Ofensetzer Stefan Brenner hat im Moment alle Hände voll zu tun.  (Foto: SWR, Anita Westrup)

Viele Modelle ausverkauft

Energiekrise befeuert Nachfrage bei Freiburger Ofenbauer

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Anita Westrup

Die drohende Energiekrise hat den Ofen-Boom befeuert. Kaminbauer wie das Familienunternehmen Schätzle in Freiburg können sich vor Aufträgen kaum retten.

Die Nachfrage nach Öfen ist angesichts der drohenden Energiekrise groß. Das merkt auch Ofenbauer Schätzle aus Freiburg. Birgit Schätzle wirbelt durch einen großen, hellen Ausstellungsraum mit mehr als zwei Dutzend Einheizern, darunter gebaute, handwerklich erstellte Kachelöfen und Kamine und auch fertige Schwedenöfen. Mal stehen sie auf gusseisernen Füßen, mal hängen sie von Decke oder stechen durch ihre flaschengrünen Kacheln heraus. Viel Auswahl könnte man meinen, doch die meisten Modelle, vor allem die Schwedenöfen, sind längst komplett verkauft. Die Bürokratie dahinter hinterlässt Spuren. Der Schreibtisch von Birgit Schätzle ertrinkt in einer Papierflut: Mappen, Ordner, Anträge.

"Dieses Jahr, am 24. Februar, ist die Hölle ausgebrochen. Das haben wir so noch nie erlebt."

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Nachfrage nach Öfen so hoch wie noch nie

Mehr als 30 Jahre sind Birgit und Ralf Schätzle schon im Geschäft. Noch nie ist die Nachfrage so explodiert wie seit einigen Monaten. Vor allem bei Schwedenöfen. Rund 35 Stück verkaufen die Schätzles normalerweise pro Jahr, jetzt sind es drei- bis viermal mehr. Ausnahmezustand für das sechsköpfige Team: "Viele sagen, ihr seid die Profiteure vom Krieg. Das sind wir tatsächlich nicht", sagt Schätzle. In den vergangenen Jahren sei die Auftragslage immer gut gewesen. "Wir haben einfach nicht die Manpower, uns fehlen die Fachhandwerker", erzählt die 57-Jährige.

"Wenn wir uns klonen könnten, dann würden wir das alles machen, aber geht halt nicht."

Lieferengpässe beim Material

Volle Auftragsbücher auf der einen Seite, Fachkräftemangel auf der anderen Seite. Hinzukommt die aktuelle Liefersituation, überall gibt es Engpässe beim Material. "Aktuell haben wir Probleme, Ofenrohre zu bekommen. Was man früher am Dienstag bestellt hat und spätestens am Donnerstag gekriegt hat, ist jetzt erst im Februar lieferfähig", sagt Birgit Schätzle. Alles verzögert sich.

Die aktuelle Lieferzeit für einen Kamin beträgt laut Schätzles je nach Ofen zwischen 10 und 18 Monate - ohne Einbau. Bis ein Kunde zu seinem Kamin kommt, können im schlimmsten Fall Jahre vergehen. Geduld ist gefragt. Sie könne verstehen, wenn die Kunden wirklich sauer seien, weil sie den dreifachen Gaspreis zahlen müssten, aber keinen Ofen bekämen. "Aber ich kann halt nicht zaubern", so Schätzle.

Birgit Schätzle mit Tochter Tamara. Die 29-jährige Ofenbaumeisterin wird den Betrieb bald übernehmen. (Foto: SWR, Anita Westrup)
Birgit Schätzle mit Tochter Tamara. Die 29-jährige Ofenbaumeisterin wird den Betrieb bald übernehmen. Anita Westrup

Ofen-Boom trotz Feinstaub-Debatte und Klima-Bedenken

Der Run auf die Öfen lässt sich offenbar auch nicht von Warnungen aus dem Umweltbundesamt ausbremsen. Demnach verursachen Holzheizungen mehr Feinstaub als der Straßenverkehr. Birgit Schätzle kontert: "Bei uns gibt es jetzt Feinstaubfilter, die aus Feinstaub Grobstaub machen, also die Entwicklung geht weiter. Sie glaube immer noch, dass Holz umwelttechnisch der Umwelt weniger tue als Öl, das in die Meere laufe, ergänzt sie.

Lange galten Holzheizungen als nachhaltige Energiequelle. Sie wurden und werden immer noch staatlich gefördert. Doch das heimische Feuer ist umstritten. Aus dem dem Bundesumweltministerium hieß es jüngst dazu: Heizen mit Holz sei nicht klimaneutral. Die Holzverbrennung produziere neben Feinstaubemissionen auch CO2- und andere klimarelevante Emissionen wie Methan. Pro produzierter Wärmeeinheit seien die CO2-Emissionen sogar höher als bei fossilen Energieträgern wie Kohle oder Gas. Der Verband der Waldeigentümer findet diese Argumentation "nicht faktenorientiert, nicht sachlogisch".

So belastet der Kamin weniger die Umwelt

Wie kann Holz am umweltfreundlichsten verbrannt werden? Feinstaubabscheider oder Nachrüstfilter im Kamin können helfen, so die Experten. Und auch beim Anfeuern des Ofens gibt es einiges zu beachten. Birgit Schätzle empfiehlt allgemein: Je mehr Sauerstoff an die Kohlenstoffe herankäme, desto schöner und umweltfreundlicher brenne das Holz.

Tipps von Ofenbau Schätzle zum richtigen Anfeuern des Kaminofens:

  • Brennholz soll sehr trocken sein, möglichst zwei Jahre abgelagert.
  • Die sogenannte "Merkel-Raute" sei ein gutes Maß für Brennholz.
  • In Wachs getränkte Holzwolle eigne sich gut als Anzünd-Hilfe, dazu kleine Holzstücke.
  • Kaminöfen würden von "oben" nach "unten" angezündet - im Gegensatz zu Lagerfeuern.

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