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Nach neun Jahren als Direktor des Jesuiten-Kollegs St. Blasien wird Klaus Mertes am Sonntag verabschiedet. Mertes ist 2010 bundesweit bekannt geworden. Als Leiter des Berliner Canisius-Kollegs, hat er den Missbrauch-Skandal in der Katholischen Kirche aufgedeckt.

"Umzugswagen brauche ich nicht, mir reicht ein Golf", sagt der Direktor des Jesuiten-Kollegs in St. Blasien, Pater Klaus Mertes, mit einer Anspielung auf das Ideal der Armut, dem sich sein Orden verpflichtet weiß. Nach neun Jahren hinterlässt der kluge und kritische Geistliche mit seiner Arbeit Spuren in St. Blasien.

Pater Klaus Mertes in der Rolle von Fürstabt Martin Gerbert, vor der Kulisse des Doms von St. Blasien – das war 2018 bei den Domfestspielen. So werden den langjährigen Direktor des Jesuiten-Kollegs viele in St. Blasien in Erinnerung behalten. Vielleicht auch als einen, der kaum ruhen konnte. Vor allem das Thema des sexuellen Missbrauchs ließ und lässt Pater Klaus Mertes nicht ruhen, nachdem er 2010 am Berliner Canisius-Kolleg den Missbrauch-Skandal aufgedeckt und die Auseinandersetzung darüber in der katholischen Kirche ins Rollen gebracht hat.

Motto eines Aufklärers und Versöhners: "Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser"

Es kam ihm gelegen, als er ein Jahr später aus dem Scheinwerferlicht der Hauptstadt nach St. Blasien in den Schwarzwald wechseln konnte. Auch in der Jesuitenschule neben dem mächtigen Dom von St. Blasien sind vor Jahrzehnten Schüler missbraucht worden. Das aufzuklären und zu versöhnen, ist Pater Klaus Mertes als Direktor des Jesuitenkollegs wichtig gewesen. Schulleiter Michael Becker ist Kolleg-Direktor Mertes für seine Klarheit in dieser Frage dankbar. Er schätzt auch die Führungsphilosophie seines Chefs nach dem Motto "Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser".

Freunde bescheinigen Pater Klaus Mertes eine "Ernst-Heiterkeit"

Als freundlich und humorvoll wird Pater Klaus Mertes von Weggefährten gerne beschrieben, auch von Wolfgang Endres, seinem Freund und Leiter der Domfestspiele. Endres hofft eines Tages auf ein Comeback von Mertes in der Regie der Domfestspiele und bescheinigt ihm eine "Ernst-Heiterkeit".

Wie Jesus zum Beten auf den Berg um den Kopf frei zu kriegen

Das Intime einer Kleinstadt hat Pater Klaus Mertes an St. Blasien geschätzt. Eine Wertschätzung auf Gegenseitigkeit, sagt Hauptamtsleiterin Sylvia Huber von der Stadt St. Blasien. Im Trubel des Kollegs mit seinen 800 Schülern konnte Pater Klaus Mertes den Kopf nicht frei bekommen. Wie Jesus Christus ist er deshalb zum Beten auf den Berg gegangen – zur Marienkapelle in Höchenschwand: "Da oben konnte ich abladen und dann beschwingt wieder runter gehen. Ich hatte neue Kraft gesammelt, das war geradezu ein physisches Erlebnis. Und das werde ich sehr vermissen."

Aus dem Direktoren-Büro in die Gemeinde-Pastoral?

Der 65-jährige Pater Klaus Mertes nimmt nach seiner Verabschiedung am Sonntag in St. Blasien erst einmal eine Auszeit, eine sogenannte Sabbatzeit. Was er danach macht, ist noch nicht bekannt. Bei einem Talk im SWR Studio Freiburg sagte er vor Kurzem, er könne sich gut vorstellen sich künftig dem Kerngeschäft seines pastoralen Berufes zu widmen: der Arbeit als Seelsorger in einer Gemeinde.

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