Mehrere hundert Menschen haben in Freiburg gegen den russischen Einmarsch in die Ukraine demonstriert. (Foto: SWR, Gabi Krings)

Angst um Partnerstadt Lwiw in der Ukraine

Krieg in der Ukraine: Solidaritätskundgebung in Freiburg

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Laura Könsler

Am Abend haben in Freiburg mehrere hundert Menschen gegen den Einmarsch Russlands in die Ukraine demonstriert. Zu der Kundgebung hatte die deutsch-ukrainische Gesellschaft aufgerufen.

Vor dem Freiburger Rathaus hielten ukrainische Frauen und Männer die Flagge ihres Landes und sangen die Nationalhymne. Zuvor hatten Menschen spontane Reden gehalten und ihre Solidarität mit der Ukraine gezeigt, darunter auch Oberbürgermeister Horn sowie ein Koordinator aus dem Team des russischen Oppositionellen Nawalny. Letzterer gab an, dass viele Russen die Invasion Putins scharf verurteilen würden. Mehrere Ukrainerinnen und Ukrainer berichteten teils sehr emotional über ihre Sorgen um Familienangehörige und Freunde. Die Bombardierung sei unfassbar, die Welt müsse reagieren, hieß es.

Harte Sanktionen gefordert

Gefordert wurden harte Sanktionen gegen Moskau, militärische Unterstützung für die Ukraine aber auch Sachspenden zur Versorgung von Verwundeten. Die Protestierenden gingen im Anschluss noch zum Freiburger Stadttheater, dessen Schriftzug in den ukrainischen Nationalfarben erleuchtet war. Die jüdische Gemeinde, deren Mitglieder zum überwiegenden Teil aus der Ukraine stammen, hat dort für den Sonntag zu weiteren Solidaritätsaktionen aufgerufen.

Demonstrierende bei der Solidaritätskundgebung für die Ukraine in Freiburg. (Foto: SWR, Gabi Krings)
Demonstrierende bei der Solidaritätskundgebung für die Ukraine in Freiburg. Gabi Krings

Entsetzen über russische Invasion

Am Donnerstagmorgen hatte die Nachricht über die russische Invasion in Freiburg für Entsetzen gesorgt. Auch Stellungen rund um die Partnerstadt Lwiw wurden offenbar bombardiert. Nach dem Einmarsch russischer Truppen in der Ukraine hält die Stadt Freiburg engen Kontakt zu ihrer Partnerstadt Lwiw (Lemberg). Unter Hochdruck wird jetzt Hilfe organisiert.

Kinder aus Kinderheim in Kiew sollen nach Freiburg

So versucht auch die evangelische Stadtmission Freiburg derzeit, rund 400 Menschen aus der Ukraine zu holen. Das von ihr unterstützte Kinderheim in Kiew soll evakuiert werden, die Kinder sollen nach Freiburg gebracht werden. Aktuell laufen Gespräche mit der evangelischen Kirche und der Stadt wegen der Unterbringung. Darüber hinaus organisiert die Stadtmission Transportmittel. Die Grenze zu Polen sei offen, heißt es. Auch aus anderen Standorten sollen Kontaktleute der Stadtmission evakuiert werden.

Porträt Volker Höhlein  (Foto: SWR, Charlotte Schönberger)
Volker Höhlein von der Ev. Stadtmission ist Leiter des s'Einlädele-Netzwerks und aktiv in der Ukraine-Hilfe. Charlotte Schönberger

Menschen decken sich mit Lebensmitteln ein

Die Menschen in den Städten deckten sich mit Lebensmitteln ein, die Straßen seien voll mit Menschen, die mit Autos die Stadt verlassen wollen, berichtet der Leiter und Koordinator der Freiburger Ukraine-Hilfe, Volker Höhlein.

Ein Mitarbeiter der Stadtmission befindet sich noch in der Stadt Schytomyr und verteilt dort noch Spenden an die Menschen. Laut Höhlein wird er aber baldmöglichst versuchen, nach Freiburg zurückzukehren.

Caritas International ruft zu Spenden auf

Auch Caritas International, mit Sitz in Freiburg, unterstützt nach der russischen Invasion in der Ukraine das Land mit Notfall-Teams und 150.000 Euro Soforthilfe. Das katholische Hilfswerk bittet dringend um Spenden für die Opfer des Konfliktes. Die Situation seit dramatisch und verändere sich sehr schnell, sagte der Leiter von Caritas International Oliver Müller. Derzeit sei auch für das Hilfswerk die Situation in der Ukraine unübersichtlich, da die deutschen Mitarbeiter in Kiew und Lwiw das Land verlassen mussten.

Lwiws Bürgermeister wendet sich an Bevölkerung

Andriy Sadovy, Bürgermeister von Lwiw (Foto: dpa Bildfunk,  Friedemann Kohler.)
Andriy Sadovy ist seit vielen Jahren Bürgermeister von Lwiw Friedemann Kohler.

Der Bürgermeister von Lwiw, Andrij Sadowyj, rief die Einwohner seiner Stadt im Internet dazu auf, Ruhe zu bewahren und nicht in Panik zu verfallen. Wenn möglich, sollten sie zuhause bleiben und sich von militärischen Gebäuden fernhalten. Schüler würden per Fernunterricht betreut. Man bereite sich auch auf die Aufnahme von Ukrainern aus anderen Regionen vor und sei im Kontakt mit seinen Partnerstädten im Ausland.

Die Freiburger Partnerstadt Lwiw (das frühere Lemberg) liegt rund 70 Kilometer von Polen entfernt. (Foto: SWR)
Die Freiburger Partnerstadt Lwiw (das frühere Lemberg) liegt rund 70 Kilometer von Polen entfernt.

Eine erste Reaktion gibt es vom Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen Baden e.V., kurz wvib. Der Verband hält wirkungsvolle Sanktionen gegen Russland für alternativlos. "Der russische Einmarsch in die Ukraine muss schmerzhafte Konsequenzen für den Aggressor und die Separatisten haben", heißt es in einer Mitteilung. Wie sehr Moskau etwa am Gashahn drehe, sei noch nicht absehbar - es dürfte ein Stresstest für die Energieversorgung werden.

Lwiw bittet Freiburg um Dieselgeneratoren - SWR Aktuell-Bericht vom 23.2.2022:

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Laura Könsler