Bürgerinitiative in Heitersheim wehrt sich gegen den Verkauf des Malteserschlosses an einen Investor (Foto: SWR, Jacqueline Grundig)

Schlossgesellschaft steigt aus

Projekt gescheitert: Keine Privatschule im Malteserschloss Heitersheim

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In das Malteserschloss in Heitersheim (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) wird nach jahrelangem Streit und Bürgerentscheid doch keine internationale Schule ziehen.Die Investoren haben wegen finanzieller Probleme infolge der Corona-Pandemie einen Rückzieher gemacht.

Ursprünglich wollte eine deutsch-chinesische Investorengruppe um den früheren Verleger der "Badischen Zeitung", Christian Hodeige, eine internationale Privatschule in dem Schloss eröffnen. Es gab eine Bürgerinitiative dagegen. Kurz darauf kam es zu einem Bürgerentscheid. Die Mehrheit der Heitersheimer stimmte für die geplante Privatschule. Rund ein Jahr danach ist den Schulträgern aber offenbar wegen der Corona-Pandemie das Geld ausgegangen. Einrichtungen in China mussten bereits geschlossen werden, heißt es in einer Erklärung der Schlossgesellschaft.

Schulträger aus China musste Einrichtungen schließen

Die chinesischen Partner sind private Kindergarten-, Schul- und Universitätsträger an verschiedenen Orten in China. Die pandemie-bedingten Schließungen ihrer Einrichtungen im Jahr 2020 und ein sich nachhaltig verändertes Eltern- und Schülerverhalten in Richtung gesundheitliche Sicherheit, Nähe zu den Eltern und eingeschränkte Möglichkeiten von Auslandsreisen haben die Partner Shi, Wang Jiapeng und Christian Hodeige jetzt offenbar veranlasst, ihre geplanten Investitionen in einen internationalen Bildungsträger grundsätzlich zu hinterfragen.

Covid-19 auch Grund für Verzögerungen in Deutschland

Schon jetzt habe der Verlauf von Covid -19 allein in Deutschland die Planung in Heitersheim um mindestens 15 Monate verzögert, heißt es. Grundsätzliche Entscheidungen der zuständigen Behörden und Ämter seien bis jetzt noch gar nicht getroffen worden. Es sei absehbar, dass die geplante Zahl von 300 jungen Menschen, die in einem internationalen Internat zusammenleben, gewisse bauliche Ergänzungen auf dem Areal der Schlossanlage in Heitersheim bedingen würden. Auf Grund der denkmalschutzrechtlichen und weiteren Vorgaben bestünde erwartungsgemäß noch großer Abstimmungsbedarf, führt die Schlossgesellschaft aus.

Die Bekanntgabe der deutsch-chinesischen Investorengruppe aus dem Projekt "Internationale Privatschule im Malteserschloss" wegen finanzieller Probleme auszusteigen, hat auch im Heitersheimer Rathaus Betroffenheit ausgelöst. Bürgermeister Christoph Zachow (parteilos) ist entsprechend enttäuscht. Im SWR sagte er am Freitag: "Natürlich wäre das eine Bereicherung für die Stadt und für die ganze Raumschaft gewesen - zwischen Basel, Freiburg und Straßburg - so eine international renommierte Schule. Die Verwaltung und ich sind natürlich enttäuscht. Aber jetzt gilt es nach vorne zu blicken und die neuen Chancen, die sich jetzt vielleicht ergeben, zu prüfen. Das alles wird natürlich wieder sehr viel Kraft und Zeit kosten."

Große Betroffenheit im Orden der Vinzentinerinnen

Eigentümer des Malteserschlosses Heitersheim ist seit 1893 der Freiburger Orden der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul. Doch fehlender Nachwuchs und Überalterung ließen den Orden stark schrumpfen. Bereits 1990 wurde die große Landwirtschaft aufgelöst. Der Abschied ist beschlossen: spätestens 2023 will der Orden das Schloss verlassen. Das Konzept für eine Internationale Privatschule im Malteserschloss hatte der Orden der Vinzentinerinnen ausdrücklich gut geheißen. Es hätte an die Internationalität des Schlosses ebenso anknüpft, wie an die Lebensordnung des Ordens: Orte zu schaffen, an denen Menschen ohne Rücksicht auf Volk, Herkunft, Weltanschauung und Religion in Solidarität und Gerechtigkeit gemäß den christlichen und menschlichen Grundwerten zusammenleben können. So begründet der Orden sein großes Bedauern über das jetzt gescheiterte Projekt in einer Erklärung am Freitag.

Verein "Schule im Schloss": Verpasste Jahrhundert-Chance!

Der Orden teile außerdem die Sorge der Schlossgesellschaft, dass Schüler*innen aus Asien und anderen Ländern nicht im Sinne der Willkommenskultur begegnet werden würde. Teile einer Bürgerinitiative gegen die Privatschul-Pläne im Heitersheimer Malteserschloss lehnen einen eindeutigen Bürgerentscheid für das Projekt aus dem Jahr 2020 ab. Der Bürgerentscheid war vom Verein "Schule im Schloss e.V." mit initiiert worden. Auch er gab am Freitag sein Bedauern über die aktuelle Entwicklung bekannt. Zum Bürgerentscheid sei man aus Überzeugung eingetreten mit einem klaren JA zu Bildung, Vielfalt und Weltoffenheit, sowie zu Erhalt und Zukunfts-Sicherung der Malteserschloss-Anlage. Mit dem Scheitern des Projekts für eine Internationale Privatschule dort entgehe der Stadt Heitersheim, der Region und dem Land eine Jahrhundert-Chance auf Internationalität, so der Verein in seiner Erklärung. Nun würden die Mitglieder über seine Auflösung zu entscheiden haben.

Bürgerinitiative BIM: Heitersheim bekommt neue Chance!

Die Bürgerinitiative Malteserschloss (BIM) reagierte dagegen erfreut auf das Aus des Projekts. Die Initiative hatte auch nach dem Bürgerentscheid im Februar 2020 weiter gegen die internationale Schule gekämpft. "Heitersheim bekommt jetzt eine neue Chance, dieses Schlossareal für seine eigenen Bedürfnisse zu nutzen", sagte BIM-Sprecher Zsolt Pekker. Die Stadt brauche "die Fläche und das Gebäude dringend für zahlreiche soziale und andere öffentliche Vorhaben", etwa für die Tagespflege. Vorwürfe, die Gegner hätten die Investoren diffamiert, wies Pekker zurück. Er forderte Belege für solche Diffamierungen und sprach von "Nachtreten".

Orden orientiert sich neu - Leerstand nicht ausgeschlossen

Unabhängig von der jetzt getroffenen Entscheidung würden die Schwestern das Schloss Ende 2022, spätestens Anfang 2023 wie geplant verlassen, bestätigt die Ordensleitung. Noch einmal würden zwar Gespräche mit der Stadt Heitersheim und mit dem Malteserorden gesucht. Aber nun werde das Schloss-Ensemble wohl am allgemeinen Immobilienmarkt angeboten. Am Ende heiße das, dass ein Leerstand ab 2023 nicht ausgeschlossen werden könne.

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