Southide Festival 2022 (Foto: DASDING)

Chaotische Zustände vor Ort

Southside-Festival: Das geht besser!

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Auf dem Southside-Festival in Neuhausen ob Eck feierten am Wochenende knapp 65.000 Menschen. Doch Festival-Organisation kann und sollte anders aussehen.

Die ersten Besucherinnen und Besucher kollabierten schon am Donnerstag, nach stundenlangen Wartezeiten am Einlass zum Festivalgelände. Andere wanderten, verbrannt und verschwitzt mit Zelten, Rucksäcken und Getränken stundenlang über das Camping-Gelände auf der Suche nach einem Platz.

Der Menschenmasse nicht gewachsen

Schon einen Tag vor dem eigentlichen Beginn des Festivals ist das Gelände übervoll. Das erste Konzert am Donnerstagabend muss abgesagt werden. Es seien einfach zu viele Menschen gekommen, hieß es. Security sperrt den Zugang zum Gelände ab, schickt die Menschen zurück auf den Campingplatz.

Der Kommentar von SWR-Reporterin Samantha Happ zum Nachhören:

Fehlkalkulation auch bei den vorab groß angekündigten Vorräten an Wasser und Eiswürfeln im Festival-Shop: Sie sind restlos ausverkauft und das am zweiten Tag. Unter Instagram-Posts auf dem Account des Southside-Festivals rufen Menschen nach Hilfe: Die einzigen mobilen Toiletten in ihrem Bereich seien nicht geleert worden, sie laufen über. 

Kaum Zugang zu Wasser bei Temperaturen über 30 Grad

Während auf allen Kanälen ständig daran erinnert wird, unbedingt ausreichend Wasser zu trinken, sind die Stellen, an denen Wasser zu bekommen ist, auf dem gesamten Gelände Mangelware. Fußwege von bis zu 30 Minuten und oft noch lange Wartezeiten, bis man dran ist. So auch bei den wenigen Duschen. Aus den meisten tropft nur kaltes Wasser, viele funktionieren gar nicht. Von den angekündigten Waschbecken und Desinfektionsmitteln zur Pandemiebekämpfung ist wenig zu sehen.

Vor dem Eingang zum Bühnenbereich sieht man dagegen Leute ihre vollen Wasserflaschen wegwerfen. Sie sind auch bei diesen Temperaturen im Bühnenbereich verboten. Schließlich gibt es Tetra Paks mit einem halben Liter Fassungsvermögen auf dem Gelände für Geld zu kaufen.  

Pandemie hat Eventbranche schlimm getroffen

Klar ist, dass die Event- und Festival-Branche zwei Jahre lang massiv unter der Pandemie gelitten hat. Arbeitskräfte sind Mangelware, viele haben sich andere Jobs gesucht, inzwischen ist alles teurer geworden, während die Kalkulation der Ticketpreise der von 2019 entspricht. Um das auszugleichen, bezahlt man für eine warme Weinschorle auf dem Gelände dann eben 8,50 Euro. Für spärlich gekühlte bis warme alkoholfreie Getränke allerdings auch 5.50 Euro - zumindest wer es sich leisten kann. Viele der jungen Besucherinnen und Besucher können das aber nun mal nicht.

Klar ist auch, ein Festival ist kein Wellness-Urlaub, selbst wenn manche längst ähnlich viel dafür bezahlen. Doch andere Festival-Betreiber bekommen das längst deutlich besser hin, bei ähnlichen Ticketpreisen.

Während die Organisation "Viva con Agua" auf dem Southside Spenden sammelt, um unter anderem in Entwicklungsländern Zugang zu sauberem Trinkwasser zu schaffen, sind die Veranstalter des Southside-Festivals in Deutschland, inmitten einer vorhandenen Infrastruktur, an dieser Aufgabe kläglich gescheitert. 

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