STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG

Motorradlärm ist im Schwarzwald ein Dauerproblem. Die Anwohner werden an den Wochenenden häufig strapaziert. Manche sind verzweifelt, andere haben noch Hoffnung.

Am Straßenrand liegen noch ein Paar Schneereste. Doch im Garten von Ursula Senn sprießt es bereits. Ihr graut es allerdings bereits vor dem nächsten sonnigen Wochenende: Bei den ersten Sonnenstrahlen lockt das zum Einfahren. Da ist gleich wieder was los. Und der Lärmpegel ist so hoch. Das ist auch gesundheitsschädigend und am nächsten Tag am Montag hat man Kopfweg", erzählt sie.

Zahl der Motorräder hat zugenommen

Ursula Senn wohnt am Ortsausgang in Neuenweg im Kleinen Wiesental. Hier am Fuße des Belchen treffen gleich mehrere aufregende Schwarzwaldstraßen aufeinander. Ihr Nachbar Hans-Peter Burger wohnt schon sein ganzes Leben hier. An den Motorradlärm gewöhnt hat auch er sich nicht. Im Gegenteil. Für ihn wird es immer unerträglicher: "Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Und sie kommen jedes Jahr früher. Am Sonntag schon um 6 Uhr halb 7 Uhr – da geht es los mit den Rasern. Am Sonntag müssen wir das Haus verlassen. Gehen halt wandern oder so. Wenn es so weitergeht, verkaufe ich das Haus und ziehe aus."

Maschinen sind oft zu laut

Wie den beiden geht es vielen Menschen im Schwarzwald. 150 Kommunen und Landkreise haben sich inzwischen zu der Initiative gegen Motorradlärm zusammengetan. Vor wenigen Tagen hat das Land eine Untersuchung veröffentlicht, die zeigt, daß die Beschwerden der Anwohner nicht aus der Luft gegriffen sind, sondern auf Fakten basieren. Laut Gutachten ist die Mehrheit der Motorräder so laut wie ein Presslufthammer. Oft sind sie wesentlich lauter als vom Hersteller vorgesehen.

Entspannung im Jahr 2020

Gemessen wird der Lärm unter anderem in Sasbachwalden im Ortenaukreis. Dort wurden vor einem Jahr vier sogenannte Lärmdisplays aufgestellt. Die zeigen den Motorradfahrern an, wenn sie zu laut sind. Das und die Gespräche mit Motorradfahrern zeigen Wirkung, sagt Sonja Schuchter, Bürgermeisterin von Sasbachwalden: "Die Anwohner sagen mir, dass 2020 durch die ganze mediale Präsenz des Themas und durch das Aufstellen der Lärmdisplays die Motorradfahrer tatsächlich sich so verhalten haben, dass es die Anwohner weniger belästigt hat.“

Maßnahmen haben nur ein bis zwei Jahre gewirkt

Ein Teilerfolg, der möglicherweise nicht lange anhält. Diese Erfahrung hat zumindest Jörg Oehler in Todtmoos gemacht. Vor der Schule des Rektors wurde 2015 ein Lärmdisplay aufgestellt, eine Bürgerinitiative machte Aktionen und die Polizei war verstärkt vor Ort. "Da hatte man zeitweise den Eindruck gehabt, dass es besser geworden ist. Aber das war nur über ein, zwei Jahre und dann hat es sich wieder verstärkt. Da gab es meines Erachtens – aber das ist subjektiv – keine Verbesserung. Und was jetzt noch dazu kommt sind die Sportwagen, die sehr viel unterwegs sind und auch die Quads, die fast den gleichen Lärmpegel auslösen wie die Motorräder."

ein kurvige Landstraße, im Hintergrund ein Hügel mit Schneeresten (Foto: SWR, Petra Jehle )
Motorradfahrer lieben Kurven. Im Schwarzwald gibt es einige davon und deshalb ist hier an den Wochenenden auch immer viel los. Petra Jehle

Hersteller müssen in die Pflicht genommen werden

Ob in Neuenweg, Sasbachwalden oder Todtmoos – allen ist klar, dass einzelne Aktionen das Lärmproblem nicht lösen. Ihre Forderung: die Hersteller sollen per Gesetz verpflichtet werden, leisere Motorräder zu bauen und die Ausreißer sollen schärfer bestraft werden. "Wir sind ja nicht gegen die Motorradfahrer an sich, nur gegen die Ausreißer, die 10 bis 20 Prozent, die mit sehr lauten Höllenmaschinen unterwegs sind. Die sind so laut, wie es eigentlich auch nicht erlaubt ist und gegen die richtet sich der Protest“, sagt Jörg Oehler.

Schwarze Schafe unter den Motorradfahrern

Und die Bürgermeisterin von Sasbachwalden ergänzt: "Ich denke, wenn wir weniger über das Thema Verbote nachdenken, sondern uns darauf fokusieren, wie kann ich die schwarzen Schafe aus dem Verkehr ziehen, dann erhalten wir eine viel bessere Basis für ein gemeinsames Ziel: nämlich, dass Motorradfahrern salonfähig ist, wenn es eine gewisse Dezibelzahl nicht übersteigt.“

Sasbachwalden

Parteien scheuen Verbote Debatte um Motorradlärm - Initiative sieht Verbesserungen in Baden-Württemberg

Wenn Biker auf den kurvigen Straßen im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb richtig aufdrehen, kann es laut werden. Zu laut, sagt der baden-württembergische Lärmbeauftragte. Eine betroffene Bürgermeisterin sieht aber erste Verbesserungen in ihrer Gemeinde.  mehr...

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG