Eine Intensivkrankenschwester steht auf einer Intensivstation im Zimmer eines Covid-19-Patienten. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Kampf um Leben und Tod

Viele Ungeimpfte auf Covid-Intensivstation der Freiburger Uniklinik

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Die Situation auf der Intensivstation der Freiburger Uniklinik gibt Anlass zur Sorge: Die schweren Covid-Fälle werden immer jünger und mit dem Herbst naht eine vierte Welle.

Fachpfleger Philipp Schmidt und Oberarzt Johannes Kalbhenn arbeiten zusammen auf einer Covid-Intensivstation am Freiburger Universitätsklinikum. Bis auf eine Ausnahme liegen dort derzeit nur Patientinnen und Patienten, die nicht geimpft sind. Die Arbeit ist anstrengend und leider nicht immer erfolgreich: Ein Mann ist besonders schwer erkrankt, seine Überlebenschance: vielleicht 50 Prozent.

„Ihm geht es sehr schlecht. Wir haben ihn jetzt seit zwei Wochen behandelt und es sieht nicht gut aus.“

Noch einmal bespricht sich das Team. Der Oberarzt zeigt, wie es aussieht, wenn eine Lunge schwer geschädigt ist. Nicht selten ist jede Therapie vergeblich.

„Es geht einem nahe, wenn wir hier 14 Tage um Patienten kämpfen und dann versterben sie. Man überlegt sich, wahrscheinlich wäre das mit einer Impfung verhindert worden. Das tut weh. Das ist sehr traurig.“

Die nächste Covid-19-Patientin kommt auf Intensiv, auch sie braucht dringend Hilfe. Sauerstoff allein reicht ihr nicht mehr, wahrscheinlich wird auch sie an eine künstliche Lunge angeschlossen werden müssen. Das ist fast schon Routine.

Ruhe vor dem Sturm einer vierten Welle

Vor allem jüngere Menschen würden jetzt schwer an Covid-19 erkranken. Auch im Nebenzimmer liegt eine Frau, 25 Jahre, schwanger und kämpft mit dem Leben. Aktuell werden auf der Intensivstation neun Menschen behandelt. Während der zweiten Welle waren es dreimal so viele. Das könne sich allerdings schnell ändern: Jetzt sei erst September. Das Stationsteam ist in Sorge. Da die Impfquote vor allem bei Jüngeren stagniert, befürchtet es einen erneuten Anstieg.

Die Hälfte der Ungeimpften generell impfbereit

Eine neue Studie zur Impfbereitschaft wurde gerade veröffentlicht. Etwa 20 Prozent der Menschen gaben demnach an, andere Sorgen zu haben. Sie müssten sich um die tägliche Existenz kümmern oder hätten schlichtweg keine Zeit, sich impfen zu lassen. Rund ein Drittel der Ungeimpften sagte, die Unsicherheit sei noch zu groß, es fehle an Information, so die Studie.

Pfleger Philipp Schmidt und Oberarzt Johannes Kalbhenn hoffen nun, dass sich die Impfquote noch deutlich erhöht.  Denn sie sind überzeugt: wenn die Männer und Frauen geimpft wären, müssten sie jetzt nicht hier auf der Intensivstation der Uniklinik Freiburg um ihr Leben ringen.

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