Parkplatz-Posse am Schauinsland (Foto: SWR)

Behörden geben Rätsel auf

Posse um Parkplätze auf dem Schauinsland

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Der Freiburger Hausberg versinkt an sonnigen Wochenenden regelmäßig im Verkehrschaos. Trotzdem wurden drei Parkplätze praktisch über Nacht aufgerissen und gesperrt. Warum?

Es regnet auf dem Schauinsland, der Schnee schmilzt und gibt den Blick frei auf einen Parkplatz, der keiner mehr ist. Kaum 15 Meter breit, vielleicht 100 Meter lang. Eher eine Art Standstreifen. Direkt an der L124, der Passstrasse.

Im November kamen die Bagger, haben den Schotter einfach aufgerissen und aufgehäuft. Parken kann hier jetzt niemand mehr. Wir wollen wissen, warum? Und stoßen auf Widersprüche.

"Plötzlich hieß es, da werden die Parkplätze zurückgebaut. Wir haben alle gefragt: ja wieso?"    

Gemeinde und Behörden geben sich bedeckt

Kommune und Behörden tun sich schwer mit Antworten. Der Parkplatz liegt auf Gemarkung der Gemeinde Oberried (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald). Auf Nachfrage heißt es im Rathaus, man könne nicht viel sagen. Die verantwortliche Straßenmeisterei in Kirchzarten erklärt, sie dürfe nichts sagen. Das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald ist angeblich nicht zuständig. Und im Freiburger Regierungspräsidium bittet man um Geduld.     

Zwei Tage später kommt von dort die Antwort schriftlich:

"Der Rückbau der drei Parkbuchten an der L124 am Schauinsland ist ein Projekt des Regierungspräsidiums in enger Abstimmung mit dem Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald. Beteiligt wurde selbstverständlich auch die Gemeinde Oberried (...). Die Planung und Umsetzung der Maßnahme erfolgt in enger Abstimmung mit dem Straßenbetriebsdienst des Landratsamts."

Im Klartext: Alle wussten Bescheid alle sind auch irgendwie zuständig.

Parkplatz-Posse am Schauinsland (Foto: SWR)
Landwirt Andreas Lorenz rätselt über die Absichten des Regierungspräsidiums.

Ein Parkplatzschild ist plötzlich abmontiert

Inmitten der Schotterhaufen treffen wir Biolandwirt Andreas Lorenz. Dort, wo der Parkplatz aufhört, beginnt seine Viehweide. Und Lorenz wundert sich sehr, über das, was im Antwortschreiben aus dem Regierungspräsidium steht:

"Zurückgebaut werden drei Flächen, die allesamt keine eingetragenen und ausgeschilderten Parkplätze sind."

Andreas Lorenz schüttelt den Kopf und erzählt, dass es den Parkplatz schon gab, bevor er geboren wurde. Also schon vor langer Zeit. Er sei auch nie anders genutzt worden. Uns fällt auf, dass das offizielle blaue Parkplatzschild plötzlich nicht mehr da ist. Vor der Anfrage an das Regierungspräsidium war es noch da. Es wurde offenbar abmontiert.

Wurde der Parkplatz von Campern verschmutzt?

Die Behörde räumt inzwischen einen Fehler bei der Darstellung ein. Auch andere Antworten machen stutzig. Der Parkplatz werde für illegale Übernachtungen genutzt, sagt das Regierungspräsidium und meint damit Wohnmobile, die angeblich regelmäßig Müll und Inhalt von Campingtoiletten zurücklassen.

"Die Camper, die hier auf dem Parkplatz waren, die haben niemanden gestört. Die haben ihren Müll mitgenommen."

Der einzige Müll, der auf dem Parkplatz seit Wochen herumliegt, sind alte Lkw-Reifen. Sie stammen vermutlich von der Firma, die den Schotter aufgerissen hat.

Parkplatz-Posse am Schauinsland (Foto: SWR)
An manchen Tagen wird es für den Rettungsdienst rund um den Schauinsland eng.

Unerträgliches Parkchaos am Wochenende 

Auch Monika Lorenz ist Landwirtin am Schauinsland. Ihr Hof liegt direkt an der L124. Und sie berichtet von unerträglichem Verkehrschaos an sonnigen Wochenenden. Parkplätze gibt es viel zu wenig. Die Leute stellen ihre Autos überall hin, klagt Lorenz. Auf die Hauptstraße, in Hofeinfahrten, selbst auf die Felder. Manchmal kämen sogar Rettungswagen und Linienbusse nicht durch.

Trotzdem kommt das Regierungspräsidium zu dem Schluss, dass durch den Rückbau der Parkbuchten keine Verschärfung der Verkehrssituation eingetreten sei. "Die müssten mal an einem Wochenende hier oben sein, wenn es wirklich so schlimm ist. Dann sehen die, wie es wirklich hier zugeht.", sagt Monika Lorenz.

Landwirtin Monika Lorenz (Foto: SWR)
Landwirtin Monika Lorenz ärgert sich über zugeparkte Straßen vor ihrer Haustür.

Zweifel an der Aufrichtigkeit der Behörden

Für Monika Lorenz ist die Argumentation des Regierungspräsidiums nicht nachvollziehbar. Die Landwirtin vermutet inzwischen, so wie viele, dass die Parkplätze auf dem Schauinsland aufgerissen wurden, um Ausgleichsflächen für den neuen Freiburger Stadtteil Dietenbach zu schaffen. Dort sollen insgesamt 7.000 Wohnungen entstehen. Das Regierungspräsidium bestreitet einen Zusammenhang.

"Der Rückbau der Parkflächen ist ein wertvoller Beitrag zum Naturschutz in diesem sehr hochwertigen und geschützten Gebiet."

Für Andreas Lorenz klingt diese Aussage regelrecht absurd. Als Biolandwirt weiß er, wie Naturschutz funktioniert. Und vor allem, wo. "Ganz sicher nicht auf einer Parkbucht direkt an der L124", sagt Lorenz.

Der Schnee auf den ehemaligen Parkplatz ist inzwischen fast vollständig verschwunden. Die zahlreichen Schotterhaufen zeigen, dass hier oben Tatsachen geschaffen wurden. Im tristen Tauwetter auf dem Schauinsland bleiben die Antworten der Behörden nebulös und unbefriedigend.

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