Dannenfels - Die Hütte (Foto: SWR)

Hütte ohne Gaudi

Gastronomie beklagt Personalmangel - auch Wanderhütten betroffen

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Owusu Künzel, Damian Correa Koufen,
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Dorothee Soboll und Anja Pross

Das Wanderheim Kreuzmoos bei Freiamt ist nicht nur bei Urlaubern ein beliebtes Ausflugsziel. Doch immer häufiger ist die Hütte geschlossen. Der Pächterin fehlt es an Personal.

Das fehlende Personal macht sich im Wanderheim Kreuzmoos bei Freiamt (Landkreis Emmendingen) an ganz verschiedenen Stellen bemerkbar. Angelika Lais, die Hüttenwirtin, berichtet, dass sie die Öffnungszeiten kürzen, die Speisekarte reduzieren und Reservierungen ablehnen musste. Letzteres sei besonders fatal, sagt Angelika Lais.

"Du kannst ja nicht den Laden abschließen und sagen: 'Tut mir leid, wir haben jetzt niemanden!'"

Die Halb-Pension mit Frühstück musste Lais bereits streichen, für kurzfristige Anfragen findet sie meistens keine Leute. An Wochenenden ist der Betrieb kaum noch zu stemmen.

Niedrige Löhne, lange Anfahrtswege

Ohne ihre beiden erfahrenen Mitarbeiterinnen hätte sie schon komplett dicht machen müssen. In der Industrie verdiene man natürlich mehr, deswegen müsse der Job einem Spaß machen. Wenn man nur aufs Geld aus sei, dann sei man hier fehl am Platz, meint Aushilfskraft Anita Burger. Angelika Lais ergänzt, man müsse Kartoffeln schälen können und auch mal in die Küche können. Zu den Aufgaben gehörte auch Toiletten putzen oder Betten beziehen. Die Hüttenwirtin vermutet, dass das für viele Interessenten ein Hindernis sei. Auch die langen Anfahrtswege und die unregelmäßigen Arbeitszeiten schreckten viele ab. Einige Hütten setzen deswegen schon seit Jahren darauf, über die Saison Osteuropäer zu engagieren. Auch Angelika Lais beschäftigt eine rumänische Angestellte.

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Immer mehr Wanderhütten schließen

Urlauber Ulrich Rühle beklagt, dass viele ihm bekannte Hütten zugemacht hätten, weil sie einfach zu wenig Personal hätten. Auch Angelika Lais denkt darüber nach, ihren Pachtvertrag nicht zu verlängern. Die Personalnot und die wirtschaftliche Entwicklung stimmen sie nachdenklich.

"Riskierst du es oder nicht?"

Auch Gastronomieverband klagt über Personalmangel

Personalmangel und steigende Energiekosten: Vor diesen Problemen steht der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) Schwarzwald-Bodensee aktuell. Das südbadische Gastgewerbe hofft auf Unterstützung aus der Politik.

Personalmangel bremst Wachstum

Vorschlag: Geflüchteten den Einstieg erleichtern

Steigende Energie- und Warenbeschaffungskosten

Lohnerhöhung Anfang 2022

Personalmangel bremst Wachstum

Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind während der coronabedingten Lockdowns in andere Branchen abgewandert und kehren nur langsam zurück. Das spürt auch der DEHOGA Schwarzwald-Bodensee, wie der Vorsitzende Peter Ehrhardt bei der Jahreshauptversammlung am Montag mitgeteilt hat. Die Folge: Viele Betriebe müssen ihre Öffnungszeiten reduzieren und sind auf der Suche nach Fachkräften. Laut Ehrhardt dauert es noch viele Jahre, bis die Situation wieder mit der vor der Pandemie vergleichbar ist.

Vorschlag: Geflüchteten den Einstieg erleichtern

Um neue Fachkräfte zu finden, schlägt Ehrhardt vor, Geflüchtete zu beschäftigen. Dafür wünscht er sich allerdings weniger bürokratische Hürden. Die Zulassung für Geflüchtete zum Arbeitsmarkt soll vereinfacht werden, fordert er. Diese Lösung müsse aber von der Politik kommen, so der Vorsitzende des Verbands.

Steigende Energie- und Warenbeschaffungskosten

Neben dem Personalmangel machen auch die steigenden Kosten dem Gastgewerbe zu schaffen. Zum einen steigen die Energiepreise, zum anderen auch die Preise für die Warenbeschaffung. Außerdem seien die Waren nicht immer verfügbar, heißt es. Wegen der Pandemie war die Mehrwertsteuer für Speisen von 19 auf 7 Prozent abgesenkt worden. Der Verband hofft angesichts der steigenden Energie- und Lebensmittelpreise, dass die Politik diese Regelung über das Jahr 2022 hinaus verlängert.

Lohnerhöhung Anfang 2022

Laut DEHOGA Schwarzwald-Bodensee gab es Anfang des Jahres 2022 eine fünfprozentige Tariferhöhung für die Beschäftigten. Jetzt im Juli soll der Lohn noch einmal steigen, beispielsweise der sogenannte Ecklohn um knapp neun Prozent, heißt es.

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