30 Prozent der weltweit erfassten russischen Guthaben sind in der Schweiz

Kann die Schweiz angesichts des Kriegs in der Ukraine neutral sein?

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Stephan Rathgeb, Christa Gall (SRF)

Neutralität ist ein wichtiges Prinzip in der Schweizer Außenpolitik. Doch Angesicht des Angriffs Russlands auf die Ukraine werden auch in der Schweiz Rufe nach Sanktionen lauter.

Rund 20.000 Menschen waren am Samstag in Bern auf der Straße, um für Frieden in der Ukraine und gegen die Aggression Russlands zu demonstrieren. Es geht auch darum, die Schweizer Regierung zu Sanktionen gegen Russland zu bewegen.

"Wir wollen, dass die Landesregierung klar Position bezieht, nicht nur mit Worten, sondern auch mit harten Sanktionen."

Zwar hat die Regierung Maßnahmen ergriffen, damit die Schweiz kein Ort wird, um Sanktionen zu umgehen, doch von Sanktionen selbst sieht sie bisher ab. Man wolle Ansprechpartner für die Konfliktparteien blieben, so die Begründung.

"Man kann nicht einmal neutral sein und dann wieder nicht. Sie müssen versuchen, eine Linie durchzuziehen. Dann wissen die anderen, wie sie die Schweiz einzuschätzen haben."

Kritiker jedoch, wie Hans Ulrich Jost von der Universität Lausanne, weisen darauf hin, dass diese Politik immer widersprüchlich war. 

"Wenn wir den Zweiten Weltkrieg anschauen, wurde die Neutralität politisch aufrechterhalten, gleichzeitig hat man sich an den Kriegsanstrengungen von Nazi-Deutschland beteiligt. Diesen Widerspruch sieht man immer wieder auch später, beim Korea-Krieg oder den Sanktionen gegen Süd-Afrika."

Diesen Opportunismus könnte man der Schweiz nun auch wieder vorwerfen. Denn 30 Prozent der weltweit erfassten russischen Guthaben befinden sich in der Schweiz. Und 80 Prozent des russischen Rohstoffhandels wird über das Alpenland abgewickelt.

Experten befürchten deshalb, dass die Schweiz langfristig ihre Reputation aufs Spiel setzt, wenn sie sich nicht den Sanktionen gegen Russland anschließt.

Mitschnitt SWR Aktuell vom 27.02.2022 mit Dreiland Aktuell (ab 06:06)

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