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Über die Corona-Impfung redet jeder - und darüber, was offenkundig falsch läuft. Aber es hilft, den Blick auch mal auf die positiven Punkte zu lenken. Denn es ist nicht alles schlecht.

Die Corona-Impfung ist bundesweit ein Reizthema. Ob schleppende Terminvergabe, zu wenig Impfstoff oder die Diskussionen über mehr Freiheiten für Menschen, die sich impfen lassen - der Start ist holprig. Es läuft an machen Punkten aber auch gut, meint SWR Reporter Robert Wolf. Er war am Montag, 11. Januar, im Freiburger Zentralen Impfzentrum und von der Organisation vor Ort beeindruckt, schildert er in seinem Kommentar.

Überrascht, wie viele Menschen dort arbeiten

"Nicht alle Wiesen sind grün in Impf-Deutschland. Die kargen Flecken sind bekannt: Terminvergabe, Impfdosen, Verzögerungen bei Kreisimpfzentren und so weiter. Was mir irgendwie fehlt, ist der Blick auf die Stellen, an denen erstes saftiges Gras die kargen Flecken bedeckt und Dinge gewachsen sind. Als ich in das zentrale Freiburger Impfzentrum an der Neuen Messe gekommen bin, war ich überrascht, wie riesig alles geworden ist und wie viele Menschen dort arbeiten. Viele von ihnen machen das zusätzlich zum eigentlichen Job in Praxen oder Apotheken.

Aus dem Nichts heraus aufgebaut

Service-Stationen weisen den Weg. Überall sind Pfeile auf dem Boden, die direkt zu den Impfkabinen leiten, wo jeder freundlich seiner Kabine zugewiesen wird. 20 Stück gibt es, mehr als 2.000 Menschen könnten am Tag geimpft werden, wenn schon genügend Stoff vorhanden wäre. Alles aus dem Nichts heraus aufgebaut und organisiert. Ich habe mit Medizinstudentinnen gesprochen, die seit Anfang Januar die Spritzen mit den Impfdosen vorbereiten. Nicht, weil sie müssen, sondern weil sie ihren Teil beitragen wollen, dass wir alle schnell durch diese Pandemie kommen.

Wissen weitergeben, um schnell aus der Pandemie zu kommen

Ich habe mit einer Apothekerin gesprochen, die ihr Know-How aus der Apotheke der Uniklinik einsetzen möchte, damit auch im Impfzentrum alles reibungslos läuft. Ich habe Frank Ueckermann getroffen, der eigentlich Leiter des Freiburger Garten- und Tiefbauamtes ist und jetzt mit einem ständig quäkenden Walkie-Talkie am Arm durch die mehr als 6.000 Quadratmeter große Halle huscht und sich um große und kleine Probleme kümmert.

Klagen auf hohem Niveau

Und die Warteschlange? Sie war stetig in Bewegung, lange warten musste niemand. Chaos? Keine Spur. Eher kontrolliertes Gewusel. Wir klagen auf sehr hohem Niveau. Wirklich. Als Freiburger bin ich dankbar und stolz, dass es Mitbürgerinnen und Mitbürger gibt, die ihren Teil zum Ende der Pandemie beitragen wollen. Vor Ort persönlich - und nicht nur anonym in unzähligen Online-Kommentarspalten."

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