Skitourismus und Klimawandel am Feldberg

Skitourismus und Klimawandel

Gemeinde Feldberg will Skigebiet modernisieren und ausbauen

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AUTOR/IN
Christof Gerlitz
ONLINEFASSUNG
Paula Kersten

Die Liftanlage am Feldberg und das Wasserbecken für Schneekanonen soll größer werden. Naturschützer haben Widerstand angekündigt.

Der neue Speicherteich für die Schneekanonen soll etwa 20 Mal größer werden als der alte. Zusammen mit dem Bau einer neuen, größeren Seilbahn kostet das die Gemeinde Feldberg (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) 40 bis 50 Millionen Euro. Die konkreten Pläne für den Ausbau hatte die Gemeinde lange unter Verschluss gehalten. So sind dem verantwortlichen Bürgermeister der Gemeinde, Johannes Albrecht (parteilos), die Fragen nach der Größe des Speichersees und den Kosten spürbar unangenehm. Er beantwortete sie trotz mehrfacher Nachfrage nicht. Nur so viel sagt er:

"Wir wollen unser Skigebiet für die Zukunft fit machen. Dazu planen wir Investitionen für eine neue Feldbergbahn als Ganzjahresbahn. Sie soll im Sommer und im Winter mit Kabinen laufen und ganzjährig Fußgänger transportieren."

Skitourismus und Klimawandel am Feldberg
Johannes Albrecht, Bürgermeister der Gemeinde Feldberg, will den ganzjährigen Tourismus voranbringen.

Aber: Die Winter werden wärmer und der Schnee macht sich zunehmend rar. Eines Tages wird davon sehr wahrscheinlich auch der höchste Berg des Landes betroffen sein. Die Auswirkungen des Klimawandels sind bereits jetzt deutlich spürbar und mitten hinein in dieses bedrohliche Szenario platzt jetzt die Diskussion um die Zukunft des Skisports am Feldberg.

Naturschützer kritisiert Feldberg-Ausbaupläne

Der Naturschützer Michael Schäfer spricht von einer "Verrummelung" und meint damit den Massentourismus. Die Pläne, das Skigebiet mit viel Geld zu modernisieren, hält der Naturschützer angesichts des Klimawandels für fatal.

"Ehrlich gesagt: Mir ist die Kinnlade runtergeklappt. Noch mehr Menschen auf den Berg zu bringen ist sowohl ökologisch wie ökonomisch eine komplette Fehlentwicklung."

Skitourismus und Klimawandel am Feldberg
Der Naturschützer Michael Schäfer hat massiven Wiederstand gegen die Ausbaupläne auf dem Feldberg angekündigt.

Der Naturschutz hat zwar den Widerstand gegen den Tourismus am Feldberg schon vor langer Zeit aufgegeben. Sie haben ein Teil des Berges geopfert, dafür, dass andere Bereiche in Ruhe gelassen werden. Doch dieser Kompromiss scheint jetzt in Gefahr.

Auch am Grafenmatt soll ausgebaut werden

Denn auch am Hang gegenüber, am Grafenmatt, soll in einen neuen Sessellift investiert werden, den man auch im Sommer betreiben könnte. Aber genau das ist für Naturschützer ein Tabu. Flachmoore und seltene Pflanzen am Grafenmatt seien in Gefahr, so Feldberg-Ranger Achim Laber. Genauso wie Auerhuhn und Zitronenzeisig, die massiv vom Aussterben bedroht sind und hier Zuflucht gefunden haben. Laber war immer kompromissbereit, bis jetzt: "Es wäre für den Naturschutz verheerend, wenn hier im Sommer ähnlicher Betrieb wäre wie drüben am Seebuck. Hier wird eine rote Linie überschritten, da können wir nicht mehr sagen, dass wir irgendwie schon eine Lösung finden werden."

Skitourismus und Klimawandel am Feldberg
Auch am Grafenmatt soll gebaut werden: Eine neue Seilbahn, die Touristen auch im Sommer auf den Berg bringt.

Widerstand im Konflikt zwischen Naturschutz und Tourismus

Das sind ungewöhnlich scharfe Worte aus dem Mund von Achim Laber. Naturschützer Michael Schäfer geht noch einen Schritt weiter und kündigt massiven Widerstand an. Im Konflikt zwischen Naturschutz und Tourismus am Feldberg ist es lange ruhig geblieben. Doch angesichts der Ausbaupläne könnten die alten Gräben wieder aufbrechen.

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