Zwei Borkenkäfer auf einer Baumrinde (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Andreas Arnold/dpa)

Trotz extremer Trockenheit

Freiburger Forscher hoffen auf eine schlechte Borkenkäfersaison

STAND
ONLINEFASSUNG
Charlotte Schönberger
AUTOR/IN
Matthias Schlott

Förster und Waldbesitzer bangen um ihre Wälder: Die Borkenkäfer-Saison steht bevor. Doch es gibt Hoffnung. Anders als in den Vorjahren steht dem Käfer wohl kein aussichtsreicher Sommer bevor.

Der Borkenkäfer sitzt in den Startlöchern - und die aktuellen Bedingungen sind die besten Voraussetzungen für ihn: extreme Trockenheit und steigende Temperaturen. Wenn die Nächte weiter frostfrei bleiben und sich die Temperaturen konstant im zweistelligen Bereich bewegen, könnte der Buchdrucker voraussichtlich Anfang April ausschwärmen. Buchdrucker gehören zur Familie der Borkenkäfer. 

Video herunterladen (6,1 MB | MP4)

Borkenkäfer-Wohlfühltemperatur: 20 Grad

Sven Hofmann und Markus Kautz von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg (FVA) beobachten das Verhalten des Borkenkäfers. Damit der Käfer nicht nur bewegungsfähig sei, sondern auch flugfähig und geschlechtsreif, müssten die Temperaturen über 20 Grad steigen, erläutert Hofmann.

Fallen und Wetterdaten sagen Ausmaß der Borkenkäferplage hervor

Mithilfe von Fallen, die die Forscher in einem Wald oberhalb von Horben (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) am Schauinsland aufgestellt haben, wollen sich die beiden Wissenschaftler ein Bild vom Ausmaß der Borkenkäferplage machen. Sie bestücken ihre Fallen mit Feromonen, also Duftstoffen, die den Buchdrucker anlocken, sobald die Tiere ausfliegen. Um ein genaueres Bild zu haben, erfassen die Forstwissenschaftler auch Wetterdaten, wie Temperatur und Windgeschwindigkeit. Sie geben Aufschluss darüber, ab wann der Baumschädling wieder aktiv wird. Daten, die dann auch Waldbesitzern und Förstern online zur Verfügung stehen.

Um die Entwicklung der Borkenkäfer in diesem Jahr zu beobachten, aktivieren Forstexperten im ganzen Land gerade die Beobachtungsstellen.  (Foto: SWR)
Wissenschaftler der Forstlichen Forschung- und Versuchsanstalt Freiburg präperieren eine Borkenkäferfalle.

Massive Schäden durch Borkenkäfer in den vergangenen Jahren

Sobald die Käfer unterwegs sind, bangen Waldbesitzer und Förster um die Wälder. In den vergangenen Jahren hat der Buchdrucker Schäden an Fichten verursacht wie nie zuvor. Begünstigt durch Trockenheit und viele Sturmschäden hatte der Schädling ideale Bedingungen.

Geschädigte Bäume im Nordschwarzwald - Die Wälder im Südwesten leiden schon seit Jahren unter Wassermangel und sind deshalb anfälliger für Krankheiten und den Borkenkäfer.  (Foto: IMAGO, IMAGO / Arnulf Hettrich)
Geschädigte Bäume im nördlichen Schwarzwald IMAGO / Arnulf Hettrich

Borkenkäferpopulation tritt in Wellenbewegungen auf

Da die Borkenkäfer in Wellenbewegungen auftreten, gehen die Forstexperten aktuell eher von Entspannung aus. Trotzdem zögern sie, zu entwarnen. Witterung und Sturmwürfe hätten einen großen Einfluss auf die Population.

"Wann die nächste Welle wieder kommt, kann keiner vorhersagen."

Borkenkäfer profitiert von der Klimakrise im Winter

Die Forscher interessiert auch, wie sich der Klimawandel auf die Aktivitäten der Borkenkäfer im Winter auswirkt. Zusätzlich zu ihren Borkenkäferfallen und den Wetterstationen haben die Wissenschaftler daher im Wald Holzstämme in kleinen Kunststoffnetzen unterhalb des Schauinsland aufgestellt, aus denen Käfer nicht entweichen können. Nach dreijährigen Forschungen zeichnet sich eine Tendenz ab: Auch im Winter entwickeln sich die Borkenkäfer bei steigenden Temperaturen weiter. Die Insekten beginnen früher auszufliegen. Die Borkenkäfersaison wird wohl immer länger dauern.

Gengenbach

Holzpreise steigen Starke Nachfrage: In der Ortenau wird das Brennholz knapp

Nicht nur Öl und Gas, auch Brennholz ist teurer geworden. Forstwirte in der Ortenau spüren eine deutlich höhere Nachfrage und können kaum noch liefern.

STAND
ONLINEFASSUNG
Charlotte Schönberger
AUTOR/IN
Matthias Schlott