"Graff: oder Allahs Zorn im Garten Europas"

Freiburger Nahost-Experte Veit veröffentlicht Religionskrimi

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Packend, regional verortet und informativ: So wird der Krimi des Freiburger Autors beschrieben. Der Straßburger Kommissar Graff ermittelt nach islamistischen Terroranschlägen.

"Graff: oder Allahs Zorn im Garten Europas", so heißt der Debütroman des Freiburger Politologen und Nahost-Experten Winfried Veit. SWR-Moderatorin Dinah Steinbrink hat mit dem Autoren über das Buch gesprochen.

Im Zentrum des Krimis steht der Straßburger Kommissar Graff. Herr Veith, skizzieren Sie doch mal die Ausgangslage: Was ist passiert? Und was muss der Kommissar nun tun?

Der Roman spielt im Jahr 1995 oder in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre, als es in Frankreich die ersten großen islamistischen Terroranschläge gab. Und dieser Kommissar Graff ist beauftragt vom Präfekten, von der Regierung im Elsass, einer islamistischen Verschwörung nachzugehen. Und da stößt er auf ein Netz aus Verschwörungen, das weit in die Vergangenheit zurückreicht, und da versucht er, zu recherchieren und auch in die Geschichte einzusteigen.

Der Kommissar steigt ziemlich tief in die Geschichte ein. Er beschäftigt sich intensiv mit zurückliegenden Ereignissen, auch mit historischen Persönlichkeiten. Bei so vielen Informationen: Ist dieser Roman eher schwere Kost?

Es werden - wie Sie sagen - viele Ereignisse beschrieben. Ob man das als "schwere Kost" bezeichnen soll, weiß ich nicht. Ein Leser hat mir geschrieben: "Es ist beeindruckend, wie Sie es geschafft haben, die enorme Informationsmenge an den Leser weiterzugeben, ohne ihn zu ermüden." Das finde ich ein gutes Kompliment. Und genau das habe ich ja auch versucht. Ich habe ja viele Sachbücher geschrieben zum Nahen Osten, zu all diesen Fragen. Und das war jetzt ein Versuch, das mal in Romanform zu kleiden und eben nicht in trockenen, wissenschaftlich-politischen Jargon.

Und wieviel in dem Roman ist denn jetzt tatsächlich real? Und wieviel an Fiktion haben Sie noch dazu erfunden?

Das Skelett sozusagen - das ist natürlich real. Das sind die historischen Ereignisse, auch die historischen Figuren. Das sind ja drei Figuren, denen ich ja auch drei Kapitel gewidmet habe, die hier alle aus der Region kommen. Also es hat einen starken regionalen Bezug und geht dann in den Nahen Osten über. Das sind alles Fakten, die passiert sind. Aber das Fleisch sozusagen, an diesem Skelett - das habe ich natürlich erfunden. Also was diese drei historischen Figuren machen oder was Kommissar Graff im Nahen Osten dann erlebt, das ist natürlich Roman. Soll es ja auch sein.

Ein Leser schreibt in einem Kommentar im Internet: "Interessante Lektüre, man lernt viel über Religion und orientalische Minderheiten." War das auch ein Anliegen von ihnen? Ein bisschen vermitteln und Verständnis zwischen verschiedenen Religionen schaffen ?

Ja, das ist natürlich einer der Gründe, warum ich das geschrieben habe. Ich habe ja damals, als ich diesen Gedanken entwickelte, im Nahen Osten gelebt, in Israel. Dort bin ich eben sehr stark auch mit dem Schicksal dieser orientalischen Minderheiten konfrontiert worden, und das hat mich sehr beeindruckt. Und das ist auch eine Geschichte, die bis heute tragisch ist. Man weiß ja, was jetzt passiert ist - im Irak und so weiter. Und da war schon ein bisschen die Idee, Verständnis für diese orientalischen Minderheiten zu schaffen und auch vielleicht die Politik im Westen zu bewegen, eben vielleicht auch ein bisschen mehr zu tun.

Haben Sie denn schon Reaktionen auf ihr Buch bekommen? Vielleicht auch gerade in diese Richtung?

Ja, ich kriege Leserzuschriften, es gibt auch eine Rezension. Die meisten Kommentare gehen in die Richtung: "Ich habe viel gelernt, und trotzdem war es spannend, das zu lesen. Und ich habe vieles verstanden, was ich vorher nicht verstanden habe." Und das war natürlich auch ein bisschen die Idee dabei, dass man Leser erreicht, die eben einen wissenschaftlichen Duktus über den Nahen Osten nicht lesen würden, aber vielleicht durch einen Roman eben solche Dinge dann kennenlernen.

Dann hören Sie auch schon so etwas wie: "Das ist eine packende, spannende Geschichte - ein richtiger Krimi"?

Ja, das ist es. Das soll es ja auch gewesen sein - also trotz der Fülle des Stoffes. Das wird ja auch immer wieder gesagt: Man muss sich Zeit nehmen. Das Buch hat ja 465 Seiten, aber letztlich sind die Kommentare doch so, dass man sagt: "Ich habe viel gelernt. Es war immer spannend zu lesen. Ich habe es nicht aus der Hand gelegt!"

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