Menschen bekunden in Freiburg ihre Solidarität mit den Protesten im Iran (Foto: SWR, Peter Steffe)

Einzige deutsch-iranische Städtepartnerschaft

Freiburg zeigt sich solidarisch mit Protesten in Isfahan

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Peter Steffe, Gabi Krings

Mit Demonstrationen und Solidaritätskundgebungen wollen Studierende die Menschen in Isfahan, Freiburgs iranischer Partnerstadt, unterstützen. Sie hoffen auf einen Regimewechsel.

Zwei Semester hat Augustin Laber in Isfahan im Iran studiert, zuletzt besuchte der Student der Islamwissenschaften die Freiburger Partnerstadt im März. Da lag der Umbruch bereits in der Luft, der Unmut über die Schikanen der Sittenpolizei war groß.

"Auch in Isfahan werden Frauen von der Sittenpolizei mitgenommen. Das passiert oft, und es geht um Einschüchterung. Da muss dann der Vater oder Bruder kommen und passende Kleidung mitbringen, damit die Frau wieder gehen darf.“

Städtepartnerschaft trotz Menschenrechtsverletzungen

Seit einigen Wochen revoltieren die Menschen im Iran gegen die Unterdrückung des Mullah-Regimes. Auslöser der andauernden Demonstrationen war der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini Mitte September. Die iranische Sittenpolizei hatte sie wegen ihres angeblich unislamischen Outfits festgenommen. Sie war danach ins Koma gefallen und in einem Krankenhaus gestorben.

Die Revolutionsgarden des Regimes gehen brutal gegen die Demonstrierenden vor, auch in Isfahan. Im Freiburger Gemeinderat gab es deshalb die Forderung, die Städtepartnerschaft auf Eis zu legen. Oberbürgermeister Martin Horn will den Kontakt jedoch nicht abbrechen.

"Wir sind in direktem Austausch mit der Stadt Isfahan, aber trotzdem können wir als Stadt Freiburg natürlich nicht die Situation in Isfahan oder gar im Iran verändern.“

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Appell an Isfahans Stadtverwaltung: Friedliche Proteste erlauben

In einem Brief hat Horn die Stadt Isfahan aufgefordert, ihren Einfluss geltend zu machen, damit friedlicher Protest möglich ist und nicht weiter gegen Menschenrechte verstoßen wird. Dafür gehen auch die Menschen in Freiburg auf die Straße. Am vergangenen Samstag zeigten rund 300 Frauen und Männer auf dem Platz der Alten Synagoge ihre Solidarität mit der iranischen Freiheitsbewegung.

Ein wichtiges Zeichen, sagt Nina Lalee, die zusammen mit Augustin Laber und anderen Studierenden im Orga-Team ist. Die Unterstützung aus Isfahans Partnerstadt gebe den iranischen Frauen Kraft, ist sie überzeugt.

"Wir wissen, dass die Stimme aus Freiburg von unseren Brüdern und Schwestern im Iran gehört wird.“

Revolutionsgarden üben auch hier Druck aus

"Weg mit dem Mullah-Regime", "Gerechtigkeit für Mahsa", "Freiheit für den Iran": Das waren die Forderungen der überwiegend jungen Menschen aus der iranischen Gemeinschaft der Stadt, die mehrere Tausend Menschen umfasst.

Aber auch in Freiburg gehen iranische Demonstrierende nicht angstfrei auf die Straße. Die Befürchtung, von Spitzeln fotografiert zu werden, sei groß, berichtet Nina Lalee. Möglich wäre dann, bei der Einreise in den Iran von den Revolutionsgarden verhaftet zu werden.

Zuversicht in Isfahan trotz Protesten mit Toten

Zwei Tage nach der Freiburger Demo erzählt Augustin Laber, wie unter anderem die Bilder der hiesigen Solidaritätskundgebung in den sozialen Netzwerken "viral" gegangen seien. Er sei in engem Austausch mit Freundinnen und Freunden aus Isfahan. Dort hätten praktisch zeitnah riesige Proteste stattgefunden. Sogar auf den traditionell eher regimetreuen Basaren sei gestreikt worden.

Allerdings sei vor der Universität auch eine Person erschossen worden, berichtet Laber. Die Polizei gehe mit scharfer Munition gegen die Demonstrierenden vor. Trotz dieser Gewalt sei die Stimmung aber sehr gut. "Die Menschen sind gerade sehr euphorisch", erzählt der Student. Man spreche nicht über die Toten, sondern über die Hoffnung auf ein freies Land.

"Man sagt: Stell dir vor, wenn der Iran frei ist, dann machen wir eine Bar auf, dann gehen wir im Bikini an den Strand, dann küssen wir uns auf der Straße."

Menschen bekunden in Freiburg ihre Solidarität mit den Protesten im Iran (Foto: SWR, Peter Steffe)
Menschen bekunden in Freiburg ihre Solidarität mit den Protesten im Iran Peter Steffe

Weiter Demos für Regimewechsel geplant

Der Freiburger Islamistikstudent glaubt nicht an einen schnellen Regierungswechsel im Iran. Das sei ein langer Prozess. Außerdem bestehe die Gefahr von Unruhen. Dennoch ist er zuversichtlich: Die Proteste dehnten sich immer weiter aus und rissen immer größere Teile der Bevölkerung mit. Die Menschen im Iran ließen sich nicht länger einengen und tyrannisieren, ist Laber überzeugt. Deshalb wollen er und seine Mitstreiterinnen in Freiburg auch weiter auf die Straße gehen - so lange, bis das Regime weg ist.

Freiburg/Isfahan

Proteste im Iran Undurchsichtige Lage in Freiburgs Partnerstadt Isfahan

Wie in vielen Städten im Iran gibt es auch in Freiburgs Partnerstadt Isfahan Demonstrationen gegen das Mullah-Regime und dessen Sittenpolizei.

SWR4 BW am Vormittag SWR4 Baden-Württemberg

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Peter Steffe, Gabi Krings