Banner "Landarzt, Landärztin gesucht" in Schönwald (Foto: SWR, Samantha Happ)

Vor der Bundestagswahl 2021

Ärztemangel im Schwarzwald und auf der Baar - was wollen die Parteien ändern?

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In vielen kleinen Gemeinden im Schwarzwald-Baar-Kreis hängen derzeit neben den Wahlplakaten Banner mit der Aufschrift: Landärztin oder Landarzt gesucht. Was wollen die Parteien tun?

Auch am Ortseingang von Schönwald hängt so ein Transparent. Gebracht hat es bislang nichts. Seit vielen Jahren hat die Gemeinde im Schwarzwald-Baar-Kreis keine eigene Arztpraxis mehr. Die einzige Apotheke im Ort hat ebenfalls längst dicht gemacht - und das ausgerechnet in einem Kurort.

"Die Arztsituation ist bescheiden. Es wird Kurtaxe verlangt und es ist kein Arzt da, das ist nicht richtig, das sollte nicht sein. Zumindest in einem Kurort sollte ein Arzt immer Bereitschaft haben."

Die Region braucht dringend Nachwuchs. Bei den Parteien ist der Ärztemangel im ländlichen Raum eines der Themen im Wahljahr. Die CDU möchte dem Problem mit 5.000 neuen Medizinstudienplätzen, einer höheren Landarztquote und digitalen Sprechzeiten begegnen.

Banner "Landarzt, Landärztin gesucht" in Schönwald (Foto: SWR, Samantha Happ)
Schönwald - idyllischer Kurort, aber seit Jahren ohne Arzt und Apotheke Samantha Happ

Schon in den vergangenen Jahren wurden verschiedene Förderprogramme geschaffen, digitale Sprechstunden-Konzepte gefördert und es wurde der Zugang zum Medizinstudium für Landärzte erleichtert - doch Schönwalds Bürgermeister Christian Wörpel (parteilos) reicht das nicht aus.

"Themen wie Numerus Clausus und Landarztquoten, das ist aus meiner Sicht eher zu wenig, das ist nicht ausreichend. Ein guter Anfang, aber der Wettbewerb wird größer und die Ärzte können sich das aussuchen. Dann ist es natürlich für die kleinen Kommunen relativ schwierig, da mithalten zu können."

Auch die AfD möchte vermehrt Studierende fördern, die sich verpflichten, als Landärzte zu arbeiten. Außerdem wollen sie - wie auch die Linke und zu Teilen die SPD - das Vergütungssystem ändern: Bisher gibt es eine Pro-Kopf-Pauschale. Ein Budgetkatalog gibt vor, wie viel Zeit und Geld ein Arzt für bestimmte Diagnosen berechnen darf.

Alle Parteien wollen die Bürokratie in Arztpraxen abbauen

SPD und Linke, wie auch FDP und Grüne wollen darüber hinaus gut erreichbare, medizinische Versorgungszentren im ländlichen Raum. Weitestgehend einig sind sich die Parteien auch darüber, dass der bürokratische Aufwand für Arztpraxen geringer werden muss, dazu sollen auch einheitliche Abrechnungssysteme für ambulante und stationäre Behandlungen beitragen.

Hierzuland Beuren Arztpraxis (Foto: SWR)
Für manche Ärzte ist die Praxis auf dem Land eine Berufung.

Zusätzlich auf mehr Digitalisierung in der Medizin wollen, neben der CDU, in Zukunft auch Sozialdemokraten, Grüne und FDP setzen - durch digitale Patientenakten und Telemedizin, wo das möglich ist.

Jeder zweite Hausarzt im Schwarzwald-Baar-Kreis ist über 55

Dass viele Menschen in der Region keine Hausärzte mehr haben, spiegelt sich in Statistiken oft gar nicht wider. Denn in die Berechnung werden alle Ärzte in einem Landkreis einbezogen, auch die in den Städten. Schon im vergangenen Jahr waren im Schwarzwald-Baar-Kreis 70 Hausärzte - und damit mehr als die Hälfte - über 55 Jahre alt. Die Folgen von immer weniger Ärzten zeigen sich schon heute im Alltag der Schönwälder:  

"Wir fahren nach Furtwangen allein zwölf Kilometer für einen Weg oder wenn wir ein Rezept einlösen wollen, keine Apotheke da, 25 Kilometer. Und im Winter, wenn's hier Schnee hat ... also es ist eine ganz schlimme Situation, finde ich. Man ist als älterer Mensch darauf angewiesen, dass einen jemand zum Arzt fährt."

Nach neun Jahren ohne Arzt sind sie in Schönwald nun langsam mit ihrem Latein am Ende; und noch immer kein Land - oder Landarzt - in Sicht. Mehr denn je ist nun die künftige Bundesregierung gefragt, gegen den Ärztemangel vorzugehen.

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