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Das NaturFreundehaus Feldberg liegt auf 1.300 Metern Höhe. Während hier unten viele schon den Frühling genießen, ist da oben noch Winter. Für Heinz Blodek völlig normal. So kennt er es und so liebt er es auch.

Seit Monaten ist das Haus nur durch einen einstündigen Fußmarsch erreichbar oder mit dem Motorschlitten. Ist der Schnee zu sulzig, wie jetzt oft, funktioniert der Motorschlitten allerdings nicht. Wer Hüttenwart im NaturFreundehaus Feldberg ist, muss Einsamkeit mögen.

15 Jahre lang hat Heinz Blodek hier Gäste bewirtet, vor zwei Jahren ging er aber eigentlich in Rente, übergab das NaturFreundehaus seinem Nachfolger. Der strich im Herbst die Segel, wegen Corona. Das Haus drohte leer zu stehen. Für Heinz Blodek kam das nicht in Frage: "Irgendjemand muss die Katzen füttern, das Haus heizen und es in Ordnung halten. Ich bin in erster Linie würde ich schon sagen, aus Verantwortungsgefühl hier wieder raufgegangen und dann auch später als Eigennutz, weil hier ist ja ein wunderbarer Platz in so einer Zeit zu leben.“

Es gibt aber auch viel zu tun.

Er zog also wieder ein. Aber nicht in seine ehemalige Wohnung, sondern in ein bescheidenes Zimmer: "Ich bin nicht in die Wohnung gezogen, weil da eine viel größere Fläche zu beheizen wäre und sich das einfach nicht lohnt. Das kleine Zimmer kann man ganz schnell aufheizen, da fühlt man sich ganz schnell warm und geborgen." Heinz hat den Lockdown genutzt, alle 50 Matratzen im Haus gelüftet, die Bezüge gewaschen. Wenn endlich wieder Gäste kommen dürfen, ist alles bereit: "Es gibt jede Menge Stammgäste hier, also das sind wirklich die meisten. Leute, die immer wieder kommen. Wer einmal da war, kommt immer wieder."

Über die NaturFreunde lernen.

Heinz lebt hier oben abgelegen, aber selten ganz allein. Im Moment geht ihm Micha zur Hand. Der 17-Jährige leistet hier ehrenamtliche Arbeit und lernt von Heinz alles über die NaturFreunde, die dieses Haus vor 100 Jahren gebaut haben: "Es ging darum, einen Freiraum zu schaffen, wo Arbeiterfamilien einen schönen Urlaub machen können. Das war noch eine Zeit, da gehörten die Natur und die Berge eigentlich dem Adel. Es gab noch kein freies Betretungsrecht der Wälder. Da haben die für sich selber was gebaut, sonst hätten sie sich das gar nicht leisten können“, erzählt Heinz Blodek.

Wie eine Familie

Hand in Hand – das Motto der NaturFreunde findet auch Micha gut: "Das ist eine riesige Gemeinschaft auch in anderen Ländern. NaturFreundehäuser sind glaube ich auf der ganzen Welt verteilt. Alle halten zusammen, machen was zusammen, was Schönes. Dann gibt es mal wieder Streit, das ist wie in einer Familie.“

Jeder Tag hier oben: ein Geschenk.

Micha und die Katzen machen es sich jetzt am Ofen gemütlich. Und Heinz? Den zieht es raus in die Dämmerung. Hier oben für ihn die schönste Zeit des Tages: "Man hört die Geräusche der Tiere, die jetzt, wenn man so will zu Bett gehen. Später kriegt man auch mehr zu sehen und wenn man dann mit der Lampe leuchtet, bleiben die Tiere stehen." Wenn der Schnee sein Auto wieder freigibt, ist vielleicht auch die schlimmste Coronazeit vorbei. Dann wird Heinz Blodek seine alte Liebe wieder verlassen, neue Hüttenwirte stehen schon in den Startlöchern.

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