Gründungsurkunde der Universität Freiburg

Mögliche Umbenennung

War der Gründer der Universität Freiburg judenfeindlich?

Stand
Autor/in
Thomas Hermanns

Die Uni Freiburg will untersuchen, ob sie ihren Namen "Albert-Ludwigs-Universität" ändert. Eine Kommission prüft nun mögliche judenfeindliche Aussagen des Gründers. Damit folgt sie der Uni Tübingen.

Konkret geht es um eine Passage im Stiftungsbrief von Erzherzog Albrecht VI. Albrecht, auch Albert genannt, gründete die Universität 1457. Die Urkunde verbietet es Juden, in der Universität zu wohnen. Daher wird eine Kommission die Hintergründe der Gründungsurkunde und die Beziehung des Gründers zu Juden untersuchen. Diese wird am 17. November die Arbeit aufnehmen, wie die Universität Freiburg bekanntgab.

Auch Uni Tübingen prüfte judenfeindliche Gesinnung ihres Gründers

Das Thema Judenfeindlichkeit von Universitätsgründern war zuvor an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen heftig diskutiert worden. Studierende hatten gefordert, die Universität umzubenennen. Das wurde aber nach eingehender Prüfung vom Senat mit knapper Mehrheit abgelehnt. Die fragliche Textstelle im Stiftungsbrief wurde fast wortgleich bei der Gründung der Universität Tübingen 1477 aus dem bereits vorhandenen Schriftstück in Freiburg übernommen. Daher werde sich auch die Universität Freiburg nun proaktiv mit dem Thema Judenfeindlichkeit befassen, sagte Sylvia Paletschek, Prorektorin für Universitätskultur.

SWR Aktuell Baden-Württemberg berichtete am 23. August 2022 über das Thema:

Die Passage im Stiftungsbrief mache Erzherzog Albrecht VI. nicht automatisch zu einem Judenfeind, meint Professor Dieter Speck. Er ist Leiter des Archivs der Universität. Vielmehr sei die Ausgrenzung der Juden typisch für einen Fürsten der Renaissance. Juden wurden an vielen Orten in Europa im Mittelalter ausgegrenzt, die Universität in Freiburg sei da keine Ausnahme gewesen.

Historischer Kontext für die Einordnung auch wichtig

Außerdem sei das Wohnverbot für Juden von der Stadt Freiburg schon 1424 erlassen worden, also mehr als 30 Jahre vor der Universitätsgründung. Für Dieter Speck, auch Professor für Mittelalterliche Geschichte, ist Erzherzog Albrecht gewiss kein Engel, aber man müsse die Passage in der Gründungsurkunde im historischen Kontext betrachten.

Transkription des Stiftungsbriefs der Universität Freiburg
Um diesem Satz aus der Gründungsurkunde geht es. Juden wird das Wohnen in der Universität und der Stadt verboten.

Diskussion in Freiburg erst am Anfang

Anhaltspunkte für weitere, judenfeindliche Aussagen von Albrecht sind bisher nicht bekannt. Das wird die Kommission prüfen müssen. Diese wird von Professor Dieter Speck zusammen mit der Freiburger Professorin für Mittelalterliche Geschichte, Frau Birgit Studt geleitet. Als externe Fachleute sind Historikerinnen und Historiker aus Heidelberg, Tübingen und Karlsruhe Teil der Untersuchung. Ob sich daraus auch Fragen nach einer Umbenennung der Universität Freiburg stellen, werde sich erst im Laufe der Aufarbeitung zeigen, erklärte Uni-Pressesprecher Bastian Strauch.

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