Die Dietinger Klausen ziehen durch die Straßen. Mit weißen Gesichtern, weißen Gewändern und Kronen auf dem Kopf. Bei ihnen ist ein Bischof mit Mitra und das Nussaweible im Umhang. (Foto: SWR, David Kölsch)

Dietinger Klausen

Kurioser Nikolaus-Tag in Dietingen: mit Peitschen und Bischofshut

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Samantha Happ

Es ist ein Nikolausbrauch der etwas anderen Art: In Dietingen ziehen 18-Jährige durch die Straßen - mit Peitschen und Schellengurte. Die Einheimischen freuts.

Durch die dunklen Straßen in Dietingen (Landkreis Rottweil) tönen Peitschenhiebe und Schellen. Eine Gruppe 18-Jährige zieht durch die Straßen, doch nicht so, wie man vielleicht meinen würde: Ihre Gesichter sind weiß bemalt. Auf den Köpfen tragen sie große Kronen und über ihren weißen Gewändern einen Schellengurt. Mit ihnen unterwegs ist auch eine Person in einem Bischofskostüm mit Mitra auf dem Kopf und eine bärtige Frau, deren Gesicht von einer tiefsitzenden Kapuze bedeckt wird. Sie nennen sich alle zusammen die Dietinger Klausen.

Jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit kommen in Dietingen die 18-Jährigen aus dem Ort zusammen. Gemeinsam backen sie körbeweise Plätzchen und basteln Kronen, um dann eine Woche lang verkleidet, mit bemalten Gesichtern und Peitschen durch die Straßen zu ziehen und vielen Bewohnerinnen und Bewohnern im Ort eine Freude zu machen.

Dietinger Klausen: ein 200 Jahre alter Brauch

Hervorgegangen sei der Brauch aus einem Verbot erklärt Dietingens Ortsvorsteher Klemens Schmid. Damals sei in einem Jahresgerichtsprotokoll der Reichsstadt Rottweil aus dem 18. Jahrhundert das Klausen, also das um die Häuser ziehen in Klausenkostümen, explizit verboten worden. In Dietingen wollte man das so nicht akzeptieren und malte sich deswegen einfach mit Eiern und Mehl die Gesichter weiß an, um nicht erkannt zu werden.

Rute als Mittel der Züchtigung

Wo eine Laterne oder das Außenlicht brennt, da machen die Klausengesellen, der Bischof und das sogenannte Nussaweible Halt. Sie gehen in die Häuser und sagen ein Sprüchlein auf. In jedem besuchten Haus lassen sie eine Haselnussrute. Früher war die Rute ein Zeichen der Züchtigung. Auch wenn sie dafür heute nicht mehr eingesetzt wird, soll sie Bewohnerinnen und Bewohner daran erinnern, sich gut zu benehmen.

Plätzchen statt Rute

Neben der Haselnussrute gibt es beim Besuch der Klausen auch einen Teller voll selbstgebackener Plätzchen. Oft bekommen sie dafür, vor allem von den Kleinsten in Dietingen, einiges an Programm geboten. Viele Kinder bereiten sich im Vorfeld lange auf diesen besonderen Besuch vor: sagen Gedichte auf, spielen auf ihren Instrumenten, führen vor, was sie besonders gut können.

Für Nussaweible Lucia sind das ganz besondere Erlebnisse. Sie selbst wartete noch vor ein paar Jahren auf die Klausen, in diesem Jahr gehört sie zur Klausengruppe.

"Mir macht es total Spaß die Kinder glücklich zu machen, also das ist cool, wenn die was vormachen."

Für die Klausen gibt es hinterher als Dank dann gelegentlich auch den einen oder anderen Schnaps, der sie auf ihren Touren durch Dietingens Straßen warm halten soll.

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Samantha Happ