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Der September ist mit vielen Feiertagen ein besonderer Monat für die Jüdinnen und Juden. Etwas greifbarer wird die jüdische Kultur auf dem Jüdischen Friedhof in Freiburg.

Den Jüdischen Friedhof gibt es seit 1870 und er gilt als Kulturdenkmal. Lange Zeit hat ihn der Holocaust-Überlebende Felix Rottberger verwaltet. Er wohnt auch noch mit seiner Frau Heidi neben dem Friedhofsgelände. "Der Friedhof bedeutet mir eine Verbundenheit durch die lange Zeit, dann die jüdische Tradition und dann, dass man zur Erkenntnis gelangt, dass das ein Teil des Lebens ist, dass der Ewige uns auf dieser Welt gegeben hat", sagt Rottberger bei dem Rundgang.

Alle Kinder dort aufgewachsen

Mit dem Friedhof verbindet Rottberger viele Erinnerungen. Alle seine fünf Kinder sind hier aufgewachsen: Sie sind auf der Mauer balanciert und haben sich hinter den Grabsteinen versteckt. Leben und Tod - so eng beieinander.

Unbegrenzte Ruhezeit zur NS-Zeit missachtet

Im Gegensatz zu anderen Friedhöfen, wo eine begrenzte Ruhefrist gilt, ist die Totenruhe auf den jüdischen Friedhöfen dauerhaft. Doch während des NS-Regimes missachtete man diese Ruhe. Die Nazis wüteten auf dem Friedhof, rissen Grabsteine aus der Erde, zerstörten sogar schwere Marmorplatten. Ihre Verachtung kannte keinen Halt, erzählt Rottberger: "Die Kindergräber, die wir hier vor dem Haus haben, die waren alle so verstreut, dass wir sie nicht zuordnen konnten. Wir haben sie an der Mauer entlang gestellt und erst, als Überlebende - die meisten aus Übersee, Israel oder Amerika - dann die Gräber besucht haben, haben sie uns gesagt, da und da lag mein Kind."

Denkmal für gestorbene Juden

Einige Grabplatten konnten Felix Rottberger und die Angehörigen wieder der ursprünglichen Grabstelle zuordnen. Von den tausenden Juden, die während des Zweiten Weltkriegs ermordet wurden, liegt kein einziger auf dem Jüdischen Friedhof. Aber es gibt ein Denkmal für Juden, die im Ersten Weltkrieg gestorben sind.

Die letzte Ruhestätte in Freiburg gefunden

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kehrten einige Juden nach Freiburg zurück. Sie fanden ihre letzte Ruhestätte auf dem Jüdischen Friedhof. In der Mitte des Friedhofs steht ein Holocaust-Mahnmal, damit niemand vergisst, wozu Hass und Menschenverachtung führen können.

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