Öko-Idee einer Anlage zur Pferdemist-Verarbeitung stinkt vielen Meißenheimern gewaltig (Foto: SWR, Ulf Seefeldt)

Bürgerentscheid soll's richten

Öko-Idee zu Pferdemist-Verarbeitung stinkt vielen Meißenheimern

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Ulf Seefeldt

In Meißenheim (Ortenau) wird heftig diskutiert. Es geht um eine Öko-Anlage, in der vor allem Pferdemist aber auch Grünschnitt verarbeitet werden soll.

Die Gegner einer Anlage zur Verarbeitung von Pferdemist und Grünschnitt in Meißenheim befürchten Lärm und Gestank und haben im Rathaus 750 Unterschriften für einen Bürgerentscheid übergeben. Der private Investor aus dem Ort in der Ortenau und die Gemeinde reden hingegen von einem ökologischen Projekt. Entschieden ist indessen noch nichts.

Eine Wiese, rund 350 Meter von einem Neubaugebiet in Meißenheim entfernt: Hier soll die Anlage zum Verarbeiten von Pferdemist und Grünschnitt gebaut werden. Direkt neben einer Kläranlage - aber in einem sogenannten FFH-Gebiet, einem Flora-Fauna-Habitat. Einer der Gegner der Anlage ist Dirk Lehmann: "Die Menschen befürchten zum Einen die Geruchsbelästigung. Dann die Ungewissheit - weil nicht klar ist welche Art von Anlage tatsächlich gebaut werden soll. Im Genehmigungsverfahren heißt es nämlich nicht Pferdedung-Fermentierungsanlage, sondern geplant ist eine Anlage zur Verwertung biogener Reststoffe. Und da dürfte alles rein, laut Funktionsdiagramm hieße das Biomasse aus Speiseabfällen, aus landwirtschaftlichen und Industrieabfällen."

Im Meißenheimer Rathaus schüttelt Bürgermeister Alexander Schröder darüber nur mit dem Kopf. Es würden Ängste geschürt und falsche Zahlen und Daten in den Raum geworfen. Speiseabfälle und Industrieabfälle sollen hier keineswegs verarbeitet werden: "Wir diskutieren ausschließlich über die Verwertung von Pferdemist und Grünschnitt. Wir diskutieren keine Biogas-Anlage sondern eine neue Form, die im Interesse der Natur und der Umwelt genutzt werden könnte."

Mit neuer Form meint der Bürgermeister: Aus Pferdemist und Grünschnitt könnten nicht nur Strom und Wärme gewonnen werden, sondern auch Düngemittel und Düngepellets: "Das Projekt Pferdedung-Fermentierungsanlage bietet eine große Chance einen Schritt in Richtung Natur- und Umweltschutz zu gehen. Aktuell haben wir rund ums Dorf viele zulässige Pferdedung-Ablegestellen, wir haben auch einen Heckenschnitt-Platz am Ortsrand. Beide sollen aber auslaufen und durch die neue Anlage ersetzt werden."

Die Bürgerinitiative spricht von einem Pferdemist-Tourismus, der in Meißenheim entstehen würde. Um die Anlage gewinnbringend zu betreiben, würde der Mist der Meißenheimer Pferde nicht ausreichen. Dirk Lehmann: "Die Leute fürchten, dass ihre Grundstücke an Wert verlieren, dass die Wohnqualität zurück geht und dass sie belästigt werden durch Beladung und Transport von Pferdemist."

BI-Kollegin Sabine Coch wohnt in dem 350 Meter entfernten Baugebiet. Sie kann ebenfalls nicht verstehen, dass auf dieser geschützten Fläche gebaut werden soll. Eine solche Anlage brauche ja eine Zuwege-Anbindung für landwirtschaftliche Fahrzeuge und das führe unvermeidlich zu Lärm, Staub und Dreck. Was sie gar nicht verstehe, sagt sie, "dass ein Bürgermeister sich einsetzt für eine Anlage, von der die Gemeinde überhaupt nichts hat."

Der so gescholtene Bürgermeister hat da eine andere Meinung. Zumal die geplante Anlage nicht so groß sei, wie befürchtet. Er und der Gemeinderat würden die Sorgen der Menschen aber ernst nehmen: "Wir wollen kein Mehr an Belastung sondern ein Weniger. Insofern wäre es schade, wenn ein möglicherweise gutes Projekt bereits vor der Vorlage von Stellungnahmen und Prüfungen abgelehnt würde."

Genau das allerdings erhoffen sich die Gegner der Anlage - nämlich dass das Projekt per Bürgerentscheid gekippt wird.

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