuter, die an die bittere Sklaverei erinnern oder Radieschen als Symbol für die harte Arbeit in Ägypten.

Es ist anders, aber nicht unbedingt schlechter

Rabbinatsstudentin Annette Böckler

Und nebenbei kann man sogar im Chat schreiben. Annette Böckler versucht ihr Bestes, um dem Charakter von Pessach auch online gerecht zu werden. "Die Atmosphäre, die kann man natürlich viel schneller aufbauen, wenn man live zusammen ist." Trotzdem ist sie nicht unzufrieden: "Also es ist anders, aber nicht unbedingt schlechter, weil es andere Möglichkeiten gibt, die man jetzt noch entdecken kann.“

Feiern im Familienkreis

Nicht nur für die Gescher-Gemeinde ist Pessach dieses Jahr eine Herausforderung. Auch für Chava Gitler aus der orthodoxen Chabad-Gemeinde ist das Fest wegen des Corona-Virus‘ diesmal ganz anders: "Letztes Jahr haben wir den ersten Abend Pessach mit 250 Menschen gefeiert. Dieses Jahr feiern wir ein bisschen anders. Die Gesundheit der Menschen ist im Moment am allerwichtigsten und das nehmen wir sehr ernst und deshalb feiern wir nur im allerengsten Familienkreis.“

Fahrradkurier liefert Mazzot aus

Um trotzdem für die jüdische Gemeinschaft da zu sein, hat Chabad schon im Voraus 150 Pessach-Pakete in Freiburg und Umgebung verteilt und verschickt. In diesen Paketen ist eine wichtige Zutat für das Fest: die Mazzot, also ungesäuertes Brot. Einige der Pakete hat Fedor Kossoy mit seinem Fahrrad verteilt - vor allem an alte Menschen: "Diejenigen, die weniger Besuch bekommen und mit digitalen Medien weniger anfangen können, freuen sich bestimmt besonders, wenn sie irgendwas geschenkt bekommen, was sie essen oder anfassen können und dadurch auch Pessach-Traditionen einhalten können."

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