Heizen mit Holzpellets (Foto: IMAGO, blickwinkel)

Hohe Nachfrage sorgt für Lieferengpässe

Holzpellets sind heiß begehrt

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AUTOR/IN
Anita Westrup

Heizen mit Holz statt mit Öl oder Gas – viele Verbraucher sind auf Pelletheizungen umgestiegen. Jetzt kämpfen einige Händler in Südbaden sogar mit Lieferengpässen.

Keine Pellets mehr im Keller und das mitten in der Heizsaison? Einige Verbraucher in Südbaden stehen im Moment vor einem Dilemma: Die Pellet-Vorräte sind verfeuert und der Nachschub lässt auf sich warten. Einige Brennstoffhändler in Südbaden können die hohe Pellet-Nachfrage im Moment nicht decken. Andere Lieferanten haben die Lagerkapazitäten erhöht. Warum sind Pellets im Moment so heiß begehrt?

Bundesweiter Run auf Pelletheizungen 2020 und 2021

Der Geschäftsführer des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verbandes mit Sitz in Berlin, Martin Bentele, hat einen Überblick über den bundesweiten Bestand. Demnach sind zwischen 2014 und 2019 jährlich rund 33.000 Pelletheizungen dazugekommen. 2020 waren es mit rund 61.850 neu installierten Pelletheizungen fast doppelt so viele. Für das abgelaufene Jahr 2021 wird mit einem weiteren Zuwachs auf 70.000 Neuinstallationen gerechnet. 2022 könnten es sogar 100.000 Pelletheizungen werden. Seit 2020 wird der Umstieg auf umweltfreundliche Heizungen staatlich bezuschusst. Die sogenannte "Raus-aus-dem-Öl"-Politik der Bundesregierung und die staatlichen Fördersätze hätten die Nachfrage nach oben getrieben, so Bentele.

Rohstoff Holz bestimmt das Pellet-Angebot

Im Jahr 2021 war der deutsche Holzmarkt im ersten Halbjahr laut Martin Bentele von einer riesigen Nachfrage nach Bauholz aus den USA geprägt. In Sägewerken wurde viel eingeschnitten, es wurden tonnenweise Pellets produziert. Der Pelletpreis war bis Mitte des Jahres 2021 dementsprechend niedrig. Im zweiten Halbjahr des vergangenen Jahres brach die USA-Nachfrage ein und auch am deutschen Markt war Bauholz plötzlich nicht mehr so gefragt. Das heißt: weniger Einschnitt, weniger Sägespäne, weniger Pellets. Geheizt und verbraucht wurde aber trotzdem verhältnismäßig viel. Die Heizsaison reichte mancherorts bis in den Mai hinein. Der Pellethandel hatte laut Martin Bentele teilweise Mühe, die eigenen Lager wieder aufzufüllen. Mit der Folge: Verbraucher, deren Pelletvorräte jetzt aufgebraucht sind, müssen mit relativ hohen Preisen und Verzögerungen bei den Lieferungen rechnen.

Umweltfreundliches Heizen mit Holzpellets  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Umweltfreundliches Heizen mit Holzpellets Picture Alliance

Einige Brennstoffhändler in Südbaden kämpfen sogar mit Engpässen

Gerhard Krafft, Firmenchef bei Erhardt Brennstoffe in Müllheim (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald), spricht von einer "unglücklichen Marktkonstellation". Zum einen stehe das größte Pelletwerk in Südbaden, die Anlage in Ettenheim (Ortenaukreis), seit einigen Wochen still. Zwei Heizkesselanlagen seien defekt gewesen und müssten erneuert werden. Zum anderen sei die Nachfrage nach Holzpellets extrem gestiegen. Gerhard Krafft rationiert daher seine Pellet-Auslieferungen. Er teilt die Ware unter seinen Stammkunden auf. Verbraucher bekommen zum Beispiel drei statt fünf Tonnen Pellets. Neukunden könne er zurzeit nicht annehmen. Krafft rät Besitzern von Pellet-Heizungen, die eigenen Lager im Frühling aufzufüllen. Da würden die Preise für Pellets auch wieder sinken. Vorrat sei ein guter Rat, so Krafft weiter.

Regionales Holzwerk hat keinen Holzmangel

Carsten Doehring, Geschäftsführer der Holzwerke Dold in Buchenbach (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald) versichert, dass es keinen Holzmangel gebe, das Holz sei da. Die Holzwerke seien zwar zwei Wochen über Weihnachten und Neujahr in Betriebsferien gegangen, die Pellet-Produktion sei jedoch weitergegangen. Entsprechendes Personal sei extra dafür abgestellt worden. Lieferzeiten von ein bis zwei Wochen seien im Winter ganz normal, so Doehring. Viele Pelletheizungsbetreiber hätten die sogenannte Erstbefüllung erst im Dezember in Angriff genommen. Daher häuften sich jetzt die Anfragen, vermutet Doehring. Auch er appelliert an alle Konsumenten, sich im Frühling/Sommer mit Pellets ausreichend einzudecken.

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