Motocross-Fahrerinnen und Fahrer sind auf dem hügeligen Parkour in Bräunlingen unterwegs (Foto: SWR, Samantha Happ)

Ausgleichskonzept macht's möglich

Motorsport und Naturschutz in Bräunlingen stehen im Einklang

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Samantha Happ
Samantha Happ (Foto: DASDING)

Viele Motocross-Vereine haben Probleme mit den Nachbarn. Der Motorsportclub (MSC) Bräunlingen nicht. Er genießt großes Ansehen.

Geländefähige Motorräder rasen über einen Parkour aus Erdhügeln und Fahrspuren. Fahrerinnen und Fahrer fliegen mehrere Meter durch die Luft, liefern sich Kopf-an-Kopf-Rennen. Während die einen im Motocross-Sport eine Leidenschaft gefunden haben, beschreiben andere den Extremsport als staubig, laut und dank der Abgase, als nicht gerade umweltfreundlich. Dabei steckt hinter dem Sport manchmal mehr Umweltschutz, als man zunächst vielleicht vermuten mag.

Naturschutz- und Ausgleichsmaßnahmen verpflichtend

Längst sind Naturschutz und Ausgleichsmaßnahmen nicht nur im Baugewerbe, sondern auch beim Bau- oder Umbau einer Motocross-Strecke verpflichtend. Das haben auch die Mitglieder des Motorsportclubs Bräunlingen herausgefunden, als sie feststellen mussten, dass es für die seit den 1960er Jahren genutzte Strecke gar keine Genehmigung gibt.

"Im Jahr 2020 kommt die Stadt Bräunlingen auf uns zu, der das Grundstück gehört und wir kommen plötzlich auf den Trichter, dass wir gar keine richtige Genehmigung für unsere Strecke haben."

In einem kleinen Kessel, umgeben von landwirtschaftlich genutzten Feldern ist die Strecke mit bloßem Auge kaum zu erkennen, zumindest vor Baubeginn des neuen Geräteschuppens. Ein paar Erdhügel, auf denen Gräser und sogar Blümchen wachsen, zwischen den Fahrspuren entdeckt man zwei kleine Flecken aus Sand, auf einer Seite werden sie durch eine Art kleine Steinmauer begrenzt.

Pflanzen- und Tier-Biotope auf dem Motocross-Gelände

Hier hat der Verein in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund Steinriegel-Biotope für Amphibien und Reptilien angelegt. In den Steinen finden sie Schutz, in den Sandflächen legen sie ihre Eier ab und können sich sonnen. Mit den Biotopen einher geht auch ein genaues Konzept, welche Flächen von den Vereinsmitgliedern befahren und betreten werden dürfen und wo Mäh-Arbeiten durch den Verein erlaubt oder strikt verboten sind. Im Gegensatz zu landwirtschaftlich genutzten Flächen, die regelmäßig abgemäht werden, stelle die Motocross-Strecke mit ihrer Flora und Fauna eine Aufwertung des Geländes dar.

Strikte Trainingszeiten schützen Menschen und Tiere

An anderer Stelle wurden neue Bäume und Sträucher gepflanzt, teilweise um die versiegelte Fläche des neuen Geräteschuppens auszugleichen. Die Trainingszeiten auf dem Gelände sind ganz genau festgelegt und auf zwei Mal die Woche beschränkt. Auch wenn die Anlage günstig gelegen ist und so Lärm und Staub kaum bis zu den nächsten Wohnhäusern durchdringt, gibt es strikte Zeiten, um Mensch und Tier zu schützen.

Große Veranstaltungen, wie das jährlich stattfindende Motocross-Rennen, dürfen auf dem Gelände nicht stattfinden. Dafür darf der Verein die örtliche Sportanlage nutzen, wo kurzerhand ein Parkour aus Erdhügeln mit Baggern gebaut wird.

Motocross-Anlage mit großem Rückhalt in der Bevölkerung

In Sachen Naturschutz-Maßnahmen inspirieren lassen, haben sich auch die Vereinsmitglieder von anderen Motorsport-Vereinen in der Region und diese direkt in ihren Antrag auf eine Genehmigung mit aufgenommen. Während es im Zusammenhang mit Motorsport-Anlagen oft zu Protesten der Anwohnerinnen und Anwohner kommt, genieße der MSC Bräunlingen in der Bevölkerung einen großen Rückhalt.

"Im Gemeinderat sitzen knapp 80 Personen, die über die Genehmigung abstimmen und wir haben, abgesehen von einer Enthaltung, nur positive Stimmen bekommen. Es gab nicht eine Stimme dagegen."

Was zunächst unvorstellbar erscheint, eine respektvolle Koexistenz von Motorsport, Natur und Anwohnenden, scheint zumindest in Bräunlingen einen guten, gemeinsamen Weg gefunden zu haben ohne, dass jemand auf der (Motocross-) Strecke geblieben ist.

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