Akivistinnen und Aktivisten besetzen einen Hörsaal der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Foto: SWR, David Pister)

Bisher kein Gespräch mit der Uni-Leitung

Klimaaktivisten besetzen weiterhin Hörsaal der Universität Freiburg

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Klimaaktivistinnen und -aktivisten halten seit Montag in der Universität Freiburg einen Hörsaal besetzt. Die Aktion ist laut Polizei bisher friedlich verlaufen.

Aktivistinnen und Aktivisten halten seit Montagabend einen Hörsaal der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg besetzt. Am Mittwochmittag waren dort mehr als 100 Menschen anwesend. Die Gruppierung nennt sich "Transformationsuniversität 2.0". In einem Schreiben fordern die Initiatoren unter anderem von der Universitätsleitung, den "sozial-ökologischen Notstand" auszurufen. Die Menschheit befinde sich in einer Notsituation.

Ökologische Krisen gefährdeten das Leben von Milliarden Menschen, so die Aussage der Gruppierung. Aus diesem Grund hält sie den Hörsaal 1010 des Kollegiengebäudes 1 der Albert-Ludwigs-Universität besetzt. Die Aktivistinnen und Aktivisten haben auch die Nächte auf Dienstag und Mittwoch in dem Hörsaal verbracht. Wie lange der Hörsaal besetzt bleibe, hänge davon ab, wie kooperativ sich die Leitung der Universität zeige, heißt es in dem Schreiben weiter.

Seit Dienstagmorgen hat es kein weiteres offizielles Gespräch mit der Leitung der Universität gegeben (Stand Freitagnachmittag). Das begründete Bastian Strauch, der Sprecher der Universität, auf SWR-Nachfrage damit, dass der Hörsaal nach wie vor besetzt sei. Die Aktivistinnen und Aktivisten haben am Freitag erneut in einer Pressemitteilung bekräftigt, dass sie im Hörsaal bleiben wollen. Sie seien zufällig Kerstin Krieglstein begegnet, der Rektorin der Universität, schreiben sie. Dort habe sie gesagt, dass sie nicht mit Leuten reden würde, die das Recht brechen würden. Die Besetzerinnen und Besetzer wünschen sich nach eigenen Angaben weitere Solidaritätsbekundungen. In der Nacht auf Freitag hätten etwa 50 Menschen in dem Hörsaal übernachtet, sagte einer der Aktivisten. Freitagvormittag waren noch circa 15 Personen dort. In den Stuhlreihen lagen noch Isomatten und Schlafsäcke der vergangenen Nacht. In einer Ecke war ein improvisiertes Frühstücksbuffet aufgebaut; die meisten haben an Laptops gearbeitet, wie der SWR-Reporter vor Ort beobachtete.

Verhandlungen und Gespräche mit dem Uni-Rektorat

Um die Universität dazu zu bewegen, den geforderten Notstand auszurufen, traten die Aktivisten in Verhandlungen mit der Universitätsleitung. Konkret verhandelt wurde zunächst mit der Kanzlerin, der Co-Rektorin und der Leiterin für Wissenschaftskommunikation. Für Mittwochnachmittag war ein Gespräch mit der Rektorin, Kerstin Krieglstein, geplant. Das hat aber bis Mittwochabend nicht stattgefunden.

Die Aktivistinnen und Aktivisten haben in der Nacht auf Mittwoch mitgeteilt, dass die Universität fordere, den Hörsaal bis Mittwoch um 12 Uhr freizugeben. Danach sollte, so schrieben die Aktivistinnen und Aktivisten, ein Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern der Universität stattfinden.

Der Forderung der Universität wollen aber die Aktivistinnen und Aktivisten nicht einfach nachgeben, wie sie schrieben. Sie möchten weiterhin Gespräche mit dem Rektorat und eine Sondersitzung des Senats erwirken. "Wir bleiben solange, bis wir etwas auf dem Papier haben", sagte Aktivistin Leonie Zwiessler am Mittwoch im Gespräch mit dem SWR.

Uni Freiburg soll sich öffentlich positionieren

Gewöhnliche Proteste hätten bisher nichts bewirkt, sagte Klimaaktivist Lucas Zander, einer der Mitinitiatoren. Daher fordere man von der Albert-Ludwigs-Universität nun, sich öffentlich zu positionieren und zu intervenieren. So solle die Thematik weiter in die Gesellschaft getragen werden. Das Bekämpfen des Klimawandels sei effektiver, wenn es gesellschaftlich noch stärker gewollt sei und mehr von der Wissenschaft forciert werde, so Klimaaktivist Zander.

"Es macht uns allen auch keinen Spaß. Wir sind alle im Studium. Wir würden gerne in unseren eigenen Betten schlafen, die sind gemütlicher als der Boden."

Universität unterstützt Anliegen der Studierenden

Laut Pressesprecher bedauere die Universität, dass die Klimaaktivisten den Hörsaal bisher nicht freigegeben haben. Das Anliegen der Gruppe unterstütze die Hochschule sehr, sagte ein Sprecher der Hochschule. Die Aktion richte sich "in erster Linie an die Politik", die Uni werde die Studierenden dabei "nach Kräften unterstützen". Die Gespräche seien "bislang sehr offen, gut und konstruktiv."

"Das inhaltliche Anliegen der Gruppe, den Klimaschutz und die Bekämpfung von ökologischen und sozialen Krisen, unterstützt die Universität Freiburg sehr."

Hörsaal-Räumung bislang kein Thema

Die Vorlesungen und Seminare an der Universität seien durch die Aktion kaum beeinträchtigt worden, so der Uni-Sprecher weiter. "Es gelingt uns, alle in diesem Raum stattfindenden Veranstaltungen in andere Räume zu verlegen." Eine Räumung des Hörsaals sei aktuell nicht geplant und angestrebt, stattdessen setze die Universität weiter auf einen konstruktiven Dialog.

Verfasste Studierendenschaft solidarisiert sich mit Demonstrierenden

In der Nacht auf Mittwoch hat sich auch die Verfasste Studierendenschaft der Universität Freiburg zu Wort gemeldet. In ihrem Schreiben fordert sie die Universität auf, mit den Aktivistinnen und Aktivisten ins Gespräch zu kommen.

Es gibt auch Kritik an der Besetzung

Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) kritisiert das Vorgehen der Aktivistinnen und Aktivisten. In einer Pressemitteilung vom Donnerstagabend nimmt der RCDS Stellung und distanziert sich von der Gruppierung "Transformationsuni 2.0". Die Mehrheit der Studierenden, so heißt es, leide unter der "egoistischen Meinungsmache Einzelner". Der RCDS wünscht sich, dass mit der Gruppierung nicht verhandelt wird und fordert die Aktivistinnen und Aktivisten auf, den Hörsaal 1010 sofort freizugeben.

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