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Proben und die Vorbereitung der Gottesdienste - wegen der Corona-Maßnahmen fällt das aus. Die Folge: Freiberufliche Chorleiter und Musiklehrer verdienen kein Geld. Kritik an der Erzdiözese Freiburg wird laut.

Freiberufliche Kirchenmusikerin fühlt sich von der Kirche im Stich gelassen

Elisa Brunnenkant leitet den katholischen Kirchenchor in Mühlenbach im Kinzigtal (Ortenaukreis). Seit einigen Monaten habe sie keinen Kontakt mehr zu den Sängern des Chors oder zu Gemeindemitgliedern. Die Chorleiterin fühlt sich alleingelassen.

"Als dieser Lockdown kam, kam einfach eine E-Mail, dass jetzt keine Proben mehr stattfinden. Ich hatte das Gefühl, dass man mich jetzt gerade nicht mehr braucht."

Elisa Brunnenkant, Leiterin des katholischen Kirchenchors in Mühlenbach

Langsam werden die Bestimmungen gelockert. Auch in der Seelsorgeeinheit Haslach gibt es Überlegungen für einen Notfallplan. Aber Elisa Brunnenkant ist bisher nicht eingebunden. Dass wieder gesangliche Aktivitäten stattfänden, habe sie nur über Rundmails erfahren, erzählt die Musikerin. Damit meint sie, dass einzelne Sänger im Gottesdienst singen. Brunnenkant vermisst kreative Lösungen der Erzdiözese und würde sich eine bessere Kommunikation wünschen.

Kirchenchor (Foto: SWR)
Kirchenchor

Anstellungsverhältnis verbessere finanzielle Situation von Freiberuflern nicht

Da Elisa Brunnenkant freiberuflich tätig ist, bekommt sie auch kein Geld, wenn Proben oder Gottesdienste ausfallen. Ihr geht es weniger um die finanziellen Folgen, aber die Tatsache betrifft viele Musiker, vor allem Chorleiter. Bekämen Freiberufler trotzdem ihr Honorar, hätte das einen Einfluss auf ihren sozialversicherungsrechtlichen Status, sagt Michael Hertl, Sprecher des Freiburger Ordinariats.

"Sie können als Angestellte eingestuft werden und müssten dann Sozialversicherung zahlen und das möglicherweise über viele Jahre zurück. Das würde ihnen und den Kirchengemeinden schaden."

Michael Hertl, Sprecher des Freiburger Ordinariats

Große Vorfreude bei Musikschülern auf baldigen Unterricht-Neustart

Ähnlich verzwickt ist die Situation an der Freiburger Domsingschule. Auch dort arbeiten viele Freiberufler. Da die die Schule noch geschlossen ist, habe sie ebenfalls kein Einkommen. Rainer Sievers unterrichtet seit 20 Jahren Musiktheorie. Neben seiner finanziellen Lage sorgt er sich auch um die Mädchen und Jungen: "Die Kinder sind ja von heute auf morgen ausgeschlossen worden. Und zwar nicht nur von dem Unterricht oder von dem Chorproben an der Domsingschule, sondern von dem ganzen sozialen Leben." Er unterrichtet zusätzlich an der Freiburger Musikschule, die gerade langsam wieder öffnet.

"Ich habe die unglaubliche Freude erlebt, wenn sie gehört haben, dass sie wieder zurückkehren dürfen und Unterricht kriegen dürfen. Also rührend, einfach ergreifend."

Rainer Sievers, unterrichtet Musiktheorie an der Freiburger Domsingschule

Chorleiterin und Musiklehrer, beide nehmen die Erzdiözese Freiburg in die Pflicht. Damit die Musik bald wieder verbindet.

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