Renate Kronberg aus Rheinfelden

Mit 80 noch leidenschaftlich gern Hebamme

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AUTOR/IN
Matthias Zeller
ONLINEFASSUNG
Laura Könsler

Renate Kronberg aus Rheinfelden (Kreis Lörrach) denkt nicht ans Aufhören: Sie ist 80 Jahre alt und arbeitet immer noch als Hebamme.

Sie arbeitet zwar nicht mehr täglich, aber immer noch mit ganz viel Herz und Leidenschaft. Nach 57 Jahren in diesem Beruf hat sie unglaublich viel Erfahrung. Davon profitieren die jungen Mütter, die sich von Renate Kronberg Tipps geben lassen.

Fünf Frauen sitzen mit ihren Babys auf dem Boden in einem Zimmer des Familienzentrums in Schopfheim (Kreis Lörrach). In ihrer Mitte: Hebamme Renate Kronberg. Sie ist 80 Jahre alt, sieht aber locker zehn, wenn nicht zwanzig Jahre jünger aus. Ihr Traumjob scheint sie jung zu halten.

"Wenn so ein kleines Wesen, so ein Wunder, auf die Welt kommt, berührt es einen und man ist dann ehrfürchtig und dankbar und das ist eben das Schöne an dem Beruf."

Der Hörfunkbericht über die jung gebliebene 80-jährige Hebamme von SWR-Reporter Matthias Zeller zum Nachhören:

Tipps und Tricks direkt von der erfahrenen Hebamme

Die jungen Mütter im Babymassagekurs profitieren von den fast 60 Jahren Erfahrung ihrer Hebamme, die auch für sie da ist, wenn es schwierig wird.

"Ich war da ein bischen fertig die ersten zwei Wochen. Sie hat mir echt geholfen."

Eine Mutter, die während des Kurses gerade ihr Kind stillt, sagt: "Sie weiß alle Tricks und hat alle Kniffe drauf."

Ein offenes Album mit Fotos (Foto: SWR, Jochen Sülberg)
Beim Blick ins Fotoalbum werden die vielen schönen Erlebnisse als Hebamme wieder lebendig. Jochen Sülberg

Sie wollte schon immer Hebamme werden

Renate Kronberg hat als Hebamme viel erlebt: In der DDR hat sie ihre Ausbildung gemacht und sich damit ihren Kindheitswunsch erfüllt, 1990 ist sie dann in den Westen und in die Frauenklinik nach Rheinfelden gekommen. Ein Dankesbuch für die "beste Hebamme" ist voll mit liebevollen Widmungen.

Viel Anerkennung noch während der Berufstätigkeit

"Danke, dass Du uns mit Rat und Tat zur Seite gestanden hast, Tag und Nacht für uns erreichbar warst. Eine großartige Hebamme ist schwer zu finden, hart zu verlassen und unmöglich zu vergessen", steht da beispielsweise.

Renate Kronberg und ihre Tochter am Kaffeetisch (Foto: SWR, Jochen Sülberg)
Renate Kronberg mit ihrer Tochter Claudia, die sie vor 19 Jahren entbunden hat. Ihr Enkel war eines der letzten Kinder, das sie zur Welt brachte. Dann widmete sie sich voll und ganz der Vor- und Nachsorge der Mütter. Jochen Sülberg

Unvergesslich bleibt der Hebamme ein Vater, ein Schweizer Busfahrer, der zur Geburt seiner Zwillinge mit dem Linienbus zur Klinik gerast ist. Er stoppte an der Grenze, ließ die Fahrgäste aussteigen und fuhr dann weiter zur Frauenklinik in Rheinfelden, wo er den Bus stehen ließ.
Doch das letzte von 4.000 Kindern, das Renate Kronberg im Kreißsaal in den Händen gehalten hat, war ihr Enkel Matthis. Der ist inzwischen 19. Ihre Tochter Claudia ist dankbar für die Hilfe damals, war ab und zu aber auch genervt, dass jeder ihre Mutter kennt.

"Ich war immer die Tochter der Hebamme und bin das heute teilweise noch. Wenn ich mit ihr in die Stadt gehe, kommen wir immer nur ein paar Meter weit, weil viele Menschen sie kennen und ansprechen."

Renate Kronberg im Freien  (Foto: SWR, Jochen Sülberg)
Die 80-jährige Hebamme bangt um die Selbständigkeit ihrer Kolleginnen. Jochen Sülberg

Hebamme so lange es noch geht

Die Corona-Zeit hat Renate Kronberg viel Kraft gekostet, so dass sie sich nun schweren Herzens auch von der Vor- und Nachsorge verabschiedet hat. Den Kurs für Babymassage macht sie weiter, denn nichts liegt ihr ferner, als ganz aufzuhören. Daran denke sie gar nicht. Sie sei jeden Tag dankbar, dass sie noch so fit ist, und freue sich, dass alles so klappe.

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