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Die Schule läuft wieder an, aber nur für die Abschlussklassen. Kita-Kinder und jüngere Grundschüler bleiben weiter daheim - auf unabsehbare Zeit. Berufstätige Eltern verzweifeln.

Berufstätige Eltern mit jüngeren Kindern in Kindertagesstätten oder den ersten Grundschulklassen sind seit Wochen schon doppelt und dreifach belastet. Seit dem 17. März sind Schulen und Kitas geschlossen. Erst galt es, Beruf und Kinder ein paar Wochen bis zu den Osterferien unter einen Hut zu bekommen. Nun geht das so weiter mit offenem Ende.

Homeschooling und Homeoffice klappen nicht parallel

Völlig utopisch sei das, mit kleineren Kindern zu arbeiten, auch im Homeoffice, sagen die Betroffenen. Denn Drei- oder Vierjährige fordern Aufmerksamkeit und richten sich nicht nach Telefonkonferenzzeiten. Erst- oder Zweitklässler müssen lesen, schreiben, rechnen lernen. Allein können sie das nicht. So sind für alles nun die Eltern zuständig. Besonders betroffen sind Alleinerziehende, die oft gar nicht mehr wissen, wie sie noch arbeiten sollen. Aber auch Paare sind an der Belastungsgrenze. Sie müssen Arbeitsstunden reduzieren, Früh- und Spätschichten einlegen, um im Wechsel mit dem Partner Zeit für die Kinder freizuschaufeln.

Soziale Ungleichheiten verschärft


Von den häuslichen Umständen hängt in dieser Situation ab, wie sehr die Kinder in ihrer Entwicklung gefördert werden, ob sie zu Hause lernen können.

"Dieses Homeschooling hat immer Nachteile. Und die Nachteile sind bei den jüngeren Klassen um so deutlicher erkennbar, als die ja noch nicht soviel Zeit hatten, eigenständiges Lernen zu lernen. Und auch die sozialen Ungleichheiten werden durch die aktuelle Situation sehr verstärkt."

Carsten Rees, Vorsitzender des Landeselternbeirats aus Freiburg

Elternvertreter fordern schnell schrittweise Kita-Öffnung

Gerade die Kleinsten sind aber offenbar die Letzten, die wieder in Schulen und Kitas dürfen. Vielleicht erst nach Pfingsten oder womöglich erst im Sommer? Diese Ungewissheit finden viele Eltern unerträglich. Der Gesamtelternbeirat der Freiburger Kitas fordert eine sofortige Öffnung der Notgruppen auch für Kinder, deren Eltern nicht Krankpfleger, Ärzte oder Polizisten sind. Denn manche Kinder leben in schwierigen Verhältnissen, manchen droht häusliche Gewalt.


Aber auch alle anderen Familien der circa 12.000 Freiburger Kita-Kinder brauchen Entlastung, sagt Kita-Eltern-Sprecher Simeon Stephan. Viele Eltern hätten das berechtigte Gefühl, von politischen Entscheidungsträgern vergessen zu werden, wobei den Eltern klar sei, dass die Kitas nicht in vollem Umfang – wie vor der Pandemie – aufmachen können.


"Auch schon kleine Öffnungen helfen: Wenn Familien einen Kita-Platz für fünf Tage in der Woche haben, ist es schon eine enorme Entlastung für die Eltern, wenn sie ihr Kind auch nur zwei Tage in die Kita geben können. Oder wenn sie einen Ganztagesplatz haben, ist es eine enorme Entlastung, wenn sie ihn wenigstens halbtags nutzen können. Dann wären weniger Kinder in der Einrichtung, und Erzieherinnen könnten sich zum Beispiel um Gruppen von fünf Kindern kümmern."

Simeon Stephan, Elternvorsitzender der Freiburger Kitas

Bitte über die Sommerferien sprechen

Auch um die Sommerferien sorgen sich viele Eltern. Manche haben von sich aus schon jetzt viele Urlaubstage genommen, um die Kinderbetreuung zu schultern, andere wurden vom Arbeitgeber in den Urlaub geschickt. Viele Eltern haben jedenfalls nicht sechs Wochen Sommerferien, sie haben bisher auf Betreuungsangebote in Kita oder Hort gesetzt – oder eben auf die Großeltern. Das alles droht, nun flach zu fallen.

Klar ist soweit nur, dass Unterricht in den Sommerferien für Kultusministerin Eisenmann nicht zur Debatte steht. Doch ohne Debatten keine kreative Lösungen, meint der Landeselternbeirat. Er schlägt Sommerschulkurse in den Ferien vor, um gezielt Stoff nachzuholen, und um Eltern zu entlasten. Diese Kurse sollten jetzt geplant und beworben werden, damit sie in den Sommerferien stattfinden können.


"Sommerschulkurse wären keine Ferienkürzung, sondern das wären Kurse zum Beispiel von zwei Wochen Länge in den Ferien. Die Eltern buchen dann genau die zwei Wochen die sie brauchen zu Beginn der Ferien, am Ende oder zwei Wochen mittendrin." Carsten Rees, Vorsitzender des Landeselternbeirats aus Freiburg

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