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In Straßburg sind etwa 4.500 Menschen auf die Straße gegangen, um für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege zu demonstrieren. Auch in Freiburg gab es Proteste.

Wie wichtig ein gut funktionierendes Gesundheitssystem ist, hat sich während der Hochphase der Corona-Pandemie gezeigt. Während Südbaden relativ glimpflich davongekommen ist, sind im Département Haut-Rhin im Elsass mehr als 1.500 Menschen in Verbindung mit Covid-19 gestorben. Jetzt fordern Klinikbeschäftigte auf beiden Seiten des Rheins, dass für ihre Arbeit nicht nur geklatscht, sondern wirklich etwas getan wird.

Proteste in Straßburg

Etwa 4.500 Menschen sind deshalb am Dienstagabend in Straßburg auf die Straße gegangen. Eine Krankenpflegerin auf der Demonstration erzählt von ihren Erfahrungen im Krankenhaus während der Corona-Pandemie. Sie sagt: "Meine Kollegen und Kolleginnen in der Reanimation, in der Notfallaufnahme und in der Geriatrie waren für einen Moment traumatisiert, wegen alldem, was sie erlebt haben. Ohne Material, ohne Masken, das war schrecklich."

Schlechtere Bedingungen als in Nachbarländern

In den 1990er-Jahren hat die Weltgesundheitsorganisation das Gesundheitssystem in Frankreich noch als bestes der Welt bezeichnet. Inzwischen sehe es anders aus, erzählt eine Krankenpflegerin aus einem Straßburger Krankenhaus. Sie sagt: "In der Schweiz, in Deutschland und auch in Luxemburg sind die Gehälter besser. Wir haben daher ein großes Problem Leute zu finden und zu motivieren." Präsident Emmanuel Macron hat ein Reformprojekt angekündigt. Die Gehälter will er auf den europäischen Durchschnitt anheben.

Auch Freiburger Klinikpersonal demonstriert

Deutlich weniger Menschen als in Straßburg sind zu einer Demonstration am Mittwoch in Freiburg gekommen. Etwa 200 Menschen fordern auf dem Platz der Alten Synagoge bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege. Darunter auch Krankenpflegerin Imke Pirch. Sie sagt: "Ich glaube, dass es in der Berufsgruppe der Pflegenden eine Müdigkeit gibt. Die Vorerfahrungen haben gelehrt, dass man das Gefühl hat, nicht wirkungsvoll zu sein mit seinen Aktionen. Dadurch würde man sich frustriert zurückziehen."

Gewerkschaft macht Druck

Auch die verhältnismäßig guten Verträge der Uniklinik in Freiburg könnten zu der geringen Beteiligung an der Demonstration führen, sagt Pflegerin Imke Pirch. Trotzdem will Ingo Busch von der Gewerkschaft Verdi die Aufmerksamkeit durch Corona nutzen. Er sagt: "Wir nehmen jetzt schon wahr, dass die Pandemie nicht mehr so ernst genommen wird, dass der Druck auf Veränderung abnimmt und den müssen wir jetzt aufrechterhalten."

Kleine Erfolge für Pflegepersonal

Bisher hat es nur kleine Erfolge gegeben: 1.500 Euro Prämie bekommen Beschäftigte in der Altenpflege. Freiwillig zahlen das auch einige Krankenhäuser. Zum Beispiel in der Ortenau. Die Uniklinik in Freiburg oder die Helioskliniken in Breisach, Müllheim und Titisee (alle Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) aber nicht. "Die Prämie, die kommt oben drauf, als Anerkennung und Wertschätzung. Aber das kann natürlich nicht gute Arbeitsbedingungen mit dauerhaft guten Vergütungen ersetzen, das darf man auch überhaupt nicht vergleichen", sagt Ingo Busch von Verdi. In Frankreich wie in Deutschland fordern die Klinikbeschäftigten daher höhere Löhne, mehr Personal und die Möglichkeit, sich angemessen um alle Patienten kümmern zu können.

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