Eine junge Frau steht in dern offenen Türe eines großen Traktor. Der Traktor steht auf einem Acker.

Frauen in der Landwirtschaft

21-jährige Emmendingerin will für Ausbildung in Landwirtschaft begeistern

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Mario Schmidt
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Katharina Seeburger
Eine Frau mit dunkelblonden Haaren lacht in die Kamera. Ihre Haare sind etwas länger als schulterlang. Katharina Seeburger trägt einen gestreiften Pullover in blau, rosa und grau.

Prüfungsbeste in der Ausbildung zur Fachkraft für Agrarservice: Die 21-jährige Lisa Dinger-Höfling brennt für den männerdominierten Beruf und wirbt für Arbeit in der Landwirtschaft.

Gut einhundert Meter vor dem Emmendinger Ortsschild befindet sich der Gutshof von Lisa Dinger-Höflings Familie. Hier, im Betrieb ihrer Familie, hat sie ihre Ausbildung im Agrarservice gemacht. Vor Kurzem hat sie die Ausbildung als Prüfungsbeste mit dem Notenschnitt 1,5 abgeschlossen. Sie brennt für ihren Beruf, in dem sonst vor allem Männer arbeiten.

Lisa wirbt auf eigenem Youtube-Kanal für die Landwirtschaft

Dass Lisa Spaß an ihrem Beruf hat, merkt man sofort, wenn man sie über ihren Alltag sprechen hört und sieht. Das breite Grinsen und die Begeisterung in ihrer Stimme machen selbst Lust, auf den Traktor zu steigen und loszufahren. Für Lisa ist ihr Beruf die perfekte Kombination zwischen Natur und Technik, beides interessiert sie sehr. "Ich bin viel in der Natur draußen. Wenn ich mal morgens früh anfange, sehe ich die Sonne aufgehen - das ist mega schön. Das Endergebnis ist für mich dann auch wunderschön zu sehen. Dass ich etwas hinbekommen habe und etwas mit meinen Händen gearbeitet habe", erzählt Lisa Dinger-Höfling über ihren Beruf.

Gemeinsam mit ihrem Bruder Lukas hat sie einen Video-Blog auf YouTube gegründet - auch, um anderen Mädchen und Frauen, die sich für Natur und Landwirtschaft interessieren, Einblicke in ihren Arbeitstag zu geben und den Beruf Fachkraft für Agrarservice damit auch für das weibliche Geschlecht attraktiver zu machen.

Eine junge Frau sitzt in einem großen Traktor. Der traktor steht auf einem Acker.
Lisa Dinger-Höfling ist seit Kurzem mit ihrer Ausbildung zur Fachkraft für Agrarservice fertig.

Beruf ist Mischung aus Pflanzenbau und Technik

Drei Jahre dauerte die Ausbildung der 21-Jährigen zur Fachkraft Agrarservice. "Es ähnelt dem Landwirt, es hat nur wenig bis gar nichts mit Tieren zu tun und mehr mit der Technik", sagt sie. Als Fachkraft Agrarservice übernimmt sie landwirtschaftliche Dienstleistungen. "Wir beschäftigen uns dort mehr mit dem Pflanzenbau und auch viel mit der Technik", erklärt Lisa. Zu ihren Aufgaben gehört es, Böden mit Pflug und Egge zu bearbeiten und Getreide zu pflanzen. Außerdem wartet sie die landwirtschaftlichen Maschinen.

Da es in Baden-Württemberg keinen Standort für den theoretischen Teil der Lehre gibt, fuhr sie jeden Monat für eine Woche von Emmendingen ins 300 Kilometer entfernte Ansbach in Bayern. Die Praxisphase verbrachte Lisa auf dem elterlichen Betrieb. Neben den rund 220 Hektar, die die Familie für den eigenen Anbau bewirtschaftet, übernehmen sie auch die Flächen anderer Landwirte. Die Familie arbeitet seit mehr als 25 Jahren auf dem Hof in Emmendingen. 1997 hat Lisas Vater, damals Discjockey, als Quereinsteiger das Abenteuer Landwirt begonnen.

Junge Frau in einem männerdominierten Beruf

Insgesamt bewirtschaftet Lisas Familie 850 Hektar Fläche. Damit gehöre ihre Familie zu den größten Betrieben der Region, so Lisa. Der Anblick einer jungen Frau, die aus dem Traktor steigt, sei für einige ihrer Auftraggeber bisweilen noch ungewohnt. Viele Kunden würden aber mittlerweile auch nur noch nach ihr verlangen. "Es gibt viele, die dann sagen: 'So etwas hätte ich nicht erwartet. Richtig cool, dass du das machst.' Ich kriege ziemlich viele positive Bewertungen. Auch von den Kunden, die dann sagen: 'Wow so ein Mädel auf so einem Riesen-Schlepper, das ist super.'" Trotzdem hört Lisa immer mal wieder auch einen blöden Spruch - doch sie nimmt es gelassen: "Damit muss man rechnen, das steckt man weg und man zeigt ja dann letztlich auch, was man kann."

Seit knapp vier Wochen ist Lisa Dinger-Höfling ausgelernt. Dass es so weit kommt, hätte die 21-Jährige als Schülerin nicht gedacht. Sie machte zuerst das Abitur und wollte eigentlich studieren gehen. "Dann habe ich mich doch umentschieden, weil ich eine Woche beim Meisterkurs von meinem Vater dabei war und mir das so Spaß gemacht hat", sagt sie. Das nächste Ziel hat sie aber schon jetzt fest im Blick: "Nach der Ausbildung ist jetzt mein Plan den Meister zu machen."

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