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Geimpfte Bewohnerinnen und Bewohner im Seniorenheim Mühlehof in Steinen dürfen bald wieder gemeinsam essen. Nach langem Hin und Her haben jetzt auch Landesregierung und Landratsamt grünes Licht gegeben.

Nach dem Seniorenheim Mühlehof in Steinen (Kreis Lörrach) hat jetzt auch die Landesregierung einem Vergleichsvorschlag des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg (VGH) weitestgehend zugestimmt. Das hat Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) bekanntgegeben.

Der Verwaltungsgerichtshof hatte in einem Vergleichsvorschlag den Betrieb der Cafeteria für geimpfte oder von einer Corona-Infektion bereits genesene Bewohner und Beschäftigte erlaubt. Begründet hatte der VGH dies mit einer Neueinschätzung des Robert-Koch-Instituts, wonach Geimpfte kaum noch ansteckend seien.

Landratsamt stimmt Vergleich ebenfalls zu

Das Lörracher Landratsamt hat - nach Abstimmung mit dem Sozialministerium - dem Vergleichsvorschlag nun ebenfalls zugestimmt. Die Landesregierung hatte laut Vorgabe des Gerichts für seine Entscheidung bis Montag um Mitternacht Zeit - am frühen Abend kam dann die Zusage aus Stuttgart.

"Wir sind an einer für alle Beteiligten zufriedenstellenden Einigung interessiert. Dabei gilt es, das Bedürfnis älterer geimpfter Menschen nach Normalisierung genauso im Blick zu behalten wie alle Erkenntnisse des Gesundheitsschutzes."

Manfred Lucha (Grüne), BW-Sozialminister

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Fast alle Mühlehof-Bewohner gegen Corona geimpft

Der Leiter des Heims, Wolfram Uhl, hatte schon vor einigen Tagen alles für eine Wiedereröffnung vorbereitet: "Wir hoffen sehr, dass die Senioren schon die nächsten Tage wieder zusammen sitzen, essen und spielen können", sagte er am Mittwoch. Von den Bewohnern der 56 Einzelhaushalte in dem Zentrum für betreutes Wohnen seien fast alle geimpft. Nach der Entscheidung des Landes zeigte sich Uhl sehr zufrieden: Der Kampf um mehr Freiheit hat sich gelohnt.

"Wir gehen von einer wirklichen Signalwirkung aus. Das ist den Seniorinnen und Senioren auch zu wünschen. Viele haben in den letzten Monaten unter der Situation gelitten."

Wolfram Uhl, Leiter Seniorenzentrum Mühlehof

Gerichte hatten Öffnung zunächst abgelehnt

Der Streit um die Kantinen-Öffnung hat schon mehrere Gerichte beschäftigt. Nach dem Verwaltungsgericht Freiburg hatte auch der VGH in Mannheim die Öffnung Mitte März abgelehnt. Dagegen hatte der Anwalt des Seniorenzentrums, Patrick Heinemann, eine Anhörungsrüge erhoben und zugleich das Bundesverfassungsgericht angerufen.

Prävention und Infektionsschutz seien wichtig, hätten aber ihre Grenzen. Die Senioren litten nun schon seit einem Jahr massiv unter der Isolation durch die Corona-Maßnahmen, so Heinemann. Er vertritt das Heim sowie einen 79 Jahre alten Bewohner.

Sieg wird mit Festessen gefeiert

Mit dem Vergleich steht die Cafeteria nun kurz vor der Eröffnung. Dann wird gefeiert. Mit einem besonderen Festmahl. Die Mühlehof-Bewohnerinnen und -Bewohner freuen sich schon auf Bärlauchschaumsüppchen und Crevetten. Sie können es kaum erwarten, wieder zusammenzusitzen.

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