Diese Tabletten lagern in den Gemeinden für den Notfall  (Foto: SWR)

Katastrophenschutz erneuert seine Lager

Jodtabletten für möglichen Atomunfall am Hochrhein

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AUTOR/IN
Petra Jehle

In Dogern, Albbruck und Teilen von Waldshut-Tiengen werden für den Katastrophenfall Jodtabletten verteilt. Die Verteilung läuft nach festen Regeln über Rathäuser und Apotheken.

In Albbruck, Dogern und Teilen der Stadt Waldshut-Tiengen sind die Jodtabletten ausgetauscht worden. Diese Orte im Kreis Waldshut liegen in der sogenannten "Zentralzone", das heißt in einem Radius von weniger als fünf Kilometern im Abstand zu einer Atomanlage. Die drei Gemeinden haben mit den Schweizer Atomkraftwerken Leibstadt, Beznau I und Beznau II gleich drei Atomanlagen in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft.

Das Schweizer Atomkraftwerk Leibstadt liegt unmittelbar gegenüber der deutschen Gemeinde Dogern (Foto: SWR)

Im Katastrophenfall würden in diesen Gemeinden Jodtabletten an die Bevölkerung verteilt. Wenn bei einem schweren Unfall in einem AKW Radioaktivität austritt, kann sich radioaktives Jod im Körper einlagern, vor allem in der Schilddrüse. Durch die Jodtabletten soll diese Einlagerung blockiert werden. Die Einnahme allerdings ist nur unter bestimmten Umständen und für eine bestimmte Zielgruppe empfohlen.

Wann sollen Jodtabletten eingenommen werden?

Jodtabletten sind kein Medikament und sollten keinesfalls vorsorglich eingenommen werden. Die Katastrophenschutzbehörden entscheiden, ob eine Einnahme sinnvoll ist und ordnen diese an. Wichtig ist eine rechtzeitige Einnahme, damit sie optimal wirken. Ideal ist die Einnahme kurz vor oder mit dem Einatmen von radioaktivem Jod.

Der Radiobeitrag zum Nachhören:

Wer soll die Jodtabletten einnehmen?

Besonders wichtig ist die Einnahme für Säuglinge, Kleinkinder und Kinder. Die Jodtabletten werden in Deutschland nicht an Menschen ausgegeben, die älter als 45 Jahre sind. Der Grund: Das Gesundheitsrisiko durch die Blockade der Schilddrüse wird für ältere Menschen höher eingestuft als das Risiko einer Schilddrüsenkrebserkrankung.

"Es macht durchaus Sinn bei jungen Leuten, wo noch Jod eingelagert wird, wenn man die Schilddrüse erstmal mit Jod sättigt. Damit nicht zusätzliches radioaktives Jod, was doch eine lange Halbwertszeit hat, in der Schilddrüse eingelagert werden kann.“

Wo und wie werden die Jodtabletten verteilt?

In Regelfall haben die Gemeinden im Umkreis von Atomanlagen Jodtabletten für ihre Bevölkerung eingelagert. In Dogern beispielsweise würden die Tabletten auf dem Vorplatz der Gemeindehalle verteilt. Das zu organisieren, würde nur wenige Minuten, maximal eine Stunde dauern, sagt Bürgermeister Fabian Prause. Im Landkreis Waldshut gibt es zudem eine Sonderregelung: Hier können Menschen bis zum Alter von 45 Jahren die Tabletten auch in ihrer Apotheke abholen und mit nach Hause nehmen.

Jodtabletten lagern in den Rathäusern der Grenzgemeinden  (Foto: SWR)

"Der Vorteil ist, dass wir Zeit sparen. Wenn bereits ein Teil der Bevölkerung mit Jodtabletten versorgt ist, müssen im Notfall nicht noch Teile der Bevölkerung auf die Straße, um sich Jodtabletten abzuholen."

Der Austausch der Jodtabletten erfolgt etwa alle zehn Jahre.
Genauere Informationen über die Notfallschutzkonzepte und den Gebrauch der Jodtabletten gibt es hier:

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Petra Jehle