Weltneuheit in der Medizintechnik

Neuer Laserroboter in Basel schneidet Knochen unter der Haut

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Matthias Zeller

Forschende der Universität Basel haben einen neuen Mini-Laserroboter präsentiert. Der Roboter soll Knochen sogar unter der Haut schneiden können. Eine Weltneuheit.

Der große Roboterarm am OP-Tisch bewegt sich fast lautlos, aber das Neuartige geschieht sowieso unter der Haut, erklärt der Chef des Basler Uni-Instituts für Biomedizintechnik, Professor Philippe Cattin, und zeigt auf eine Schaufensterpuppe auf dem OP-Tisch. Bis zum Einsatz des Laserroboters an Patienten in Kliniken muss aber noch ein paar Jahre an Feinheiten weitergeforscht werden.

Mini-Laserroboter ist noch nicht marktreif

Den Innovationssprung beschreibt er am Beispiel einer Tumor-Operation am Unterkiefer so:

"Bei Operationen am Unterkiefer da wird heutzutage ein Schnitt beim Kehlkopf gemacht. In Zukunft mit unserem minimalinvasiven Roboter versuchen wir das durch die Mundöffnung zu machen, so dass wir nur durch kleine Schritte in der Schleimhaut rund um die Zähne den Unterkiefer freilegen können und nachher so den Tumor im Knochen entfernen können."

Der Leiter des Basler Universitätsinstituts für Biomedizintechnik, Prof. Philippe Cattin (Foto: SWR, Matthias Zeller)
Der Leiter des Basler Universitätsinstituts für Biomedizintechnik, Prof. Philippe Cattin Matthias Zeller

Laserroboter ist 7,5 Millimeter groß

Der 7,5 Millimeter große Laserroboter liegt dabei direkt auf dem Knochen des Patienten auf und kann selbst wenn der Patient vom OP-Personal bewegt würde ohne Wackler den Knochen präzise schneiden. Robotik-Professor Georg Rauter macht das in einem Vergleich anschaulich:

"Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit dem Zug und Sie möchten eine Postkarte schreiben, auch wenn der Zug wackelt. Prinzipiell ist das möglich, weil Sie ihre Hand ja direkt auf der Postkarte abstützen."

Der Laserroboter arbeitet nicht nur präzise, er entscheidet auch schnell, sehr schnell. Sagt die Laserphysikerin Ferda Canbaz: "Da arbeitet ein System im Hintergrund und entscheidet, ob weitergesägt wird. Wenn nur Kochen vorne dran liegen, schneidet es weiter, kommt etwas Weiches, dann stoppt es. Das geschieht innerhalb von 100 Millisekunden, viel schneller als ein Mensch es könnte."

Mini-Roboter entscheidet innerhalb von 100 Millisekunden

Der Ex-Chefarzt Professor Niklaus Friederich verfügt über 40 Jahre Erfahrung als orthopädischer Chirurg. Er weiß, was der Mensch besser kann als der Laserroboter und umgekehrt:

"Also, der Laserroboter ist immer noch langsamer als die chirurgische Hand. Der Laserroboter kann das Gewerbe sehr gut differenzieren – also mir sagen, jetzt  bin ich im Knochen, Haut, Wirbelsäule. Rückenmark, Gefäß. Nerv – Das kann der Chirurg nur mit seiner Erfahrung und Erfahrung heißt: gemachte Fehler."

Beim "Miracle"-Projekt bietet ganz neue Möglichkeiten – weil die Operation virtuell an einem dreidimensionalen Modell im Computer genau geplant werden kann und weil der hochpräzise Schnitt es möglich macht, Implantate wie ein Puzzleteil dort hineinzustecken, wo ein tumorbefallenes Knochenstück herausgeschnitten wurde.

Chirurg kann dem Roboter künftig bei der Arbeit zuschauen

Der aus Deutschland stammende Gesichtschirurg Professor Florian Thieringer sieht seinen Berufsstand trotz Roboter auch in Zukunft nicht verschwinden: "Es gibt den Autopiloten beim Fliegen und trotzdem sitzt noch ein Pilot im Cockpit und so ist es bei der Chirurgie auch: Auch wenn uns der Roboter bestimmte Arbeitsschritte bei der Operation abnimmt, müssen wir trotzdem  die Übersicht behalten und die Operation von Anfang bis Ende begleiten und durchführen."

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