Das Kanalsystem der Freiburger Uniklinik wird schrittweise erneuert (Foto: SWR, Gabi Krings)

Arbeiten in acht Metern Tiefe

Freiburger Kanalsystem wird erneuert

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Gabi Krings
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Jasmin Bergmann

Die Abwasseranlagen in Freiburg stammen teilweise noch aus dem 19. Jahrhundert, weshalb das Kanalsystem jetzt schrittweise erneuert wird. So wie an der Uniklinik.

An der Freiburger Uniklinik wird gerade eine neues großes Abwasserrohr gebaut. Die Baugrube am westlichen Ende des Geländes ist sechs Meter breit und acht Meter tief. Mehrere Leitern führen in den kühlen und dunklen Untergrund. Dort unten arbeitet Tunnelbauer Peter Lischka mit seinen Kollegen - ganz alleine in aller Ruhe.

Der komplette Radiobeitrag zum Nachhören:

Pro Tag arbeiten sich die Tunnelbauer sieben bis neun Meter vorwärts. 90 von 125 Metern haben sie schon geschafft. Immer in kleinen Abschnitten bohrt sich die bemannte Spezialmaschine ihren Weg durch den Untergrund. Zurück bleibt ein 1,50 Meter hoher Kanal. Pezer Lischka und seine Kameraden müssen sich bücken, um da durch zu kommen.

Können jederzeit auf Blindgänger stoßen

Das vorsichtige schrittweise Graben ist eine Sicherheitsmaßnahme: Das Uniklinikgelände ist Kampfmittelverdachtsgebiet, sagt Projektleiter Nicolai Borst vom Freiburger Netzbetreiber bnNetze. Sie können jederzeit auf einen Blindgänger aus dem zweiten Weltkrieg stoßen. Der Mitarbeiter in der Spezialmaschine könne diese durch das langsame Tempo sofort stoppen, bevor der Blindgänger zerstört wird.

Neues Rohr ist überdimensioniert

Das neue Rohr kann dreimal so viel Abwasser aufnehmen wie das alte und ist bewusst etwas überdimensioniert, sagt Christoph Ast vom Eigenbetrieb Stadtentwässerung Freiburg: "Wir machen das Rohr ein bisschen zu groß, dass unsere Nachfolger später in 80 Jahren, falls es erforderlich ist, ein kleineres Rohr noch reinschieben können."

Das Kanalsystem der Freiburger Uniklinik wird schrittweise erneuert. Christoph Ast ist von der Stadtentwässerung. (Foto: SWR, Gabi Krings)
Christoph Ast vom Eigenbetrieb Stadtentwässerung Freiburg Gabi Krings

Der alte, eiförmige Abwasserkanal ist aus dem Jahr 1902 beziehungsweise 1928. Ihn hätte man so nicht ertüchtigen können. 740 Kilometer Kanalnetz von 1873 bis heute gibt es in Freiburg. "Unser Ziel ist, alle 100 oder 150 Jahre in so eine Straße zu gehen und zu erneuern", sagt Christoph Ast.

Über 1,3 Millionen Euro soll allein der neue Kanal der Uniklinik kosten. Ende Oktober könnte dort das Abwasser des Klinikums durchfließen. Die Baustelle selbst wird noch einige Zeit bleiben. Danach wird über dem Kanal ein neues Bettenhaus gebaut.

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