STAND

Das Auerhuhn ist schon seit langem vom Aussterben bedroht. Und jetzt macht ihm auch noch Corona zu schaffen. Die Auswirkungen der Pandemie könnten dem Auerwild im Schwarzwald den Todesstoß versetzen.

Das befürchtet Philipp Weiner, der stellvertretende Leiter des Forstbezirks Hochschwarzwald in Kirchzarten. Mit ihm sprach SWR4-Moderator Dirk Starke:

SWR: Herr Weiner, Sie sagen, dass Corona auch dem Auerhuhn schadet. Weshalb?

Weiner: Das Auerhuhn ist im Winter besonders sensibel und durch die Corona-Pandemie und die mangelnden Möglichkeiten, jetzt Skiurlaub in den Alpen zu machen, tummeln sich jetzt viel mehr Menschen als bisher im Schwarzwald. Sie dringen dadurch auch in Rückzugsgebiete vor, die bisher relativ ruhig waren.

Skitouren-Geher auf dem eingeschneiten Feldberg (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Philipp von Ditfurth)
Ein Skitouren-Geher im Schwarzwald auf dem Feldberg. Da die Lifte wegen der Corona-Pandemie still stehen, sind viele Menschen mit Skiern oder Schneeschuhen im Gelände unterwegs. Einige wenige dringen auch in Auerhahnschutzgebiete ein. picture alliance/dpa | Philipp von Ditfurth

SWR: Wie lebt das Auerhuhn im Winter? Wie müssen wir uns das vorstellen?

Weiner: Das Auerhuhn ist im Grunde recht gut an winterliche und auch harsche Bedingungen angepasst. Es ist auch im Norden in den Nadelwäldern verbreitet. Es kann da von Knospen und Nadeln der Bäume leben und fährt ganz grundsätzlich seinen Energiebedarf runter und kann dann mit dieser kargen Nahrung den Winter überdauern. Wenn es jedoch gestört wird und fliehen muss, dann kann es ganz schnell sein, dass diese karge Nahrung nicht mehr ausreicht. Und genau in einer solchen Situation sind wir jetzt. 

 SWR: Heißt das, dass Tourengeher, Schneeschuhläufer und andere Leute, die raus in die Natur gehen, die Auerhühner jetzt stören?

Weiner: Ja, wenn sie sich nicht an die Regen halten und Schutzgebiete respektieren, dann kann das vorkommen. Bei unseren Rundgängen im Feldberggebiet sehen wir, dass die Leute querfeldein durch Wälder fahren oder auch gesperrte Bereiche betreten und so in Rückzugsgebiete des Auerwilds vordringen und es massiv stören.

SWR: Es gab ja Ende der vergangenen Woche schon Aufrufe, die Schutzgebiete zu respektieren. Haben sich die Menschen am Wochenende daran gehalten?

Weiner:. Am Wochenende war sehr viel los. Man muss ja sagen, die meisten Leute halten sich dran. Aber ungefähr 20 Prozent gehen auch abseits der Wege. Wenn man die dann anspricht, sind viele verständnisvoll. Aber ein gewisser Teil lässt sich nicht einmal durch unsere Präsenz davon abhalten, gesperrte Bereiche zu betreten.

SWR: Also, diesen Menschen ist es quasi egal, dass sie das zerstören, was sie eigentlich suchen - die intakte Natur?

Weiner: Ja, man muss manchmal annehmen, dass der Egoismus siegt und die Vernunft keine Rolle mehr spielt. Es sind Leute, die rausgehen in die Natur und mühsame Aufstiege durch den Schnee machen. Die Leute suchen und lieben die Natur suchen und lieben, aber sie bedrohen und zerstören sie dadurch. Das ist schade und da können wir nur appellieren, sich an bestehende Regelungen zu halten, zumal es ja relativ viele Bereiche gibt, wo man fahren und Schneeschuh wandern darf. Nahezu sämtliche Offenlandgebiete, also Gebiete außerhalb der Wälder sind unkritisch. Auch im Wald gibt es ausgewiesene Korridore, die gezielt von den Rückzugsgebieten wegleiten und die man nutzen kann. Da sind auch durchaus tolle Touren möglich. Daher fehlt mir das Verständnis dafür, wenn man immer tiefer in diese gesperrten Bereiche vordringt.

SWR: Was tun Sie im Forstbezirk Hochschwarzwald, damit die Menschen die gesperrten Bereiche besser respektieren?

Weiner: Wir intensivieren unsere Kontrollen, wir informieren noch mehr und wir stellen Plakate an den Aufstiegsrouten auf, die nicht benutzt werden sollen. Ich ermutige jeden, sich vor einer Tour gut zu erkundigen, wo darf ich hin und wo nicht. Das Naturschutzzentrum am Feldberg hat tolle Karten und jeder, der sich das vorher anschaut und sich eine Tour aussucht, hat danach ein genauso tolles Naturerlebnis!

SWR: Herr Weiner, wir danken Ihnen für das Gespräch.

STAND
AUTOR/IN