Zwei Frauen stehen hinter der Theke eines Buchladens. (Foto: SWR, Anne Graser)

Sprung in die Selbständigkeit

Offenburgerin erfüllt sich ihren Traumjob als Buchhändlerin

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Anne Graser

Eine 47-Jährige war bis vor Kurzem Zeitung-Redakteurin. Jetzt hat sie sich selbstständig gemacht und einen Buchladen in Offenburg übernommen.

Riesen-Konkurrenz durch den Online-Handel, sich leerende Innenstädte, Ungewissheit in Sachen Pandemie: All das schreckte Kirsten Pieper nicht ab. Fünfzehn Jahre lang hatte sie als Journalistin bei der Zeitung gearbeitet - jetzt hatte sie Lust auf etwas Neues. Ende des letzten Jahres war sie gerade zu Burda gewechselt - dann kam die Idee, die alteingesessene Akzente-Buchhandlung in Offenburg zu übernehmen.

"Das war eigentlich immer mein Traum, so ein Buchladen."

Kinderbücher stehen in einem Regal. (Foto: SWR, Anne Graser)
Kinder- und Jugendbücher sind ein wichtiger Teil des Sortiments der Buchhandlung "Akzente". Anne Graser

"Ich hatte ja mitbekommen, dass die bisherige Inhaberin, Christa Peiseler, eine Nachfolge sucht", erzählt Pieper. "Auf einmal kam dann so die Idee, das war doch immer mein Traum, so ein Buchladen. Dann habe ich mit meinem Mann drüber geredet und dann konnten wir uns das immer mehr vorstellen."

Weinverkauf als Erweiterung des Sortiments

Der Vorteil ist: Pieper und ihr Mann Jochen Basler führen gemeinsam ein Weingut. Sie wissen also erstens, was in Sachen Selbständigkeit auf sie zu kommt, zweitens ergibt sich so die Möglichkeit, das Sortiment zu erweitern. Etwas, das viele Buchhändler, im Moment versuchen, meint Basler: "Das ist typisch für die Branche, dass man etwas zusätzlich verkaufen will und auch muss - aus wirtschaftlichen Gründen. Wir haben dieses Zusatz-Sortiment mit dem Wein. Von daher war die Kombination eigentlich total nahe liegend."

"Die Leute haben wieder Lust, Menschen zu treffen und irgendwo hinzugehen. Sie wollen Beratung und ein Buch in der Hand."

Ungewissheit wegen der Pandemie schreckt nicht ab

Literatur mit gehobenem Anspruch, Kinder- und Jugendbücher wie bisher und zusätzlich der Verkauf von Flaschen ihres Weinguts - so ist jetzt das Konzept. Die Konkurrenz durch den Online-Handel und immer noch die Ungewissenheit in Sachen Pandemie - das schreckt Kirsten Pieper nicht ab: "Ich habe das Gefühl, dass die Leute wieder Lust haben, Menschen zu treffen, auch wieder irgendwo hinzugehen und nicht im Homeoffice zu sitzen und alles im Internet zu bestellen. Der Zuspruch, den ich von den Kunden habe, der zeigt mir das auch. Die wollen wieder eine Beratung haben, das Buch in der Hand haben, die wollen das spüren."

Große Erleichterung bei der bisherigen Besitzerin

Die frühere Besitzerin Christa Peiseler hatte die Suche nach einer Nachfolge für ihren vor mehr als zwanzig Jahren gegründeten Buchladen im Prinzip schon aufgegeben. Zum Jahresende wollte die 70-Jährige den Laden schließen, zwei Jahre hatte sie vergeblich gesucht. Dass sich dann so kurz vor dem Ende doch noch jemand gefunden habe, sei eine riesen Erleichterung gewesen.

Problem: Der Laden war schon weiter vermietet

Weil die Entscheidung für den Neuanfang so kurzfristig fiel, stand Pieper gleich vor einem großen Problem: Der alte Laden war gerade anders vermietet worden, neue Räumlichkeiten mussten her. Auch ein großer Teil des Buchbestands war schon verkauft. Pieper musste sich schnell in die Neu-Erscheinungen einarbeiten, als Quereinsteigerin eine echte Herausforderung. "Ich wusste selbst nicht, wie viele Verlage es gibt, wie diese Branche tickt. Das ist immer noch schwierig", sagt sie.

Seit dem 1. April ist der Laden jetzt offen - Pieper und ihr Mann haben möglichst viel selbst gemacht, um das finanzielle Risiko klein zu halten. Die alten Regale übernommen, gestrichen, hergerichtet, eingeräumt - trotz Stress und den Herausforderungen der neuen Branche: Kirsten Pieper ist sich sicher, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hat.

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