Interview

Photovoltaik-Pflicht: "Es wird auf jeden Fall zu Wartezeiten kommen"

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Seit dem 1. Mai gilt sie: die Photovoltaik-Pflicht für alle neuen Wohngebäude. Das hat die baden-württembergische Landesregierung beschlossen. Was sagen die Handwerksbetriebe dazu?

Ab 2023 gibt es die Solarpflicht nicht nur bei Neubauten, sondern bei allen grundlegenden Dachsanierungen. Ein massiver Ausbau der erneuerbaren Energien müsse so schnell wie möglich her, sagte Umweltministerin Thekla Walker (Grüne). Über die neue Verordnung in Baden-Württemberg hat SWR-Moderator Freddy Kunzelmann mit Martin Schubnell gesprochen. Er ist Kreishandwerksmeister in Emmendingen und betreibt ein Unternehmen für Elektroinstallationen.

SWR: Herr Schubnell, was sagen die Handwerker zu dieser Photovoltaik-Pflicht für alle neuen Häuser?

Martin Schubnell: Diese Pflicht wird natürlich zu einer massiven Nachfrage führen, die auch aufgrund der politischen Situation schwierig werden wird, wenn wir die Materialien nicht so schnell bekommen, wie wir sie gerne liefern würden.

Das heißt, es fehlt an Materialien, an Modulen, aber auch an Handwerkern, die die Photovoltaikanlagen auf dem Dach installieren. Heißt das, die neue Verordnung ist nur schwer umzusetzen?

Es wird natürlich schon schwierig werden. Aber dafür gibt es auch schon Kooperationen. Der Fachverband Elektro- und Informationstechnik hat mit den Dachdeckern eine Kooperation abgeschlossen, um hier auch Abhilfe schaffen zu können.

Sie sind also zuversichtlich, dass man das hinbekommt?

Es wird nicht einfach, weil Materialien nicht zeitnah geliefert werden können. Wir haben jetzt schon Lieferzeiten von sechs bis sieben Monaten. Es wird also auf jeden Fall zu Wartezeiten kommen.

Das ganze Interview zum Nachhören:

Ist das eine Verordnung, die an der Realität und den Gegebenheiten vorbei erlassen wurde? Quasi realitätsfern?

Das sehe ich grundsätzlich nicht so. Es ist gut, dass in diesem Bereich etwas passiert, denn eine gut geplante Anlage schafft Vorteile für jeden Verbraucher, wenn er seinen Solarstrom selbst erzeugt und eine gute Kombination mit Smart Home oder einer anderen Steuerung schafft.

"Dann kann man auch sein E-Fahrzeug laden und entlastet sich selbst bei Stromkosten."

Wie gehen Kundinnen und Kunden damit um, dass sie nun Wartezeiten in Kauf nehmen müssen?

Relativ verständnisvoll, wenn man ihnen von vornherein sagt, was Sache ist und mit ihnen gut kommuniziert. Wenn man mit ihnen die Angebote bespricht und sagt, was momentan möglich ist. Also: Wir bekommen Module und die Untergestelle, das wird dann montiert und sobald weitere Bauteile geliefert und montiert werden, kann die Anlage ans Netz. Meistens fehlt es an den Batteriespeichern, die aber auch später eingepflegt werden können.

Im Jahr 2023 kommt die Pflicht auch bei allen Dachsanierungen dazu. Könnte das die Situation verschärfen?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass das so sein wird - wegen der Lieferkettensituation und auch der hohen Nachfrage.

Volle Auftragsbücher, Fachkräftemangel und fehlendes Material - auch im Kreis Tübingen sind die Handwerksbetriebe derzeit voll ausgelastet und damit beschäftigt, Solaranlagen auf Dächer zu installieren. Darüber hat der SWR am 2. Mai 2022 berichtet.

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